Annette Ludwig
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Sergej Lepke

Annette Ludwig

Überraschend ist es nicht, was Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag verkündete. Nicht nur VW hat ein Dieselproblem. Auch bei Audi, Mercedes, Opel und Porsche gibt es Unregelmäßigkeiten. Die Lawine kommt mit Verspätung doch noch ins Rollen. Zwar haben diese Hersteller nicht so dreist betrogen wie VW, doch stimmen auch hier die angegebenen Abgaswerte nicht mit der Realität überein. Dass die Stickoxidwerte, die auf dem Prüfstand gemessen werden, wenig mit den tatsächlichen Werten auf der Straße zu tun haben, gilt ebenso als offenes Geheimnis wie die Tatsache, dass auch auf den – beileibe nicht so unabhängigen – Prüfständen getrickst wird. Jetzt gibt es dafür eine offizielle Bestätigung. Und die nächste Baustelle droht bereits: Auch die Verbrauchsangaben der Hersteller finden Kunden selten in der Realität bestätigt.

Ausgerechnet eine der Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft erlaubt sich einen derartigen Betrug an seinen Kunden. Gerade die Branche, die sich für Innovation, Umweltfreundlichkeit und Technologie lobt. Sie fühlt sich angesichts ihrer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft offenbar reichlich sicher. Ihre Lobbyisten sitzen an den entscheidenden Stellen und sorgen dafür, dass alles nach Plan verläuft. Die Autokonzerne haben mit ihrem Tun einen enormen Vertrauensverlust in Kauf genommen und setzen damit zudem Arbeitsplätze aufs Spiel.

Es ist richtig, dass Minister Dobrindt nach dem VW-Skandal diese Untersuchung angeordnet hat. Doch die Schlüsse, die daraus gezogen werden, sehen schon wieder arg weichgespült aus. Übergangsfristen etwa für Abgastests unter realistischen Bedingungen sowie Ausnahmeregelungen für den Schadstoffausstoß bei Dieselautos. Die Angst um Wohl und Wehe der deutschen Autoindustrie lässt grüßen.

Wie sehr viele Automanager jenseits der Realität leben, zeigt das Verhalten der VW-Führungskräfte im Zeichen der Krise. Verantwortung oder gar Haftung für ihr Tun? Fehlanzeige! Stattdessen wird darüber gestritten, ob die üppigen Boni eventuell ein bisschen gekürzt werden. Selbst zu einer solchen Selbstverständlichkeit kann sich die VW-Führungsetage nun nicht durchringen. Die Boni werden lediglich „auf Eis gelegt“, konkret: in Aktien geparkt. Die Regelung beinhaltet sogar die Option, nach drei Jahren mehr zu bekommen als bisher geplant. Dieses Verhalten ist der Skandal nach dem Skandal.

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