Katharina Kammerloher (l-r) als Wellgunde, Annika Schlicht (Flosshilde) und Narine Yeghiyan (Woglinde) in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Katharina Kammerloher (l-r) als Wellgunde, Annika Schlicht (Flosshilde) und Narine Yeghiyan (Woglinde) in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Katharina Kammerloher (l-r) als Wellgunde, Annika Schlicht (Flosshilde) und Narine Yeghiyan (Woglinde) in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

dpa

Katharina Kammerloher (l-r) als Wellgunde, Annika Schlicht (Flosshilde) und Narine Yeghiyan (Woglinde) in der Staatsoper im Schiller Theater in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Berlin (dpa) - Irgendwann nach fast drei Stunden in Elfriede Jelineks «Rein Gold» an der Berliner Staatsoper fällt zur Musik von Richard Wagner Geld vom Himmel.

Doch freuen kann sich niemand so richtig. Denn sobald die Scheine den Boden berühren, verzehren sie sich selber. Wie die Liebe eben.

Wagner, die Liebe und das Geld - auf 130 Seiten hat die Literaturnobelpreisträgerin ihre Gedanken zum deutschen Komponisten Wagner (1813-1883) und dem Kapitalismus aufgeschrieben. Der zunächst als Theatertext konzipierte Essay ist am Sonntag in Berlin als Oper erstmals aufgeführt worden.

Regisseur Nicolas Stemann verbindet den Jelinek-Text mit der Musik Wagners. In den oft witzigen, manchmal langatmigen und zuweilen mit marxistischer Theorie überfrachteten Zeilen stellt die österreichische Autorin eine Verbindung zwischen dem «Ring des Nibelungen» und der Konsumwelt her.

Dazu spielt die Staatskapelle Berlin unter Markus Poschner Versatzstücke aus dem «Ring des Nibelungen». Ausgangslage der Handlung ist die Überschuldung Wotans: «Papa hat sich diese Burg bauen lassen, und jetzt kann er den Kredit nicht zurückzahlen. Eine Situation wie in jeder zweiten Familie.»

Jelinek hatte ihren Essay zum Wagner-Jubiläum für die Münchner Opernfestspiele geschrieben. Dort hatte Stemann ihn 2012 als sechsstündige Lesung aufgeführt. Zuschauer konnten kommen und gehen, wann sie wollten.

Über den Dialog zwischen Göttervater Wotan (Jürgen Linn) und seiner Lieblingstochter Brünnhilde (Rebecca Teem) aus dem dritten Akt der «Walküre» löst Jelinek einen Gedankenstrom aus: Es geht um Erlösung, Geld und Waren-Fetischismus. Die Rheintöchter (Narine Yeghiyan, Katharina Kammerloher, Annika Schlicht) schwimmen im nie versiegenden Geldstrom. Wotan ist ein erschlaffter Rentner. und auch (der auf der Bühne nicht anwesende) Siegfried hält nicht, was Helden so versprechen. Moderne Helden tragen kein Schwert, sie haben Smartphones oder wie es bei Jelinek heiß: iSchwerter.

Während sich die Sänger weitgehend an Wagners Text halten, tragen drei Schauspieler (Philipp Hauß, Katharina Lorenz, Sebastian Rudolph) den Text vor. Immer wieder setzen sie neu an, dozieren über das Ende des Heldentums und den ganzen nutzlosen Tand, bis auch die Letzten im Saal kapieren: Kapitalismus, Wagner, Karl Marx und das Scheitern der Erlösung durch Geld (oder Liebe) hängen irgendwie zusammen.

Vor der Premiere hatte Stemann angekündigt, die Musik Wagners auseinandernehmen und wie in einem Puzzle wieder zusammensetzen zu wollen. Doch im Spiel der Staatskapelle bleibt Wagners Musik weitgehend unangetastet, Synthesizer-Klänge sollen für etwas Verfremdung sorgen - aber es klappt nicht ganz.

So setzt sich am Ende Richard Wagner durch, und das ist wohl auch das Problem des Abends - Stemann kann sich noch so bemühen, drastische Bilder zu schaffen. Von einem Betonmischer bis zum brennenden Wohnwagen der NSU-Täter und dem Pink Panter - die Musik Wagners legt sich in wohliger Wärme über die Inszenierung und gräbt der Jelinek-Performance das Wasser ab. Das Publikum freute sich dennoch und spendete viel Applaus. Bei manchen dürfte «Rein Gold» als Appetitanreger für einen richtigen Wagner-Abend dienen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer