Paul, John, Ringo und George. Foto: Lapresse
Paul, John, Ringo und George. Foto: Lapresse

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dpa

Paul, John, Ringo und George. Foto: Lapresse

New York (dpa) - Für Billy Joel war das Ereignis wichtig genug, um es zwischen Mauerbau und Attentat auf John F. Kennedy zu platzieren: «British Beatlemania» heißt es in seinem Welthit «We Didn't Start The Fire» und in der Tat wurde damals Geschichte geschrieben.

Vor 50 Jahren kamen die Beatles nach Amerika - und starteten eine Erfolgsgeschichte ohne Beispiel, die, nach Ansicht von Musikhistorikern, nicht nur das Show Business verändert hat.

Unbekannt waren die vier Liverpooler Jungs, die ihre Weltkarriere in Hamburg begonnen hatten, auch in den USA nicht mehr. «Es ist 6.30 Uhr Beatles-Time», hieß es am 7. Februar im New Yorker Radiosender MCA. An diesem «denkwürdigen Freitag» (MCA) standen schon morgens einige Hundert junge Mädchen am New Yorker Flughafen, ein paar Stunden später waren es Tausende. Als die vier Engländer zu sehen waren, überstieg das Kreischen selbst das Heulen der Düsentriebwerke. Die Beatles hatten Amerika schon erobert, da hatten sie noch gar keinen amerikanischen Boden betreten.

«Sie kamen einfach genau zur richtigen Zeit», sagt Musikhistoriker Charles Rosenay. «Wir standen noch unter dem Schock der Ermordung von Kennedy zwei Monate zuvor. Und die Musik brauchte dringend einen frischen Impuls. Da kamen die «Fab Four» gerade richtig.» Die Beatles hätten die besten Elemente von Rock'n'Roll und Soul genommen und mit eigenen Elementen verbunden. «Das Ergebnis war etwas völlig neues und sensationell.»

«Elvis und so war toll. Ich liebe Rock'n'Roll noch immer. Aber 1964 war das ein bisschen angestaubt. Wir gierten geradezu nach etwas neuem», sagt Walter Egan. Der damals 15-Jährige war beim legendären Konzert der Beatles in der ehrwürdigen Carnegie Hall dabei und später noch einmal beim Konzert im Shea Stadium («5,50 Dollar Eintritt, das war eigentlich ein Skandal»). «Es ist wirklich so gewesen: Die Leute waren hysterisch, auch die Jungs. Und die Mädchen haben so laut geschrien, dass man von der Musik keinen Ton gehört hat.»

Am 9. Februar traten die vier, obwohl George Harrison Fieber hatte, in der Ed Sullivan Show auf. 73 Millionen Amerikaner sahen zu, 60 Prozent aller potenziellen Fernsehzuschauer. Ein einsamer Rekord. Angeblich wurde in dieser Nacht weniger Kriminalität registriert, weil selbst die bösen Jungs die netten Jungs im Fernsehen sahen. Ein paar Wochen später standen die Beatles auf Platz eins der Charts. Und Platz zwei. Und drei. Und vier. Und fünf. An den vier Engländern kam keiner vorbei, ob er wollte oder nicht.

«Aber wir wollten sie ja auch. Die Persönlichkeiten der vier war einfach phänomenal», sagt Musikhistoriker Rosenay, dessen früheste Kindheitserinnerung der Auftritt in der Ed Sullivan Show war. «Vorher waren alle ganz politisch korrekt und spießig. Die Beatles waren spontan und unangepasst, aber trotzdem ungefährlich. Die Mischung war einfach für jeden perfekt.» Was dann mit der «British Invasion» nach Amerika schwappte, war nicht immer so nett, sondern manchmal so laut wie die Rolling Stones oder so rebellisch wie The Who. Die Beatles waren aber etwas, auf das sich alle einigen konnten und können.

«Sie haben einfach ihre ganz eigene Musik gemacht. Und schienen dabei auch noch einen Heidenspaß zu haben», sagt Egan, der 1978 mit «Magnet and Steel» selbst einen Hit hatte. Historiker Rosenay sagt, er kenne Menschen, die nur wegen der Beatlessongs Englisch gelernt hätten. «Jeder war ein wenig fröhlicher mit einem Lied von ihnen auf den Lippen und rückblickend kann man tatsächlich sagen, dass sie die Welt ein bisschen besser gemacht haben.»

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