Adrian Nicholas Matthews Thaws – kurz: Tricky – präsentiert sein neues, mit mehr Sound-Spielereien angereichertes Studioalbum.

Er steht für den Sound der Stadt. Den Sound der Künstlerstadt mit ihren Protagonisten, die vor allem der Subkultur und Clubkultur huldigen und die das Wochenende als kurzzeitige Erlösung von der Maschinerie des Alltags feiern. Sie tun das hier vor allem elektronisch. Aber nicht mit diesen Party-Ballerbeats, sondern mit Bässen, die sich in Magengruben graben und Arrangements, die sich schleichend ins Gehör fressen. Trip-Hop nennt man die Musik, die all dies in Töne packt. Und Adrian Nicholas Matthews Thaws – kurz: Tricky – hat sie mit erfunden.

Er hat das zunächst einmal als Mitglied des in den 90-ern und den Anfangs-Nullerjahren exorbitant gefeierten Elektronik- und Klangkollektivs Massive Attack getan, das die erwähnte Stadt, Bristol in England, mit Samples und Synthesizer-Spielereien zwischen Kathedralen-Echo und einengender Intimität auf die Landkarte der Popwelt setzte. Portishead kommen aus der direkten Nachbarschaft und halfen auch kräftig mit, den Kult Kult werden zu lassen. Und Banksy, der weltweite Überstar der Graffiti-Kunst, versah diese Musik des Aufbegehrens und der allerhöchsten Kreativität bereits früh mit seinen Bildern auf Mauern und Wänden. Keine Frage: London hat die Touristen. Manchester hat den Fußball. Liverpool hat die Beatles. Bristol aber hat den Bristol-Sound. Und dem huldigt Tricky seit Jahren auch solo. Die Platte „Ununiform“, die nun vorliegt, ist bereits sein 13. Studioalbum. Es ist ein Album, das in all seiner unheimlichen Dichte und Düsternis genauso klingt, wie man es erwarten durfte. „Same as it ever was“, heißt es nicht umsonst im Refrain eines der 13 Songs. Und doch hat sich viel geändert für Tricky: Er zog vor geraumer Zeit nach Berlin, um der Enge Bristols zu entfliehen und wieder unerkannt in der Masse der Nachteulen und Nach-Mitternachts-Feiernden untertauchen und die Subkultur noch einmal ungestört aufsaugen zu können. Genau das hört man den Songs denn auch trotz ihrer „Trickyhaftigkeit“ an, weil sie schlussendlich eben doch ein wenig abwechslungsreicher und mit wesentlich mehr Sound-Spielereien – ein Soul- oder Pop-Sample hier, eine Gitarre da, eine Drei-Ton-Melodie dort, ab und an ein Piano – aufwarten als ihre Vorgänger auf den Platten „False Idols“ (2013), „Adrian Thaws“ (2014) und „Skilled Mechanics“ (2015). Wer „Ununiform“ auflegt, der lauscht Musik, in der man versinken kann, weil sie einen mit graziler Soundbastelei umgarnt, watteweich auffängt und dann genüsslich hin und her rollt im Takt der Knister-Effekte und Pluckerbässe und den hinter jeder Takt-Ecke lauernden Rap-Attacken. „Ununiform“ liefert emotionale Songs, die das Leben in der Subkultur ebenso feiern wie sie den Hörer in seine dunkle Ecke der Zurückgezogenheit drücken.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer