Am Freitag jährt sich der Geburtstag von Johannes Calvin zum 500. Mal. Er war ein berühmter Protestant, dessen Lehren in ihrer Radikalität allerdings bis heute umstritten sind.

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Johannes Calvin (1509 bis 1564).

Johannes Calvin (1509 bis 1564).

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Johannes Calvin (1509 bis 1564).

Düsseldorf. Er hat sich wohl selber am unerbittlichsten eiserner Disziplin, asketischer Maßhaltung, unermüdlichem Arbeitseifer und beständiger Gottsuche unterworfen.

Davon zeugt Johannes Calvins Werk und zeugen nicht zuletzt seine Briefe. "Ich lieh jenen Lehren nur ungern mein Ohr, mit leidenschaftlichem Eifer widerstand ich ihnen" aus "Ehrfurcht vor der Kirche", schreibt er im Winter 1533/1534, als er zwischen Katholizismus und den Lehren des Reformators Martin Luther schwankt.

Und dann: "Wie durch einen plötzlichen Lichtstrahl erkannte ich, in welchem Abgrund von Irrtümern ich mich befunden hatte. So tat ich, o Herr, was meine Pflicht war, und begab mich, erschreckt und mit Tränen mein früheres Leben verdammend, auf deinen Weg." Mit diesen Zeilen beantwortet er 1539 einen Brief von Jakob Sadoleto.

Nachdem er einmal zuvor aus Genf verbannt worden war, wurde er zur Rückkehr eingeladen, denn 1536 hatte das Volk feierlich die Einführung der Reformation beschlossen. Und Calvin kam und organisierte den Aufbau einer protestantischen Gemeinde wie eine Mischung aus früher Volksdemokratie und paramilitärischem Kasernenhof.

Für einen aus der Gemeinde endete der Verstoß gegen die Kirchenzucht auf dem Scheiterhaufen.

 

Geboren als Jean Cauvin am 10. Juli 1509 in Noyon/Picardie als zweiter von vier Söhnen der Eheleute Gerard Cauvin und Jeanne aus Flandern. Calvins Vater wurde Generalprokurator des Bischofs. Die Mutter erzog Jean im Geiste römisch-katholischer Frömmigkeit. Sie starb jedoch 1514. Calvin besuchte eine Lateinschule. Kontakt zu den Söhnen des adligen Bischofs, Teilnahme an deren Hausunterricht. Ab 1523 Collège du Marché in Paris, dann Collège de Montaigu an der Sorbonne, 1528 Magister artium. 1528 Jura-Studium in Orléans. Ein Anhänger Luthers begeistert ihn für humanistische Studien. Studiert wieder in Paris Griechisch und Hebräisch und immer intensiver lutherisches Gedankengut. Lebt in Basel und Ferrara, Straßburg und Genf. Dort stirbt er am 27. Mai 1564 nach jahrelanger Krankheit, beigesetzt auf dem Cimetière des Rois.

Verfasst eine "Institutio Christianae religionis" (1534/35). Zentrale Punkte seiner Lehre: Prädestination zum Heil, protestantische Ethik, synodale Gemeindestruktur und radikale Unterwerfung unter die "Kirchenzucht". 1539 Bibelkommentar zum Römerbrief, 1545 "Genfer Katechismus" mit 373 Fragen und Antworten. Gründet 1559 die Genfer Akademie, bei seinem Tod hatte die Akademie 1500 Studenten. Bis heute ist sie eine Hochschule des Calvinismus. Hält jährlich 200 Predigten und gibt ebenso viele Bibelstunden. 200 Predigten wurden ab 1549 mitgeschrieben; das exegetische Werk umfasst 30 Bände.

Christoph Strohm: "Johannes Calvin. Leben und Werk des Reformators." Beck Verlag München, 128 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-406-56269-3
Volker Reinhardt:
"Die Tyrannei der Tugend." Beck Verlag, München, 271 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-406-57556-3
T.H.L. Parker:
"Johannes Calvin - Ein großer Reformator." ICMedienhaus, Holzgerlingen, 336 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-7751-4830-6

Die Bevölkerung wurde auf das Glaubensbekenntnis vereidigt und war zur Teilnahme an der monatlichen Abendmahlsfeier verpflichtet. Ein Rat von Ältesten führte die Überwachung der Kirchenzucht durch. Und die konnte böse enden - schlimmstenfalls mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen wie bei Michael Servet. Der hatte gegen Calvins Lehre der Erbsünde und gegen die Kindertaufe gepredigt.

Seine Kirchenordnung, vom Rat der Stadt Genf 1541 verabschiedet, sah vier kirchliche Ämter vor: Pastoren für Predigt und Seelsorge, Lehrer für den Unterricht, Älteste für die Kirchenzucht und Diakone für die Armenpflege. Aber in Fragen der Kirchenzucht hatte er gerade im einflussreichen Adel, der sich nicht gängeln lassen wollte, mächtige Feinde.

Dieses System wird ihm bis heute angekreidet als heimtückische Einrichtung von Verrat und Bespitzelung. Vor allem im Fall Servet, wo Calvin selbst durch ein Gutachten und gesteuerte Weitergabe brisanter Einzelheiten und Hintergründe auf das Todesurteil hingewirkt haben soll.

Und da Calvin sehr eigene Glaubensauslegungen hatte, dauerte es nicht lange bis zum Streit zwischen ihm und Luther. Glaubte dieser beim Abendmahl an die unmittelbare Anwesenheit von Leib und Blut, war Calvin fest überzeugt von der nur mittelbaren Anwesenheit allein des Heiligen Geistes. Ein Konflikt, der erst 1973 durch die Leuenberger Konkordie überwunden wurde.

"Calvin forderte, die Menschen sollten ihren Besitz an Flüchtlinge und Arme verteilen."

Heute gilt er vielen als Vordenker der Industrialisierung und des Kapitalismus. Dahinter steht die calvinistische Vorstellung, dass der Erfolg eines Menschen für seine Erwählung durch Gott spricht. Tatsächlich sind calvinistisch geprägte Regionen wie die Niederlande, Süddeutschland oder die Schweiz wirtschaftlich erfolgreich. Dennoch war die Erwählung zum Glauben für Calvin das höchstem Gut.

Der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann meint, Calvin würde das herrschende Gesellschaftssystem "in Grund und Boden verdammen". "Er hat drei Mal die Errichtung einer italienischen Bank verhindert. Außerdem hat er von den Menschen gefordert, ihren Besitz für die Armen und Flüchtlinge einzusetzen. Man könnte also auch den Nachweis erbringen, der Calvinismus sei der Geist des Sozialismus. Erst im 18. und 19. Jahrhundert begannen die Leute, von ihrem Bankkonto abzulesen, ob sie von Gott erwählt sind."

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