In der fast ausverkauften Lanxess-Arena bieten die Red Hot Chili Peppers um Frontmann Anthony Kiedis 90 Minuten eine wilde Show. Musik wird da fast zur Nebensache.

Red Hot Chili Peppers
Die Red Hot Chili Peppers (hier Anthony Kiedis bei ihrem Auftritt in Bologna im Oktober) lieferten eine exzellente Show.

Die Red Hot Chili Peppers (hier Anthony Kiedis bei ihrem Auftritt in Bologna im Oktober) lieferten eine exzellente Show.

Giorgio Benvenuti

Die Red Hot Chili Peppers (hier Anthony Kiedis bei ihrem Auftritt in Bologna im Oktober) lieferten eine exzellente Show.

Köln. Manchmal ist es so, dass sich gute Freunde, die man schon fast aus den Augen verloren hat, mit einer spektakulären Nachricht wieder zurückmelden. Im Fall der Red Hot Chili Peppers hieß diese Nachricht „The Getaway“, das elfte Studioalbum, erschienen im Sommer. Und die Neugier war groß, wie sich die Songs auf der Bühne wohl entfalten würden.

Vor allem, da insbesondere der Vorgänger „I am with you“ bei vielen zu der Überlegung geführt hatte, ob diese Freundschaft noch Zukunft hat. Der Meilenstein „Blood Sugar Sex Magik“ ist 25 Jahre alt, und auch „Californication“ erschien schon Ende der 90er Jahre.

Als Sänger Anthony Kiedis nach gut 90 Minuten das Konzert in der Lanxess-Arena beendete, konnte er sich der Freundschaft der 16000 Zuschauer allerdings gewiss sein. Als zweite und letzte Zugabe hatte er am Montagabend in atemberaubender Geschwindigkeit „Give it away“ in die Halle gefeuert. Der Hit zum Schluss sorgte für ein Extra an guter Laune und ließ vergessen, dass eineinhalb Stunden bei Ticketpreisen zwischen 50 und 90 Euro schon das Mindeste sein sollten. Kiedis war es egal, der Abgang geriet so rasch wie routiniert. Einzig Schlagzeuger Chad Smith feierte noch ein bisschen mit den Fans. Viele sind mit der Band gealtert, aber auch viele Junge hatten den Weg nach Köln gefunden.

Die Tribüne wackelte und bebte – im Wortsinn

Die Red Hot Chili Peppers haben für ihre Konzerte ausschließlich personalisierte Tickets verkauft – eine Maßnahme, die vor allem Wucherpreise bei Wiederverkäufen verhindern soll. Am Einlass kam es wegen der aufwendigeren Kontrollen allerdings zu sehr langen Schlangen. Ein Umstand, unter dem neben den Besuchern auch die Vorband Deerhoof zu leiden hatte.

Die beiden kommenden Deutschlandkonzerte am Donnerstag in Hannover und am Samstag in Frankfurt sind nach Veranstalterangaben ausverkauft.

Bassist Flea hatte zuvor die Bühne auf Händen laufend überquert – der Zirkus war in der Stadt. Auch Sänger Kiedis hüpfte immer wieder durch die Gegend, oben ohne versteht sich, gab den wilden Tänzer, den zuckenden Roboter oder schaute den anderen Peppers beim Rumhampeln zu: Show und Gezappel müssen bei dieser Band einfach sein. Das riss viele mit, schon beim zweiten Song war nicht nur Tumult im Innenraum, es hatten sich auch alle von den Sitzplätzen erhoben. Die Tribüne wackelte und bebte – im Wortsinn.

Show gab es nicht nur von den Musikern selbst: Auf einer Videoleinwand wurde eine Mischung aus vorbereiteten Filmen und live aufgenommenen Bildern des Konzerts gezeigt. Die Musikvideo-Ästhetik passte zu den rasanten, brüchigen, wechselhaften Stücken, die so typisch für die Peppers sind.

 

Optisch vor allem in Erinnerung bleiben dürfte die Lichtinstallation, die in den Zuschauerraum hineinragte: hunderte Leuchtröhren, an Schnüren aufgehängt und einzeln steuerbar. Mal bewegten sich die Lichter wie eine Lautsprecher-Membran, mal wurden sie zu geometrischen Figuren, mal rückten sie Bassist Flea, Gitarrist Josh Klinghoffer oder Schlagzeuger Chad Smith ins rechte Licht.

Die drei waren es auch, die das Konzert mit einer Interpretation eröffnet hatten: Kiedis überließ ihnen die Bühne. Immer wieder erhielten die Instrumentalisten Freiräume, die sie bis zur Grenze nutzten. Die Hinleitung zu „Californication“ war hinreißend und gab dem Song eine neue Tiefe, „Go Robot“ vom neuen Album ging mit erfreulich langen Soli und Improvisationen einher. Und das ebenfalls neue „Goodbye Angels“ entwickelte eine beklemmende Wucht, der Kiedis mit seiner Stimme den Stempel aufdrückte – der Text über Abschied und Tod tat sein Übriges.

In solchen Augenblicken täte es den Peppers gut, stärker auf ihre Musik zu vertrauen. Wenn Fleas Bass wummert, Klinghoffers Gitarre kreischt und Chad Smith zeigt, wie filigran und wuchtig zugleich ein Schlagzeug gespielt werden kann. Wenn der nächste Bruch im Song so viel Dynamik entfaltet, dass einen fast der Schwindel packt, und das – „By the way“ – auch so bleibt, bis kurz vor der Eskalation wieder ruhigere Rhythmik folgt. Und wenn Kiedis konzentriert singt. Dann sind die Red Hot Chili Peppers groß. Und könnten, nur ab und zu, auch mal das Rumgehampel sein lassen.

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