Die größte Ausstellung aller Zeiten dokumentiert den Kampf zwischen Römern und Germanen vor 2.000 Jahren.

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Gesichtsmaske eines römischen Legionärs, die 1987 in Kalkriese gefunden wurde.

Gesichtsmaske eines römischen Legionärs, die 1987 in Kalkriese gefunden wurde.

dpa

Gesichtsmaske eines römischen Legionärs, die 1987 in Kalkriese gefunden wurde.

Haltern/ Detmold/ Kalkriese. Es ist eine Archäologie-Ausstellung der Superlative - und das nicht nur wegen des gewichtigen Sechs-Kilo-Katalogs.

Die dreiteilige Dokumentation "Imperium - Konflikt - Mythos" im westfälischen Haltern, im lippischen Detmold und dem niedersächsischen Kalkriese bei Bramsche beleuchtet nicht weniger als eine nationale Legende: die zur Geburtsstunde Deutschlands verklärte "Schlacht im Teutoburger Wald", bei der vor genau 2.000 Jahren die Krieger des Cheruskers Arminius drei Legionen des Römers Varus niedermetzelten.

Die wohl größte archäologische Ausstellung auf deutschem Boden zeigt von Samstag an tausende Exponate vom römischen Schuhnagel bis zum bedeutenden antiken Kunstwerk, vom nationalistischen Schlachtengemälde des 19. Jahrhunderts bis zur Woll-Kleidung von Moorleichen.

Der Luxus und Reichtum Roms

Die Geschichte des Feldherrn Varus wird im Halterner Römermuseum und der Seestadthalle lebendig. Mehr als 300 Exponate, Leihgaben aus aller Welt, dokumentieren den Aufstieg Roms vom Dorf auf den Sieben Hügeln zur Weltmacht. Eine Hand voll winziger Bronzemünzen zeigt ein zeitgenössisches Porträt von Varus.

Im Laufe seiner steilen Karriere erlebte er als Vertrauter von Kaiser Augustus die kulturelle Blüte des "Goldenen Zeitalters": Kunstvolle Freskenfragmente aus Villen, silberne Becher mit goldenen Verzierungen und feinste Marmorreliefs zeugen in Haltern vom Reichtum Roms.

Bis 25. Oktober, Haltern bis 11. Oktober

Imperium: Haltern am See, Weseler Straße 100 und Lippspieker 25, Seeststadthalle, Telefon: 02364/0376-38; Konflikt: Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese, Venner Straße 69, Telefon 05468/9204-200; Mythos: Lippisches Landesmuseum Detmold, Ameide 4, Telefon: 05231/9925-409

Haltern: Di. bis Fr. 9-18, Sa. 10-20, So./ Feiertage 10-18 Uhr; Kalkriese: tgl. 9-18 Uhr, Sa. bis 20 Uhr; Detmold: Di. bis Fr. 9-18, Sa. 10-20, So. 10-18 Uhr; Pfingsmontag: 10-18 Uhr

In der Mitte eines hellen Raums fasziniert eine Statue von Apollo, dem Gott der Schönen Künste. Die dunkle Seite in der Karriere des Römers belegt die Nachbildung einer von einem Nagel durchbohrten Ferse eines Gekreuzigten, den wohl Varus als Statthalter des Imperiums in Palästina hatte hinrichten lassen.

Die Schätze der germanischen "Barbaren" und ihre Welt ist das Thema in Kalkriese, dem möglichen historischen Ort der Varus- Niederlage. Manche Exponate waren noch nie in Deutschland zu sehen, wie die Stücke aus dem dänischen Illerup.

Die in einem Moor entdeckten Waffen-Opfer stehen für die Dauerkriege unter den Germanen. Da es aus dieser Zeit keine schriftlichen Quellen gibt, sind diese Funde von unschätzbarem archäologischen Wert. So stehen die Besucher vor Vitrinen mit Pfeilspitzen, Schwertern oder Waffenresten.

Ein wichtiger Grund für Konflikte ist die Eroberung von Beute gewesen. Das zeigt sich am Alamannenschatz von Neupotz aus Schmuck, Töpfen, Kesseln und Waffen, der die Plünderungen der Germanen über den Grenzwall Limes hinweg tief ins Römische Reich hinein dokumentiert. Das Lippische Landesmuseum Detmold am Fuße des "Hermannsdenkmals" durchleuchtet kritisch den nationalen Mythos um die Varus-Schlacht, der mit Barock-Opern oder in Romanform Generationen überdauert hat.

Im Gegensatz zu den anderen Ausstellungs-Kapiteln wartet Detmold mit mehr als archäologischen Funden auf. "Weil wir die Rezeptionsgeschichte bis heute zeigen, decken wir viele Jahrhunderte ab. Wir beschäftigen uns auch mit Musik-, Kunst- oder Literaturgeschichte", erklärt Museumssprecherin Katrin Winter.

Auf 1 000 Quadratmetern erwarten so den Besucher rund 900 Exponate: Von der Händelschen Original-Partitur seines "Arminio" über monumentale Schlachten-Gemälde des 19. Jahrhunderts bis hin zum touristisch-kitschigen Gartenzwerg. All das gehört zum Arminius-Mythos. "Der Held Hermann, der später aus Arminius gemacht wurde, war ein Fantasie-Produkt der damaligen Zeit", sagt Winter.

Viele der archäologischen Objekte widerlegen das vom Römer Tacitus entworfene Bild der grobschlächtigen Germanen: Seien es Werkzeuge feinster Art zur Schmuck-Herstellung oder Trachten-Kleidung wie der bemerkenswerte "Mantel von Hunteburg" einer Moorleiche. Kostbare römische Importe als Grabbeigaben der Germanen belegen den interkulturellen Austausch beider Welten.

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