Konzert 'Wir beaten mehr' in Hamburg
Jan Delay durfte bei diesem Konzert nicht fehlen.

Jan Delay durfte bei diesem Konzert nicht fehlen.

Joy Delalane (l) und J-Luv teilten sich die Bühne.

Adil Tawil ist durch Ich + Ich bekannt geworden.

Cassandra Steen sang mit Xavier Naidoo im Duett.

Xavier Naidoo hat das Gemeinschafts-Konzert mit Kollegen initiiert.

Auch der Sänger und Songwriter Max Herre «beatet mer».

Der Sänger Xavier Naidoo (r) trat mit den Söhnen Mannheims vors Publikum.

Xavier Naidoo hat das Gemeinschafts-Konzert mit Kollegen initiiert.

dpa, Bild 1 von 8

Jan Delay durfte bei diesem Konzert nicht fehlen.

Hamburg (dpa) - Deutschlands Soul- und Rap-Elite vereint auf einer Bühne: Xavier Naidoo hat am Wochenende mit seinem Projekt «Wir beaten mehr» in Hamburg und Berlin über zehn Spitzenkünstler aufgeboten.

Jan Delay, Max Herre, Cassandra Steen, Adel Tawil, Kool Savas, die Söhne Mannheims und andere sangen, spielten und tanzten live in der 02-World, die es in beiden Metropolen gibt.

Man kann erahnen, wie viel Arbeit Naidoo in den vergangenen Monaten in das Projekt und die Realisierung beider Konzerte gesteckt haben muss. Eigentlich sollte «Wir beaten mehr» schon im vergangenen Oktober live zu sehen sein, doch wer ein solches Staraufgebot auf die Bühne schicken möchte, muss sich als Initiator wohl manchmal etwas mehr Zeit nehmen. Nun gab es das Doppelkonzert eben als Auftakt des Musikjahres 2011 - Freitagabend in Hamburg, am Samstag in Berlin.

Doch trotz der hochkarätigen Besetzung riss es die Besucher beim ersten Konzert eher selten von den Stühlen - und das hatte seinen Grund: Das versammelte Künstler-Ensemble spielte vor allem Wohlfühl-Pop für die ganze Familie.

Den Auftakt machten Naidoos Söhne Mannheims. Ihre Hymne «Das hat die Welt noch nicht gesehen» legte dann auch gleich die Marschroute für die kommenden gut zwei Stunden vor: Mitsingen statt mitspringen, und ein bisschen große Gefühle. «Bitte hör nicht auf zu träumen von einer besseren Welt», rief Xavier Naidoo seinen Zuhörern zu.

Zu den Mannheimer Jungs gesellte sich Max Herre aus Stuttgart, der frühere Rapper, der sich heute auf Singer-Songwriter-Musik verlegt. Auch er - das war die Botschaft seiner Akustikgitarre - ist musikalisch erwachsen geworden. Im Zehn-Minuten-Takt erschien ein neues Gesicht auf der Bühne. Cassandra Steen und Adel Tawil, der als Teil des Duos Ich + Ich bekanntgeworden ist, präsentierten ihr gemeinsames Lied «Stadt». Und auch «Vom selben Stern» kannten viele Hörer im Publikum auswendig. Joy Denalane und J-Luv machten die Liga deutscher Soulmusiker vollständig.

Mit Azad griff schließlich ein echter Rapper zum Mikro. Doch keine düsteren Zeilen über Frankfurts Straßen gab es zu hören, sondern mit dem Song «Eines Tages» samt Gesangsunterstützung ebenfalls Parolen von Hoffnung und Optimismus. Sein Genrekollege Kool Savas setzte ebenfalls ganz auf die positive Botschaft und ließ Texte vergangener Tage, die man im besten Fall zotig nennen kann, zu Hause. Das war alles recht familienfreundlich und für manchen jugendlichen Fan vielleicht etwas zu glattgebügelt.

Nach einem kurzen Gastauftritt des Comedians Buddy Ogün, der ein wenig aus dem Rahmen fiel, war es dann Zeit für Jan Delay. Spätestens beim Funk-Ohrwurm «Klar» aus dem Erfolgsalbum «Mercedes Dance» hielt die Zuschauer aber nichts mehr auf den Sitzen. Der lässige Herr in Anzug, Krawatte und Hut war mit Abstand der Stimmungshöhepunkt eines sonst eher ruhigeren Konzertabends. Im Hanseaten-Duo mit Das Bo gab es dann auch den Mitgröl-Klassiker «Türlich Türlich» zu hören. Am Ende durfte noch Marteria, der momentane Durchstarter im deutschen Rap, auf die Bretter der Arena.

Das Konzert lebte insgesamt davon, dass sich viele der beteiligten Künstler schon seit Jahren kennen und bereits oft zusammengearbeitet haben. Die Emotionen stimmten. Auch die Fusion aus Rap und Soul funktionierte erwartungsgemäß gut. Die Schwachstelle des Konzepts dürfte der Versuch gewesen sein, derart unterschiedliche Musiker auf der Bühne irgendwie auf einen Nenner bringen zu wollen. Wer vor allem wegen der Rapper gekommen war und sich ein paar markige Klassiker erhofft hatte, dürfte die O2-World enttäuscht verlassen haben. Zuschauer ohne diese Ambitionen bekamen von jedem Star ein bisschen, und alles in allem solide Mainstream-Unterhaltung.

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