Die Briten feiern Weihnachten fröhlich vor, die Spanier singen, die Franzosen speisen edel, die Amerikaner essen vorm TV.

Weihnachtsbaum am New Yorker Rockefeller Center leuchtet
Jedes Jahr aufs Neue ein Erlebnis: Der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York.

Jedes Jahr aufs Neue ein Erlebnis: Der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York.

Andrew Gombert

Jedes Jahr aufs Neue ein Erlebnis: Der Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York.

London. Drei Dinge brauchen Briten für ein perfektes Weihnachten. Nichts lässt die Engländer mehr in Festlaune geraten als die alljährliche feucht-fröhliche Büroparty. Anders als in deutschen Büros ist hier alles erlaubt. Alles! Hinterher tut man so, als wäre nichts passiert. Nur in der Kantine lästern die Kollegen mindestens bis Ende Januar darüber, dass die Sarah aus der Buchhaltung mit dem John . . . pssst!

Der „Christmas Pudding“, die englische Variante des deutschen Früchtebrots, ist das zweite Kuriosum der Insel – ein stundenlang in Wasserbad gekochter Kloß aus Rübensirup, Rindertalg, Nüssen, Trockenobst und Zitronat. Gut unterrichtete Kreise wollen wissen, dass die Zutaten Brandy und Schwarzbier vor allem den Koch und nicht den Pudding stärken. Am 25. Dezember wird der Pudding weitergekocht, gestürzt und flambiert. Die Ergebnisse dieser Prozedur sollen laut Statistik zu einem Drittel ungenießbar sein.

„Boxing Day“, der verkaufsoffene 26. Dezember, ist für viele neben der Bescherung am Tag zuvor das große Highlight: Zwölf Millionen Briten sind 2009 am zweiten Weihnachtsfeiertag shoppen gegangen – viele Händler machen dann die besten Umsätze des Jahres.

Madrid. Bereits im Advent zieht eine Karawane in die Wohnzimmer: Ziegen, Schafe, Schweine, Hühner, Kühe, Esel – eine Invasion im Miniaturformat. Denn einer prachtvolle Krippe gehört zur Weihnachts-Grundausrüstung. Neben den Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind schmückt oft auch der „Scheißer“ die Krippe. Ein satirisch gemeintes Kerlchen, oft mit dem Porträt von Politikern, Fußballern oder des Papstes versehen, das gerade sein Geschäft verrichtet.

In Spanien müssen die Kinder lange aushalten, bis sie sich auf ihre Geschenke stürzen können. Die meisten Präsente liegen erst am Dreikönigstag unterm Tannenbaum, wenn die drei „Weisen aus dem Morgenland“ Balthasar, Kaspar und Melchior mit Gaben kommen. Am Heiligabend, der „nochebuena“ (guten Nacht), gibt es nur kleinere Überraschungen. Dann singt man Weihnachtslieder und widmet sich dem familiären Festmahl: Typisch sind Meeresfrüchte und ein knuspriger Truthahn. Danach gibt es Nougat-Mandel-Honig-Gebäck („turron“) und „cava”, den champagnerähnlichen spanischen Schaumwein.

 

Paris. Kaum sind die Glockenklänge des Hochamts verklungen, eilen alle an die überaus reich gedeckte Tafel daheim. Krise? Gürtel enger schnallen? Doch nicht an diesem Tag! Weihnachten ist in Frankreich traditionell ein besinnliches Familienfest mit raffiniertem Festmahl.

Aufgefahren wird alles, was Garten, Meer und Keller an Klasse zu bieten haben: Champagner und große Rotweine, dazu Gänseleberpastete und Austern, Truthahn mit Maronen und als Krönung das Dessert: „Bûche de Noel“, eine mächtige Schokoladenbuttercreme mit Biskuit.

Fürs Schenken ist in Frankreich nicht das Christkind zuständig, sondern der „Père de Noel“, der Weihnachtsmann. Der klettert spät in der Heiligen Nacht durch den Kamin, so dass die kleinen Franzosen erst morgens am 25. Dezember ihre Bescherung erleben. Am 26. Dezember geht Frankreich schon wieder arbeiten (an dem Sonntag in diesem Jahr natürlich nicht). Den zweiten Weihnachtstag, diese arbeitnehmerfreundliche Zugabe, kennt man hier nicht.

 

Washington. Der Heilige Abend ist in den USA ein Werktag, viele besorgen noch bis 22 Uhr ihre letzten Geschenke. Das eigentliche Fest beginnt in der Nacht zum ersten Weihnachtstag. Kinder schleichen um fünf Uhr morgens ins Wohnzimmer, um die Geschenke auszupacken, die ihnen „Santa Claus“ hinterlegte, ehe er wieder durch den Schornstein verschwand. Weihnachten wird mit einem ausgiebigen Familiendinner zelebriert. Es beginnt bereits am frühen Nachmittag, wird von einem flimmernden TV-Schirm begleitet und neigt sich erst dem Ende zu, wenn das letzte „Weihnachtsspiel“ der NBA Profibasketballer abgepfiffen wird.

Truthahn hat man ja schon an Thanksgiving gegessen, deshalb wird am ersten Weihnachtstag in der Regel ein riesiger Schinken serviert. Zur festen Tradition gehören Nachbarskinder, die an der Tür Weihnachtslieder schmettern, die mit tausenden von Lichtern geschmückten Bäume in den Vorgärten und mindestens ein Becher heißer Eggnog, eine Art Eierlikör mit Milch, rohen Eiern, Zucker und Zimt. Kalorien satt also, die Energie geben, um am zweiten Weihnachtstag wieder kilometerlange Fußwege in den Einkaufszentren zurückzulegen.

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