Das ist spitze! Ob Kai Pflaume im neuen Format auch für ein paar Sekunden mit angewinkelten Beinen in der Luft hängen wird?

Hans Rosenthal in der Sendung im Juni 1978 (li.). Kai Pflaume wird Rosenthals Nachfolger im NDR.
Hans Rosenthal in der Sendung im Juni 1978 (li.). Kai Pflaume wird Rosenthals Nachfolger im NDR.

Hans Rosenthal in der Sendung im Juni 1978 (li.). Kai Pflaume wird Rosenthals Nachfolger im NDR.

dpa

Hans Rosenthal in der Sendung im Juni 1978 (li.). Kai Pflaume wird Rosenthals Nachfolger im NDR.

Berlin. Das waren noch Zeiten: Die Bühne mit der Bienenwaben-Optik, die Schnellrate-Runde und natürlich der Spruch „Sie sind der Meinung: das war spitze!“

Unvergessen auch: Die Ohrwurm-Titelmusik, der Schnell-Zeichner Oskar und die Aktionsspiele, bei denen Luftballons in einer Schubkarre kutschiert oder Wurstmasse geformt werden musste.

Die Rateshow „Dalli Dalli“ ist ein Klassiker der TV-Unterhaltung. Am Freitag vor 40 Jahren hat das ZDF die erste Ausgabe mit Quizmaster Hans Rosenthal gesendet, am 11. September vor 25 Jahren die letzte.

Neues „Dalli Dalli“ angelehnt an Rosenthal-Sendung

„Dalli Dalli“ war ein Stück TV-Geschichte aus der goldenen Ära der Öffentlich-Rechtlichen. Jetzt soll der Moderator Kai Pflaume (43) den Klassiker wiederbeleben. Noch in diesem Jahr und sicher im NDR, wie NDR-Redakteur Burkhard Bergermann versichert, soll das Format auf Sendung gehen.

Es sei angelehnt an die Rosenthal-Sendung und doch nicht eins zu eins übersetzt. „Wir werden uns an die heutige Zeit anpassen“, zumal auch Rosenthal immer wieder Veränderungen am Format vorgenommen habe. Dessen Nachfolger Pflaume ist seit seiner Kindheit „Dalli Dalli“-Fan: „Meine Eltern, mein Bruder und ich haben die Show jede Woche angesehen, dabei belegte Brote gegessen und mitgeraten“, zitierte ihn „Bild am Sonntag“.

Wie bei heutigen Castingshows gab es auch bei „Hänschen“ Rosenthal, wie die Nation den schmächtigen Showmaster nannte, eine sogenannte Jury. Doch diese verbreitete gute Laune statt böse Sprüche und ließ quasi alles gelten, was die Kandidaten vorführten. Jeweils acht Promis waren in der Show dabei, schon in der ersten beispielsweise die Schauspieler Lieselotte Pulver und Fritz Eckhardt, Cornelia Froboess trat als Sängerin auf.

Der legendäre Luftsprung kam auf Wunsch des Saalpublikums zustande, das zwei Kandidaten per Knopfdruck mit Extra-Punkten belohnen konnte. Wenn die Mehrheit drückte, ertönte eine Sirene. Rosenthal rief: „Sie sind der Meinung: Das war spitze!“ Beim Wort „spitze“ stimmten alle ein. Rosenthal sprang hoch, das Bild stoppte, und „Hänschen“ hing kurz mit angewinkelten Beinen in der Luft.

Hans Rosenthal überlebte die NS-Zeit in einem Versteck

„Dalli Dalli“ war nur das Ende einer beispiellosen Karriere. 30 Jahre gehörte Hans Rosenthal dem Berliner Sender Rias an, später wurde er dann zu einem ZDF-Star.

Doch hatte der Sohn eines jüdischen Bankbeamten im ersten Teil seiner „Zwei Leben in Deutschland“, wie er seine Autobiografie 1980 nannte, wenig zu lachen. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von Heim zu Heim geschoben, seinen Bruder töteten die Nazis im KZ. Hans überlebte in einem Versteck in einer Berliner Kleingartenanlage. Danach begann sein „zweites Leben“.

Am 11. September 1986 moderierte Rosenthal „Dalli Dalli“ zum letzten Mal, die für Oktober geplante Sendung fiel wegen der Magenkrebs-Diagnose des Moderators aus. Am 10. Februar 1987 starb Rosenthal. Er wurde 61 Jahre alt.

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