Christoph Brockhaus schuf in Duisburg ein Spitzenmuseum.

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Christoph Brockhaus neben Wilhelm Lehmbrucks „Gestürztem“.

Christoph Brockhaus neben Wilhelm Lehmbrucks „Gestürztem“.

Meister

Christoph Brockhaus neben Wilhelm Lehmbrucks „Gestürztem“.

Duisburg. Das ist einzigartig: Das Lehmbruck-Museum in Duisburg ist mit seinen 1000 Skulpturen von internationalen Bildhauern sowie dem Komplettwerk von Wilhelm Lehmbruck Europas einziges Skulpturen-Museum. Hausherr Christoph Brockhaus hat eine beispielhafte Sammlungs- und Ankaufs-Politik betrieben, die ein Vorbild für andere Museen sein könnte.

Sein Credo lautet: "Keine Kunstgattung hat sich so revolutioniert wie die Skulptur. Sie umfasst heute Licht-, Klang-, Foto- und Videoskulptur. Sie hat längst alle medialen Grenzen gesprengt." In einer Stadt mit vielen Arbeitslosen, bei einem Etat von zuletzt zwei Millionen Euro durch die Wilhelm-Lehmbruck-Stiftung, hat dieser besonnene Museumschef seinen Kollegen mit den großen Millionen-Etats vorgemacht, wie man trotzdem spitze wird.

Die Absage von Buchheim war die Chance für Duisburg

Angefangen hat alles mit einem Reinfall. Als Brockhaus 1985 nach Duisburg kam, wurde das Haus gerade für die Gemälde-Sammlung Buchheim erweitert. Als sich Lothar-Günther Buchheim dann doch für den Starnberger See entschied, stand der Anbau schon. Heute blickt Brockhaus geradezu erleichtert zurück: "Ich bin Herrn Buchheim doppelt dankbar, denn ohne sein Angebot hätten wir den Anbau nicht und ohne seinen Rückzug hätten wir das Museum moderner Skulptur nicht in diesem Umfang." Aber warum konzentriert sich kein anderes Museum auf die Skulptur? Eine schlichte Antwort: "Die Nordeuropäer interessieren sich mehr für Bilder. Das war die Chance für Duisburg."

Den Höhenflug der dreidimensionalen Kunst sieht Brockhaus in zwei Epochen. Die erste lag in den konkreten Utopien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: "Es waren die Konstruktivisten, die unter der Erfahrung der Gewalt im Ersten Weltkrieg erlebten, wie eine alte Gesellschaft zerbrach. Sie glaubten, die Kunst könne dazu beitragen, eine neue Gesellschaft zu bauen. So entwarfen sie die geometrische Abstraktion. Es ist wahrscheinlich die größte Revolution, die die Kunst in ihrer Geschichte vollzogen hat."

Die zweite Revolution lässt Brockhaus bei Beuys beginnen: "Wir haben ab 1960 mit Beuys eine zweite Avantgarde bekommen. Beuys wird in den Köpfen bleiben, in seinem Material- und seinem Energie-Verständnis. Paik, der mit dem Video in die Skulptur ging, ist ein Vorbild für viele geworden. Es gibt eine solche Vielfalt zeitgenössischer Skulptur, wie es das in der Geschichte dieser Kunstgattung niemals zuvor gegeben hat."

"Peanuts" von Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper (1994); "Wohlstandsmüll" als Umschreibung arbeitsunwilliger Menschen von Nestlé-Manager Helmut Maucher (1997); "sozialverträgliches Frühableben" von Karsten Vilmar, Präsident der Bundesärztekammer (1998); "Herdprämie" wegen der Diffamierung von Familien, die ihre Kinder zu Hause erziehen (2007); "Notleidende Banken", weil mit diesem Begriff Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf gestellt werden (2008).

Noch bis 11. Januar können weitere Vorschläge eingereicht werden: Entweder per E-Mail an Unwort@em.uni-frankfurt.de oder per Post an Prof. Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt (Fach 161), 60629 Frankfurt am Main. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wird, spielt laut Schlosser bei der Wahl keine Rolle. Die Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten gibt das Unwort 2009 am 19. Januar 2010 bekannt.

Kurz vor seiner Pensionierung im Januar holte Brockhaus zum Paukenschlag aus. Er gewann den Nachlass der Familie Lehmbruck für sein Museum: 100 Skulpturen, 200 Druckgrafiken und 1000 Zeichnungen. Die dafür notwendigen 15 Millionen Euro bringen Bund, Kulturstiftung der Länder, Duisburger Wirtschaft, Kunststiftung NRW, Stadt Duisburg und Land bis 2011 auf.

Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum Friedrich-Wilhelm-Str. 40, Duisburg. Öffnungszeiten: Di bis Sa 11-17 Uhr, So 10-18 Uhr.

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