Asmik Grigorian beschert den Festspielen als Königstochter „Salome“ Sternstunden des Gesangs. Ansteckendes Charisma.

Salzburger Festspiele
Asmik Grigorian (Salome) tritt während der Fotoprobe der Richard Strauss Oper "Salome" auf.

Asmik Grigorian (Salome) tritt während der Fotoprobe der Richard Strauss Oper "Salome" auf.

Barbara Gindl

Asmik Grigorian (Salome) tritt während der Fotoprobe der Richard Strauss Oper "Salome" auf.

Salzburg. Ein Triumph bei den Salzburger Festspielen bedeutet für manche Opernsänger der Start einer Weltkarriere. Ähnlich furios, wie Anna Netrebko 2002 als Donna Anna gefeiert wurde - danach sang sie gleich an den ersten Opernadressen der Welt – feiert das Publikum in der Mozartstadt jetzt Asmik Grigorian.

Die 37-jährige Sopranistin aus Litauen beschert als Königstochter „Salome“ eine Sternstunde des Gesangs und wirft sich hinein in die Rolle der sexuell missbrauchten Kindfrau, die ihrem Stiefvater Herodes alles abverlangen kann. Sogar die Enthauptung des Propheten Jochanaan, der sich ihrer verführerischen Annäherung und Liebes-Besessenheit verweigert.

Grigorian verausgabt sich stimmlich und körperlich als missbrauchtes Mädchen, das selbst zur Gewalt-Täterin wird. Und wankt zwischen Begehren und Hass. Mal tänzelt sie als kecke Kindfrau über den glatten Messingboden in Salzburgs Felsenreitschule, dann mutiert sie zum eiskalten Todesengel, der sich auf dem geköpften Rumpf Jochanaans aufgeilt. Modern und spontan wirkt die Inszenierung des italienischen Bild-Magiers Romeo Castellucci, der vor lauter Glückseligkeit beim Premieren-Applaus vor seiner Hauptdarstellerin in die Knie ging.

Das knapp zweistündige Musikdrama „Salome“ von Richard Strauss, das, anders als bei Verdi- und Puccini-Klassikern, weniger zu den Reißern an der Kasse zählt, ist hoffnungslos überbucht. Die bildschöne Litauerin mit blauen Augen und schwarzen Haaren, von phänomenaler Sicherheit und Durchhaltevermögen in den höchsten Sopran-Regionen und mit einem ansteckenden Charisma, lockt alle Opernfans. Viele bemühen sich in letzter Minute vergeblich um zurückgegebene Karten. Die Folge: Schwarzmarktpreise beim teuersten Musikfestival der Welt schnellen in die Höhe. Auch das eine Parallele zu Netrebkos kometenhaftem Aufstieg.

Die intensive Klangkraft und Bühnenpräsenz sind der 1981 in Vilnius geborenen Asmik Grigorian scheinbar in die Wiege gelegt. Der Vater war ein Tenor aus Armenien, die Mutter ebenfalls Opernsängerin. Am Kunstgymnasium in Vilnius studierte sie Klavier, Chordirigat und Gesang. Und stand bereits mit 22 Jahren auf der Bühne, zuerst in Osteuropa in russischen Opernrollen, wie in Tschaikowskys Eugen Onegin. Später sang sie in westeuropäischen Metropolen anspruchsvolle italienische Partien, wie Puccinis Madame Butterfly und Verdis „Traviata“, die Stimmkiller gefürchtet werden. Grigorian, so scheint es, haben sie stärker gemacht. So zählen heute – nach nur 14 Bühnen-Jahren - 60 Opern zu ihrem Repertoire.

Als Mutter eines 16-jährigen Sohns und einer zweijährigen Tochter ist sie seit einigen Jahren stets auf Achse. Häufig mit dem russischen Theater- und Opernregisseur Vasily Barkhatov, den sie 2015 heiratete. Ihre große Begabung wurde bereits in Salzburg bei ihrem Festspieldebüt 2017 als Marie im „Wozzeck“ bewundert und gefeiert. Doch der Erfolg vor einem Jahr ist unvergleichbar mit dem als Königstochter Salome.

Erst jetzt wird Frau Grigorian vermutlich richtig durchstarten und freut sich auf ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera 2019. Bis dahin wird ihr natürlich kräftiger, aber auch lyrischer Sopran noch einige Male als Salome gefordert werden. Übrigens singt sie die Rolle in perfektem Deutsch, obwohl sie kein Deutsch spricht. Vielleicht wird Asmik G. das bald lernen. Zumindest stellt sie das in einem Interview in Aussicht.

Im TV: Sa., 11. August, 20.15 Uhr, 3sat. Für einen exquisiten Klangrausch sorgen die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst.

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