Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi
Wolfgang Beltracchi hat sich in der Kunstszene einen Namen gemacht - als Fälscher. Foto: Henning Kaiser

Wolfgang Beltracchi hat sich in der Kunstszene einen Namen gemacht - als Fälscher. Foto: Henning Kaiser

dpa

Wolfgang Beltracchi hat sich in der Kunstszene einen Namen gemacht - als Fälscher. Foto: Henning Kaiser

Berlin (dpa) - Den perfekten Kunstfälscher gibt es nicht - davon ist der Berliner Kriminalhauptkommissar René Allonge überzeugt. Und so hofft er, dass weitere gefälschte Bilder des verurteilten Wolfgang Beltracchi entdeckt werden.

Beltracchi habe stilistische Fehler gemacht, «aber er war ein guter Handwerker», meint der 38-Jährige vom Landeskriminalamt in der Hauptstadt fast anerkennend. Er spricht auf einer Tagung zum «Tatort Kunst». Der Bundesverband von Sachverständigen hat in den Gobelinsaal des Bodemuseums geladen - mit echten Gemälden.

Beltracchi hatte einen der größten Kunstfälscher-Skandale ausgelöst. Und Allonge ist mit seinem Team bei den Ermittlungen dabei - weil Berlin eines der bundesweit drei Spezialdezernate für Kunstdelikte hat. «Anfangs wussten wir gar nicht, welchem Skandal wir da auf der Spur sind», sagt der Kommissar. Auch die Schadenssumme übersteige seine Vorstellungen - Allonge sprach allein von 35 Millionen Euro Folgeschäden für den Kunsthandel.

Indes wird auch drei Monate nach der Verurteilung des Ex-Hippies mit abgebrochenem Kunststudium noch nach weiteren «Meisterwerken» der Avantgarde gesucht. «Wir vermuten, dass weitere Fälschungen im Umlauf sind», sagt Allonge. Es müsse davon ausgegangen werden, dass noch mehr als 25 gefälschte Bilder in alle Welt verkauft wurden. Mehr als 50 Fälschungen wurden nach Angaben des Kriminalisten durch den Prozess aufgedeckt, hinzu kämen 21 Fälle aus den 90er Jahren. «Auf 100 Fälschungen kommt man aber schon», sagt er zum aktuellen Stand. Erst kürzlich sei eine weitere Fälschung in Japan aufgetaucht.

«Fälscherfürst» Beltracchi war Ende Oktober 2011 in Köln zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Er hatte nicht nur Künstler wie Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk nachgemalt, sondern auch Bilder erfunden, «die im Werk eines Künstlers eigentlich nicht hätten fehlen dürfen.» Zu seiner Fälscherbande gehörten auch Frau Helene und zwei weitere Komplizen.

Die Bilder, die aus den frei erfundenen Sammlungen Jägers und Knops stammen sollten, wurden in den Kunstmarkt geschleust und brachten den Fälschern Millionen ein. Die Werke hingen in Museen und bei Sammlern in den USA, Niederlanden und in Frankreich. Der Blick des Kunstmarktes sei wohl etwas getrübt gewesen, hieß es im Prozess.

Der Kunsthandel müsse sicherer werden, Gefälligkeitsgutachten dürfe es nicht mehr geben, sagt auch Allonge. Er macht deutlich, dass auch die Ermittler nicht schlafen. So könne anhand der Jahresringe im Holz das Alter eines Rahmes bestimmt werden, Retuschen werden durch ultraviolettes Licht sichtbar, Röntgenaufnahmen zeigen abgeschliffene Leinwände. Und wenn auch noch Schnellkleber verwendet wurde, sei es mit Sicherheit kein altes Meisterwerk.

«Kunstkriminalität ist sehr international angelegt», sagt der 38-jährige Kommissar. Er sei zwar kein Kunsthistoriker, lerne aber mit jedem Fall. Die Erfahrung von Allonge: Länderübergreifende Vernetzung und Zusammenarbeit der Ermittler werden immer wichtiger. Und er erzählt ironisch das genaue Gegenteil: Es sei damals nicht gelungen, Anwesen von Beltracchi in Frankreich und Deutschland zeitgleich zu durchsuchen. Der Grund: Die französischen Justizbeamten seien nicht bereit gewesen, auf ihre Gerichtsferien zu verzichten.

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