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Ingo Faust

Ingo Faust

Ingo Faust

Seit Mittwoch backt auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kleinere Brötchen. Die globale Finanzkrise ist auch beim Branchenprimus angekommen, und zwar mir Wucht.

Fast fünf Milliarden Euro Verlust innerhalb von drei Monaten sind kein Pappenstiel. Auch wenn der Banker sofort den Schuldigen präsentiert: die Pleite der Lehman-Bank Mitte September 2008, mit der niemand in Amerika und auch in Deutschland gerechnet hatte. Das habe zu Verwerfungen im Wertpapiergeschäft geführt.

Von dem Milliardenverlust sei er "sehr enttäuscht", muss der Schweizer zugeben. Und in den vergangenen Monaten hätten sich "einige Schwächen in der Bank" gezeigt, kommentierte Ackermann, der sonst immer vollmundig die Deutsche Bank als Vorbild herausstellte. Er ist sich bewusst, dass er nicht mehr nur - wie früher - sich mit der höchsten Rendite von 25 Prozent schmücken kann. Er hat seinem Geldinstitut auch den schlimmsten Jahresverlust der Firmengeschichte beschert und übt sich deswegen etwas in Demut.

Seinen Kampf für den reinen Kapitalismus, in der die Wirtschaft alles untereinander regelt, der Staat außen vor bleibt und nur den Rahmen setzt, hat der Topbanker trotzdem noch nicht aufgegeben. Auch an diesem schwarzen Tag weist er darauf hin, dass er nicht die Absicht habe, Geld vom Staat anzunehmen. Dafür würde er sich schämen, hatte er früher gesagt. Mit der Finanzspritze, die ihm die Post für den Kauf der Postbank gewährt, bekommt er dennoch indirekt eine "Mini-Hilfe" von Bund und Ländern. Der Staat hält künftig 2,5 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank - das ist aber noch keine Verstaatlichung wie bei anderen Banken.

Wie lange Ackermann seinen Kurs noch durchhält, ist offen. Auch als Branchenprimus müsste man erkennen, dass die Staatshilfen ein Wettbewerbsvorteil für die anderen Institute, die sich stützen lassen, bedeutet. Auch sieht es so aus, genaue Zahlen werden erst am 5. Februar vorgelegt, als ob die Deutsche Bank die letzten Reserven mobilisiert hat. Ein neuerliches Verlustloch, das sich in Milliardenhöhe angeblich auch bei der neuen Beteiligung Postbank auftun könnte, wäre kaum noch zu stopfen. Dann spätestens wird sich Ackermann vor den Gremien der Bank für seine Sturheit verantworten müssen.

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