Wagner zieht.
Wagner zieht.

Wagner zieht.

dpa

Wagner zieht.

Bayreuth (dpa) - Richard Wagner auf allen Kanälen: Für bis zu 280 Euro genießen knapp 2000 Opernfreunde am Sonntag den «Lohengrin» im Bayreuther Festspielhaus. Kostenlos erfreuen sich Tausende unter freiem Himmel an der Inszenierung von Hans Neuenfels bei der Siemens Festspielnacht in Bayreuth.

Ebenfalls Tausende sehen die Oper - gegen eine geringe Gebühr - weltweit im Internet. Und: Erstmals überträgt das europäische Fernsehen, der deutsch-französische Kulturkanal Arte, am Sonntag eine Wagner-Oper auch in die heimischen Wohnstuben.

Mehr als zehntausend Menschen drängen sich auf dem riesigen Volksfestplatz, als die Übertragung des «Lohengrin» vom «Grünen Hügel» beginnt. Die eingefleischten Fans sitzen auf Konzertbestuhlung unmittelbar vor der 180 Quadratmeter großen Videowand. Andere verbinden Musikgenuss und Picknick-Stimmung auf mitgebrachten Klappstühlen, Liegen und Decken. Anders als im Festspielhaus können die Wagner-Freunde auch während der Vorstellung an festlich gedeckten Tischen Bier, Wein und Bratwürste genießen oder sich an der Beach-Bar mit einem Cocktail erfrischen.

Neun ferngesteuerte Kameras sorgen für die eindrucksvollen Bilder auf der riesigen LED-Wand, ergänzt durch gestochen scharfe Nahaufnahmen, die bereits bei der Generalprobe im Juli aufgezeichnet wurden. 86 Lautsprecher mit einer Gesamtleistung von mehr als 270 000 Watt erzeugen den Raumklang, der der viel gerühmten Akustik droben im Festspielhaus nahekommen soll.

In den Pausen wechselt erfahrungsgemäß ein Teil des Publikums beim Open Air. Viele harrten aber in den Vorjahren bis zum späten Abend aus, bis sich die Künstler unter ihre Fans mischten. Für Michael Roßnagl, den Leiter des Siemens Kulturprogramms, ist auch die vierte Festspielnacht ein Erfolg im Werben um junges Opernpublikum.

Fest steht: 2012 wird die Festspielnacht in die fünfte Runde gehen. Zum Programm will sich Roßnagl noch nicht äußern. Vermutlich wird es eine Aufzeichnung der Kinderoper «Die Meistersinger von Nürnberg» und eine Live-Übertragung der diesjährigen Neuinszenierung des «Tannhäuser» von Sebastian Baumgarten geben. Wenn möglich, soll 2013 zum 200. Geburtstag von Richard Wagner sogar der komplette «Ring des Nibelungen» an vier Abenden unter freiem Himmel gezeigt werden.

Das Open Air auf dem Bayreuther Volksfestplatz beginnt bereits am späten Vormittag mit einer Aufzeichnung der Kinderoper «Der Ring des Nibelungen». Im Original erzählt Wagner in seiner Tetralogie fast 16 Stunden lang, wie das Böse auf die Erde kam und wie die Menschen und Götter damit umgehen.

Für das Projekt «Wagner für Kinder» hat Jungregisseur Maximilian von Mayenburg den Vierteiler auf rund 100 Minuten komprimiert. «Das war sehr gewagt», räumt Festspielleiterin Katharina Wagner ein. In seinem Arrangement ist es Mayenburg aber hervorragend gelungen, das Spiel um Macht und Geld und die aktuellen Themen Neid und Eifersucht altersgerecht zu verdichten. Alle wichtigen musikalischen Stellen und Inhalte des «Ring» kommen vor. Die Produktion ist auch auf DVD zu haben.

Vor dem eigentlichen Höhepunkt, der Live-Übertragung des «Lohengrin» mit den Ratten im Versuchslabor, haben die Jungen und Mädchen Gelegenheit, bei einem Wagner-Erlebnisparcours einen Blick hinter die Kulissen einer Opern-Produktion zu werfen. Unter der Anleitung mehrerer Dutzend Theaterprofis können sie sich in der Maske selbst in ihre Lieblingsfigur aus dem «Ring» verwandeln. Für die Jungs ist das der freche Siegfried, für die Mädchen seine Geliebte Brünnhilde. Nebenan malen sie ein Bühnenbild und erfahren, wie die Theatertechnik funktioniert. Wer will, kann sich wie der große Wagner sogar im Komponieren üben.

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