wza_1500x1207_774736.jpeg
Rula Jebreal, die Autorin des Buches, und der Regisseur Julian Schnabel sind seit den Dreharbeiten ein Paar.

Rula Jebreal, die Autorin des Buches, und der Regisseur Julian Schnabel sind seit den Dreharbeiten ein Paar.

Reuters

Rula Jebreal, die Autorin des Buches, und der Regisseur Julian Schnabel sind seit den Dreharbeiten ein Paar.

Düsseldorf. Die Autorin Rula Jebreal über das Leben als Araberin in Israel und Julian Schnabels Film dazu.

Frau Jebreal, es gab auf Ihren Film bereits starke Reaktionen von der jüdischen Seite. Was würden Sie antworten, wenn man Ihnen Antisemitismus vorwirft?

Jebreal: Meine jüdischen Freunde haben sich nicht über den Film aufgeregt. Im Gegenteil. Amanda Dayan, die Nichte Moshe Da-yans, hat gesagt, der Film sei großartig, mutig und wahrhaftig, die Welt müsse genau das alles zu sehen bekommen - besonders Amerika. Es geht nicht darum, Israel zu zerstören, Israel soll weiterhin bestehen. Aber ich hoffe, dass die Palästinenser mit Respekt und Rechten ausgestattet werden. Im Nahen Osten gibt es keine Gewinner, nur Verlierer.

Wie werden die Palästinenser auf den Film reagieren?

Jebreal: Dieser Film wird auf keinen Fall alle zufrieden stellen. Schon meine Familie ist ja verärgert. Aber wenn ich die Wahrheit erzählen will, kann ich keine Eingeständnisse machen, um höflich oder politisch korrekt zu sein. Mir ist es egal, ob mich die Leute dafür mögen oder hassen - Hauptsache, sie interessieren sich für das Schicksal dieser Kinder.

Als Frau hat man im Nahen Osten kaum Optionen. Die Schule von Hind Husseini, wo ich zum Frieden erzogen worden bin, hat statt 1000 nur noch 30 Schülerinnen. Dabei gibt es im Gaza-Streifen und den Flüchtlingslagern der Westbank Hunderte von Waisenkindern, die Obdach, Fürsorge und Erziehung brauchen. Dafür kämpfe ich: Ich bin davon überzeugt, dass Frieden und Diplomatie erst erreicht werden können, wenn alle Menschen Zugang zu Bildung bekommen.

Julian Schnabel sagte bei der Vorstellung seines Films in Venedig, dass er als Jude vielleicht die richtige Person dafür ist, den Konflikt aus der palästinensischen Perspektive zu erzählen. Sehen Sie das auch so?

Jebreal: Ich habe Julian immer nur als herausragenden Künstler und Regisseur gesehen - dass er jüdisch ist, daran habe ich nie gedacht. Und umgekehrt sah er mich weder als Farbige noch als Palästinenserin, sondern als Mensch. Das war die Basis unserer Zusammenarbeit und auch unserer Partnerschaft.

Seit dem Dreh sind Sie auch privat ein Paar. Wie kam das?

Rula Jebreal (geb. 1973) wuchs in Ost-Jerusalem auf. Mit 20 Jahren ging die Araberin nach Italien und wurde dort erfolgreiche TV-Moderatorin und Schriftstellerin. Nun lebt sie mit ihrer Tochter Miral und dem Künstler Julian Schnabel in New York.

In "Miral", dem Film nach Rula Jebreals autobiografisch gefärbtem Buch, wächst die junge Miral relativ behütet in Ost-Jerusalem auf. Als sie sich in den politischen Aktivisten Hani verliebt, muss sie sich entscheiden, ob sie ins militante Palästinenser-Lager wechselt oder sich weiter dem Frieden verpflichtet fühlt. Der Film läuft heute in den Kinos an.

Jebreal: Irgendwann schnitt ich ihm die Haare, weil sie zu lang geworden waren, ich nahm ihn mit zum Zahnarzt, sorgte dafür, dass seine Kleidung sauber war - ich kümmerte mich um ihn wie ich auch meine Tochter bemuttere. Er sagte mal: "Eigentlich bist Du das jüdische Mädchen, das sich meine Mutter immer für mich gewünscht hat!" Das ist das schönste Kompliment, das er mir je gemacht hat. Als ich mich in ihn verliebte, ging es nicht um Leidenschaft oder so, sondern es war, als käme ich nach Hause.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer