Finale beim Eurovision Song Contest: Ab 21 Uhr überträgt die ARD live. Wir begleiten die Show per Live-Twitter aus Kiew und unseren Wohnzimmern unter wz.de/esc17. Zur Einstimmung fünf unfaire, subjektive Plädoyers, wie der ESC ausgehen muss – plus echte Tipps für die Top 5.

Eurovision Song Contest 2017
Imri aus Israel werden gute Siegchancen zugerechnet.

Imri aus Israel werden gute Siegchancen zugerechnet.

Julian Stratenschulte

Imri aus Israel werden gute Siegchancen zugerechnet.

Es muss eine Bühnensau gewinnen (Torsten Tognotti)

Den ESC kann eigentlich nur ein Land gewinnen: Italien. Nicht nur, dass Francesco Gabbani den Song „Occidentali’s Karma“ präsentiert, der bereits jetzt der am häufigsten auf YouTube angeklickte ESC-Titel aller Zeiten ist – darüber hinaus ist Francesco eine Bühnensau, dem es Spaß macht, sein Publikum zu unterhalten.

Ferner ist Italien seiner Landessprache treu geblieben, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als oft Passagen in englischer Sprache eingefügt wurden. „Occidentali’s Karma“ hat das Potenzial, ein Sommerhit zu werden. Den passenden Tanz dazu wird Francesco Gabbani mit einem Gorilla (na gut, kein echter) auf der Bühne vorführen – da kommt echtes ESC-Feeling auf. Bei den Buchmachern ist der Song die unangefochtene Nummer 1. Ein Siegerlied, das öfter gehört wird als nur an einem Abend.

Meine Top-5-Tipps:

1. Platz: Francesco Gabbani (Italien)

2. Platz: Kristian Kostov (Bulgarien)

3. Platz: Salvador Sobral (Portugal)

4.  Platz: Robin Bengtsson (Schweden)

5. Platz: Ilinca feat. Alex Florea (Rumänien)

 

Nur Moldawien macht Spaß - sonst niemand! (Christian Gerstenberger)

Plötzlich wird es interessant: Dienstag, 9. Mai. Die erste Stunde im ersten Halbfinale ist langsam umgegangen. Zum Teil, weil ich die Highlights schon aus dem Netz kenne. Zum größeren Teil, weil das einfach nichts für mich ist – nicht die georgische Busen-Ballade, nicht die Griechin ohne Stimme. Dann kommt Moldawien. Und die Sonne geht auf. Zum ersten Mal an dem Abend habe ich Spaß.

„Sunstroke Project“, Projekt Sonnenstich, nennen sich die drei zu kräftig blondierten Herren, „Hey Mama“ heißt die Nummer.. Volltreffer! Puls steigt, Atmung verflacht, Füße zucken. Das Lied lässt sich als Pop-Stampfer mit Jazz-Anteilen beschreiben. Ist aber egal. Ebenso egal wie die Antwort auf die Frage, was die backgroundsingenden Bräute da sollen. Es gibt sie noch, diese ESC-Momente. Kischinau, Kischinau, wir fahr’n nach Kischinau!

Meine Top-5-Tipps:

1. Platz: Imri Ziv (Israel)

2. Platz: Francesco Gabbani (Italien)

3. Platz: Kristian Kostov (Bulgarien)

4.  Platz: Robin Bengtsson (Schweden)

5. Platz: Ilinca feat. Alex Florea (Rumänien)   


 

Man hat ja schon manche Ballade beim Song Contest gehört. Einige haben einen kurz angefasst, dann waren sie wieder raus aus dem Ohr. Bei Salvador Sobrals und seinem gehauchten Jazz-Walzer „Amar Pelos Dois“ (Liebe für zwei) ist das anders. Der ist tatsächlich so begnadet, dass man den ESC wieder für einen ambitionierten Musikwettstreit halten darf. Seit Elvis Costello mit „She“ hat niemand mehr mit so viel Gefühl und so wenig Kitsch eine Schnulze von höchstem Niveau rausgehauen. Wunderbar.

Merken Sie sich die Startnummer 11. Geschlossene Augen, Sobral (27) und die Musik, keine Spur von Bombast-Bühnenbild. Ohnehin: Das Niveau des ESC in diesem Jahr ist sehr viel besser, als es manche Kritik Glauben machen will. Auch Belgiens Song ist ein richtig starkes, aber für den ESC wohl zu mystisches Werk.

Meine Top-5-Tipps:

1. Platz: Salvador Sobral (Portugal)

2. Platz: Blanche (Belgien),

3. Platz O’G3NE (Niederlande)

4. Platz: Kristian Kostov (Bulgarien)

5. Platz: Naviband (Weißrussland)

 

Der ESC ist nicht zuletzt ein Fest fürs Auge (Ellen Schröder)

Er ist einfach smart. Mit Robin Bengtsson schicken die Skandinavier alles andere als einen 08/15-Typen ins Finale. H & M-Model, Versicherungsvertreter, James-Bond-Darsteller – und Sänger! Robin Bengtsson kann das mit der großen Mimik und der großen Bühne. Und so schafft er es bei seinem Auftritt auf einem Laufband gehend, gleichzeitig singend und eine Choreografie tanzend, so auszusehen, als wäre es ein leichter Spaziergang. Das hat er wochenlang geübt. Dabei heißt sein Liedtitel doch „I can’t go on“. Man nimmt ihm das aber bedingungslos ab, was er singt. Der Mann hat einfach diesen Groove in der Kehle. Abba wurde beim Grand Prix entdeckt, das Königreich hat den Wettbewerb sechs Mal gewonnen. Die Schweden wissen einfach, wie man den ESC begeht. Jetzt müssen mal andere ran? Nö, smarter Schwedenpop geht immer.

Meine Top-5-Tipps:

1. Platz: Robin Bengtsson (Schweden)

2. Platz: Sunstroke Project (Moldawien)

3. Platz: Joci Pápai (Ungarn)

4. Platz: Hovig Demirjian (Zypern)

5. Platz: Kristian Kostow (Bulgarien)

 

Können Sie sich noch an Natalie Horler erinnern? Natürlich nicht. Sängerin der Band „Cascada“, ebenfalls zu Recht vergessen. Deutscher ESC-Beitrag 2013, Platz 21 von 26. Die Geschichte der deutschen ESC-Pleiten ist voll von Biografien, in denen es heißt: „Schon als Kind“ blablabla „nachdem sie auf der Bonner Liebfrauenschule“ blablabla „ganz der Musik zu widmen“ – hallo? Das kann nichts werden!

Beim ESC geht es nicht um Musik! Unsere aktuelle Kandidatin Levina hat als Neunjährige „Jugend musiziert“ gewonnen – Ende, Aus, keine Chance. Damit wird man VHS-Dozent, aber nicht ESC-Sieger. Wissen Sie, wie Lena „komponiert“? Sie summt was auf ihr iPhone und mailt es Stefan Raab. So geht das. Und deshalb landet Deutschland heute wieder irgendwo im letzten Drittel.

Meine Top-5-Tipps:

1. Platz: Salvador Sobral (Portugal)

2. Platz: Francesco Gabbani (Italien)

3. Platz: Blanche (Belgien)

4.  Platz: Imri Ziv (Israel)

5. Platz: Alma (Frankreich)

 

 

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