Der chinesische Superstar gerät nur selten an seine Grenzen. Nun gastierte er mit dem Gewandhausorchester in Düsseldorf.

Als cooler Superstar in Szene gesetzt: So wirbt die Plattenfirma Deutsche Grammophon mit Lang Lang.
Als cooler Superstar in Szene gesetzt: So wirbt die Plattenfirma Deutsche Grammophon mit Lang Lang.

Als cooler Superstar in Szene gesetzt: So wirbt die Plattenfirma Deutsche Grammophon mit Lang Lang.

Felix Broede/Deutsche Grammophon

Als cooler Superstar in Szene gesetzt: So wirbt die Plattenfirma Deutsche Grammophon mit Lang Lang.

Was fasziniert die Menschen weltweit an Lang Lang?

Auch in der Welt der Klassik hielt die Macht des Marketings Einzug. Die musikalische Qualität ist nur noch die halbe Miete. Lang Lang verkauft sich nicht nur als Pianist, sondern auch als Showstar.

Fernseh-Interviews über seine schwere Kindheit, in der Lang Lang vom Vater zum Erfolg gezwungen wurde, machen neugierig und mobilisieren ein breites Konzertpublikum. Kein Wunder also, dass die Tonhalle schon seit vielen Wochen ausverkauft war.

Ist Lang Lang wirklich ein großer Pianist?

Nun ja, er kann tatsächlich exzellent Klavier spielen, verfügt über eine brillante Technik und vermag dem Flügel zarteste Nuancen zu entlocken. In dem Klavierkonzert Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy, das Lang Lang schon seit seiner Kindheit spielt, erreicht man mit diesen Fähigkeiten schon einiges. Das Werk ist im Mittelsatz von schlichter Lyrik und in den Ecksätzen virtuos.

Wo aber mehr Tiefgang gefragt ist, etwa bei Mozart und Beethoven, stößt die etwas weichspülende Gefühligkeit an ihre Grenzen. Im Rahmen dieser Tournee steht aber nur Mendelssohn an, so kommt der Pianist vorerst in keine größere Verlegenheit.

Wie hat er am Samstag gespielt?

Geboren 1982 im chinesischen Shenyang, erhielt Lang Lang seinen ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren bei einem Musikprofessor. Dafür haben Lang Langs Eltern extra gespart. Lust am Klavierspielen habe er bekommen, als er in der Zeichentrickserie "Tom und Jerry" hörte, wie Tom die 2. Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt spielte, sagt Lang Lang. Seinen Durchbruch hatte er 1999 beim US-amerikanischen Ravinia Festival, als er für den erkrankten André Watts einsprang. Lang Langs CDs verkaufen sich prächtig, vor allem das chinesisch-folkloristische Album "Dragon Songs", zu dem auch ein Dokumentarfilm produziert wurde.

Mit Mendelssohns g-Moll-Konzert war er fast ganz in seinem Element. Vor allem der bravouröse Finalsatz war von flirrender Brillanz, und Lang Lang zündete ein kleines Feuerwerk an Charme und Witz. Aus dem lyrischen Andante holte Lang Lang manche Feinheit heraus.

Allerdings neigte er dabei zur musikalischen Verweichlichung. Das liedartige Thema verwandelte er in eine impressionistische Elegie à la Debussy. Mit solchen Eskapaden demonstrierte er zwar eine perfekte Beherrschung des Instruments, doch machte er damit gleichzeitig auf sein Defizit an emotionaler Intelligenz aufmerksam.

Wie waren Dirigent und Orchester?

Fabelhaft! Seit dem Jahr 2005 ist Riccardo Chailly, der zuvor sehr lange mit dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester Furore gemacht hatte, Chefdirigent im Leipziger Gewandhaus. Chailly gehört längst zu den großen Kalibern im internationalen Konzertbetrieb.

Bereits in der Trompeten-Ouvertüre C-Dur des jungen Mendelssohn bereicherte die Verbindung von Klarheit und samtiger Klangkonsistenz das flotte musikalische Geschehen. Vor allem die naturschöne Atmosphäre in der Schottischen Symphonie a-Moll op. 56 entfaltete ihren Reiz aus herber Melodik und warmer Harmonie.

Unter Chaillys Leitung hat das Gewandhaus-Orchester noch einmal an Brillanz gewonnen. 1835 wurde Mendelssohn Musikdirektor der Leipziger. Und bis heute ist dem Orchester der Stolz auf diese Tradition durch das liebevolle Mendelssohn-Spiel anzumerken.

Wird das Konzert noch einmal wiederholt?

Ja, am Dienstag, den zehnten Februar, 20 Uhr, treten Pianist, Orchester und Dirigent mit demselben Programm in der Kölner Philharmonie auf. Es gibt aber nur noch Restkarten.

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