Das Kölner Museum Ludwig zeigt in „Ichundichundich“ 250 Fotoporträts Pablo Picassos.

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Das Porträt Pablo Picassos von Edward Quinn aus dem Jahr 1955 wird im Museum Ludwig gezeigt.

Das Porträt Pablo Picassos von Edward Quinn aus dem Jahr 1955 wird im Museum Ludwig gezeigt.

dpa

Das Porträt Pablo Picassos von Edward Quinn aus dem Jahr 1955 wird im Museum Ludwig gezeigt.

Köln. Der intensive Blick, der gestreifte Matrosen-Sweater, die Brötchenhände, der Bademantel oder die großen Feinripp-Unterhosen – wer kennt nicht einen der wunderbaren Schnappschüsse, die den Jahrhundertkünstler Pablo Picasso (1889 – 1973) zeigen, die beinahe berühmter sind als seine eigenen Werke? Die Ausstellung mit dem Titel „Ichundichundich“ im Kölner Museum Ludwig versammelt erstmals ausschließlich Fotoporträts des Künstlers. 250 Mal Pablo Picasso und die Frage nach dessen Wunsch nach kontrollierter Selbstdarstellung.

Die Fotoporträts haben wesentlich zum Image Picassos beigetragen

Brassai, Henri Cartier-Bresson, Man Ray, Dora Maar, Richard Avedon, Lee Miller und viele andere Fotografen haben Picasso aus nächster Nähe porträtieren können, haben wesentlich zum Image des Künstlers beigetragen, haben sich vom Meister der Selbstinszenierung mitreißen lassen. Die Motive: Picasso im Café Flore, im Atelier in der Rue des Grands Augustins, Picasso am Fenster, im Spiegel, mit Zigarette, mit seinen Skulpturen oder, 1944, mit Lee Miller am Tag nach der Befreiung von Paris, Picasso mit einer kleinen Eule oder bei einer Akupunkturbehandlung. Immer wieder auch die Charaden des Künstlers, die Masken und Hüte, mit denen er sich verkleidet. Die Porträts zeigen kontrastreiches Schwarz-Weiß oder weiches gräuliches Licht, Anschnitte, Ausschnitte, Profilbilder.

Alle Fotografen, die je mit ihm arbeiteten, fanden es inspirierend und freudvoll: selten finde man ein derart kooperatives Modell. Eine der zentralen Fragen, die sich diese von Kerstin Stremmel kuratierte Schau stellt, ist dann auch die nach der Autonomie der Fotografen: inwieweit konnten diese sich angesichts ihres so überaus fotogenen und präsenten Motivs, des Künstlerstars, selbst künstlerisch verwirklichen?

Gelingt es, eine Balance herzustellen zwischen der Selbstinszenierung Picassos und dem Blick von außen? Und, wie unterscheiden sich die Porträts der weiblichen von denjenigen der männlichen Fotografen? Ist eine besonders intime Nähe zu spüren etwa bei Dora Maar, die in den Jahren, in denen ihre Fotos entstanden, Picassos Geliebte war? Das sind Fragen, denen die Ausstellung nachgeht – und auf die sie auch ein paar Antworten findet.

Fotografinnen stellten Picasso oft als politisch engagiert dar

Interessanterweise haben die Fotografinnen Picasso, den Macho, eher als politisch engagierten Künstler ins Bild gebracht. Bemerkenswert auch, dass Picasso zwar immer alle Porträtfotos sehen wollte, sie dann aber umstandslos freigab, keinerlei Zensur oder Retusche. Alle Bilder wurden gestattet – ein außergewöhnlich souveräner Akt eines Künstlers, der um seinen Rang und um seine Wirkung wusste.

Die Ausstellung „Ichundichundich. Picasso im Fotoporträt“, im Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz (Köln), läuft bis zum 15. Januar 2012. Sie ist geöffnet: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr.

 

Parallel zur Kölner Schau zeigt die Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, ihre fünfte Picasso-Ausstellung „Picasso 1905 in Paris“. Sie ist geöffnet: dienstags und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags von 11 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

 

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