Heiner Goebbels‘ Zeit als Leiter neigt sich ihrem Ende zu. Er zieht eine gleichzeitig kritische und positive Bilanz.

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Die letzte Ruhrtriennale-Saison unter Intendant Heiner Goebbels neigt sich dem Ende entgegen. Kurz vor dem Finale des Festivals der Künste am Wochenende zieht der Macher in Bochum Bilanz.

Die letzte Ruhrtriennale-Saison unter Intendant Heiner Goebbels neigt sich dem Ende entgegen. Kurz vor dem Finale des Festivals der Künste am Wochenende zieht der Macher in Bochum Bilanz.

dpa

Die letzte Ruhrtriennale-Saison unter Intendant Heiner Goebbels neigt sich dem Ende entgegen. Kurz vor dem Finale des Festivals der Künste am Wochenende zieht der Macher in Bochum Bilanz.

Bochum. Heiner Goebbels (62) ist Avantgardist: als Komponist, als Regisseur, als Hörspielautor und als Professor. Nicht zuletzt deshalb wurde er zum Leiter der Ruhrtriennale berufen. Nach drei Jahren als Intendant sieht er die Stellung der 2001 gegründeten Ruhrtriennale als eines der führenden europäischen Sommerfestivals gefestigt.

Herr Goebbels, Ihre Zeit als Intendant neigt sich ihrem Ende zu. Bedauern Sie, dass Sie nicht noch länger Zeit haben, oder sind Sie froh, die Bürde los zu werden?

Heiner Goebbels: Ich habe das nie als Bürde empfunden. Und für mich ist es das perfekte Zeitmaß. Der Wechsel nach drei Jahren tut einem Festival gut, wenn man das so interpretiert, wie ich es versucht habe: als Angebot einer sehr persönlichen zeitgenössischen Ästhetik. Danach kommt jemand anderes und setzt die Schwerpunkte neu.

Anders als die meisten Ihrer Vorgänger haben Sie die Ruhrtriennale nicht nur geleitet, sondern auch inszeniert. Bietet das Festival ein gutes Podium?

Goebbels: Ich glaube, das ist eines der besten Festivals der Welt! Erstens, weil die Spielorte und die Industriedenkmäler eine Herausforderung, aber auch eine große Chance für die Künstler sind. Zum zweiten, weil das Festival die Möglichkeit hat, Neues zu produzieren, nicht nur einzuladen. Das Dritte ist das Publikum, das mit großer Offenheit diesen Weg mitgetragen hat. Wir haben eine hohe Auslastung von rund 90 Prozent in diesem Jahr.

Was könnte, sollte man an der Ruhrtriennale verbessern?

Goebbels: Wir haben versucht, das Publikum entscheidend zu verjüngen, das ist uns auch gelungen. Daran kann man weiterarbeiten. Ich hab mich vom Repertoire gelöst und schon zu Beginn gesagt, ich möchte hier Dinge zeigen, die man woanders nicht sehen kann und die woanders nicht entstehen können. Dazu gehören auch Produktionen, die die institutionellen Genregrenzen ignorieren und auch bildende Kunst. Das muss aber jeder künstlerische Leiter für sich selbst beantworten. Johan Simons, mein Nachfolger, braucht da keinen Ratschlag. Er ist ein erfolgreicher Theatermacher und Intendant; ich denke, er hat schon seinen Plan.

Sie werden nicht müde zu beteuern, jeder sei willkommen, kein Besucher der Ruhrtriennale brauche irgendeine Vorbildung. Stimmt das wirklich bei einem Avantgardefestival?

Goebbels: Vor dem Neuen sind wir alle gleich. Ob gebildet oder nicht. Es gibt hier eher Sprachen zu hören, die wir nicht verstehen, die uns auf anderem Wege erreichen. Der Publikumszuwachs beweist noch einmal, dass Zugänglichkeit kein Gegensatz sein muss zu einem zeitgenössischen Kunstbegriff.

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