Vor exakt 200 Jahren besuchte Napoleon Düsseldorf. Eine Schau erinnert an das Ereignis, das Heinrich Heines Leben veränderte.

napoleon
Bereits am 2. November 1811 war Napoleon über die Elberfelder Straße durch einen eigens für ihn errichteten Triumphbogen in Düsseldorf eingezogen und residierte während seines Aufenthaltes zusammen mit Kaiserin Marie-Louise auf Schloss Jägerhof. (Johann Petersen, um 1811, Aquarell).

Bereits am 2. November 1811 war Napoleon über die Elberfelder Straße durch einen eigens für ihn errichteten Triumphbogen in Düsseldorf eingezogen und residierte während seines Aufenthaltes zusammen mit Kaiserin Marie-Louise auf Schloss Jägerhof. (Johann Petersen, um 1811, Aquarell).

Stadtmuseum Düsseldorf

Bereits am 2. November 1811 war Napoleon über die Elberfelder Straße durch einen eigens für ihn errichteten Triumphbogen in Düsseldorf eingezogen und residierte während seines Aufenthaltes zusammen mit Kaiserin Marie-Louise auf Schloss Jägerhof. (Johann Petersen, um 1811, Aquarell).

Düsseldorf. „Napoleon – es schlafen eintausend Kanonen in diesem Namen. . .“, schrieb Heinrich Heine (1797-1856), der den französischen Kaiser nur ein einziges Mal in seinem Leben leibhaftig sah – vor genau 200 Jahren im Hofgarten zu Düsseldorf. Doch dieses Ereignis prägte ihn zeitlebens.

„Es war eben in der Allee des Hofgartens zu Düsseldorf. Als ich mich durch das gaffende Volk drängte, dachte ich an die Taten und Schlachten, die mir Monsieur Le Grand vorgetrommelt hatte, mein Herz schlug den Generalmarsch – und dennoch dachte ich zu gleicher Zeit an die Polizeiverordnung, dass man bei fünf Taler Strafe nicht mitten durch die Allee reiten dürfe. Und der Kaiser mit seinem Gefolge ritt mitten durch die Allee, die schauernden Bäume beugten sich vorwärts, wo er vorbeikam. (. . .) Der Kaiser ritt ruhig mitten durch die Allee, kein Polizeidiener widersetzte sich ihm, (. . .) das Volk rief tausendstimmig: ,Es lebe der Kaiser!’“

Die Begebenheit war das politische Urerlebnis des 13-jährigen Heines. Während andere deutsche Schriftsteller wie Heinrich von Kleist Napoleon hassten, hat die lebenslange Napoleon-Bewunderung Heines vor allem zwei Gründe. Zum einen war im Elternhaus Heines ein französischer Tambour einquartiert, über den er sagte: „Ich kleiner Junge hing an ihm wie eine Klette.“ Zum anderen war Düsseldorf ab 1806 die Hauptstadt des von Napoleon geschaffenen Großherzogtums Berg geworden und ab 1808 dem französischen Kaiser direkt unterstellt.

Der von ihm eingeführte Code Civil brachte vor allem für die Juden erstmals eine rechtliche Gleichstellung; weiterhin wurden 1808 die Leibeigenschaft und 1809 sämtliche Lehen aufgehoben. Nach der Niederlage Napoleons wurde Düsseldorf auf dem Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochen. Die neuen Herren schafften die liberalen Regelungen sofort wieder ab. Das beförderte Heines Preußenablehnung.
1821 traf Heine die Nachricht von Napoleons Tod auf der Atlantikinsel St. Helena tief: „Der Kaiser ist tot. Auf einer öden Insel des indischen Meeres ist sein einsames Grab, und er, dem die Erde zu eng war, liegt ruhig unter dem kleinen Hügel, wo fünf Trauerweiden gramvoll ihre grünen Haare herabhängen lassen. (. . .)“

1840, der Dichter lebte mittlerweile in Paris, kam Heine Napoleon noch einmal nah, als dessen Sarkophag über die Champs-Élysées zum Invalidendom gezogen wurde.

„Ich weinte an jenem Tag.“

Thomas Schuler aus Ulm ist Historiker und beschäftigt sich seit elf Jahren hauptberuflich mit Napoleon in Deutschland.

Als Napoleon im November 1811 Düsseldorf besuchte, wurde die Stadt drei Tage lang die Schaltzentrale des französischen Reiches. Das Stadtmuseum Düsseldorf präsentiert jetzt die Schau „Napoleon (. . .) Düsseldorf“, die zeigt, welche Wirkungen Napoleons Politik auf die Menschen hatte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Januar zu sehen. Di-So 11-18 Uhr, Berger Allee 2, Düsseldorf. Eintritt: 3 Euro.

www.duesseldorf.de/stadtmuseum

Heinrich Heine über seine Reaktion auf den Tod Napoleons

Dieses Erlebnis findet seinen Niederschlag in seinem bekanntesten Werk „Deutschland – Ein Wintermärchen:“ „Der imperiale Märchentraum/War wieder heraufbeschworen. Ich weinte an jenem Tag. Mir sind/Die Tränen ins Auge gekommen/Als ich den verschollenen Liebesruf/Das ,Vive l’Empereur!’, vernommen.“
Gleichwohl war Heines Haltung gegenüber Napoleon nicht unkritisch, wie seine Betrachtung zu den Schlachtfeldern von Marengo zeigt: „ . . .jeder Zoll, den die Menschheit weiterrückt, kostet Ströme Blutes; und ist das nicht etwas zu teuer? (. . .) Denn jeder einzelne Mensch ist schon eine Welt, die mit ihm geboren wird und mit ihm stirbt.“

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