Doris Dörrie bietet in „Alles inklusive“ kurzweilige Unterhaltung.

Roman
Trägt Doris Dörrie in ihrem neuen Roman etwa zu dick auf? Ganz und gar nicht, denn sie erzählt wie in ihren Filmen knapp und lakonisch.

Trägt Doris Dörrie in ihrem neuen Roman etwa zu dick auf? Ganz und gar nicht, denn sie erzählt wie in ihren Filmen knapp und lakonisch.

dpa

Trägt Doris Dörrie in ihrem neuen Roman etwa zu dick auf? Ganz und gar nicht, denn sie erzählt wie in ihren Filmen knapp und lakonisch.

Wer sein Kind so nennt, macht es nicht glücklich. Die Frau mit dem Namen Apple leidet an Liebes-Katastrophen, Neurodermitis-Schüben und mehreren Kilo Übergewicht. Erlösung bringt erst ein Mops-Hund, den die nervenverspannte Frau hoffnungsvoll Dr. Freud nennt.

Dazwischen liegen Jahre und viele Versuche, das Glück zu finden. Bei Apple, ihrer Mutter Ingrid, der Freundin Susi und der Kinderbekanntschaft Tim, der irgendwann Tina heißt und vor Pauschaltouristen Gitte-Songs singt.

Die Sonne ist keine Garant für Glück, sie lässt die Sehnsüchte verbrutzeln

Doris Dörrie blickt in ihrem kurzweiligen Roman „Alles inklusive“ aus vier Perspektiven auf Sehnsüchte unter der brütenden Sonne Spaniens.

Sie erzählt von Ingrid, die 1976 verbogene Gabeln als Schmuck verkauft und im Zelt lebt, um sich und ihre kleine Tochter Apple durchzubringen. Sie verliebt sich hoffnungslos in einen verheirateten Mann, der sogar im Urlaub akkurat gebügelte Hemden trägt.

Ihre Tochter, das kleine Mädchen mit dem verhassten Namen, würde so gerne auf einer deutschen Wiese liegen und Nacktschnecken beobachten. Stattdessen ist Apple gefangen zwischen den Bärten und Busen der Hippies am Strand von Torremolinos. Auch Susi und Tim leiden. Sie am Mann, der sich plötzlich für andere Männer interessiert; er am Vater, der die Mutter nicht lieben kann und stattdessen ein Verhältnis mit Apples Mutter anfängt.

Der frühere Hippie-Liebhaber lebt nun im Altersheim von Torremolinos

Der Roman macht einen Sprung: 30 Jahre später verbringt Ingrid auf Krücken und mit neuem Hüftgelenk genau an diesem Ort einen „Alles inklusive“-Urlaub. Von Hippie-Romantik keine Spur mehr, dafür Bettenburgen, soweit das Auge reicht. Das Meer spült Flüchtlinge aus Afrika an Land, und ihr ehemaliger Liebhaber lebt im örtlichen Altersheim.

Doris Dörrie beschreibt schräge Situationen fernab von Klischees

Ein bisschen dick aufgetragen, könnte man meinen. Doch Dörrie erzählt, wie sie Filme macht: in Bildern, skizzierend statt umfassend und chronologisch zu schildern.

Kurze Szenen charakterisieren ihre Figuren, die Dialoge sind knapp und lakonisch. Sie wechselt Perspektiven, springt in den Zeiten und beschreibt schräge Situationen jenseits bekannter Klischees, so dass diese Figuren, von der Sonne beschienen und doch oft im Schatten, den Leser nie langweilen.

Doris Dörrie: „Alles inklusive“; Diogenes Verlag, 256 Seiten, 21,90 Euro.

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