Nachruf: Die weltberühmte Sopranistin starb 72-jährig in Tokio.

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Hildegard Behrens 2002 als Kundry in Wagners „Parsifal“.

Hildegard Behrens 2002 als Kundry in Wagners „Parsifal“.

E. Straub

Hildegard Behrens 2002 als Kundry in Wagners „Parsifal“.

Düsseldorf. Die Düsseldorfer Rheinoper war der Ort, von dem aus diese Weltkarriere ihren Lauf nahm. Hier entdeckte der Dirigent Herbert von Karajan sie zufällig, als er sie 1977 bei einer Probe hörte. Und sofort so fasziniert war, dass er Hildegard Behrens die Hauptrolle der Salome in Richard Strauss’ gleichnamiger Oper bei den Salzburger Festspielen anbot. 2002 kehrte sie für zwei "Parsifal"-Aufführungen und ein Galakonzert noch einmal nach Düsseldorf zurück.

In diesen Tagen sollte Hildegard Behrens, einst die weltweit renommierteste dramatische Sopranistin, bei der ältesten Sommer-Musikakademie Japans mitwirken. Doch im Tokioter Krankenhaus starb sie unerwartet, nur 72 Jahre alt. Schuld an ihrem Tod war ein tückisches Aneurysma, eine krankhafte Erweiterung der Schlagader. Seit Mittwoch hat das Salzburger Festspielhaus ihr zu Ehren schwarz geflaggt.

Sie war als jüngstes von sechs Kindern einer Landarztfamilie am 9. Februar 1937 in Niedersachsen zur Welt gekommen. Alle waren begeisterte Musiker; Hildegard erlernte Klavier und Geige. Nach dem Abitur studierte sie zuerst Jura, legte gar das Erste juristische Staatsexamen ab. Dann kam die Ausbildung zur Sopranistin und ihr erstes Engagement.

Kein Stemmen und Wuchten, sondern federleichte Höhen

Aber Behrens’ Zeit als Ensemblemitglied konnte nicht lange währen. In Düsseldorf feierte sie bis 1981 große Erfolge im jugendlich-dramatischen Fach - als Agathe in "Freischütz", Elisabeth in "Tannhäuser", "Elsa" in "Lohengrin", Kaiserin in "Die Frau ohne Schatten", Leonore in "Fidelio" und "Rusalka" der gleichnamigen Oper von Antonin Dvorák. An allen bedeutenden Opernhäusern der Welt, Hamburger, Berliner und Wiener Staatsoper, Covent Garden und der Metropolitan Opera riss man sich um sie, ebenso bei den Festspielen in Salzburg oder Bayreuth. Ihre Spezialität war der dramatische Sopran in Opern von Mozart, Wagner (Brunnhilde!) und Strauss.

Und das klang anders als sonst, das war federleichter Gesang und lupenrein, wenn sich die Stimme absolut mühelos in höchste Höhen schwang, das war alles andere als Wuchten. Ihre Töne leuchteten, wo man anderen Mühsal anhörte. Behrens hatte in Salzburg 1996 eine "Elektra" unter Lorin Maazel abgeliefert, die als musikalisches Jahrhundertereignis gilt. "Die Ovationenwerde ich nie vergessen. Alle hatten Gänsehaut", sagt Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler.

Als Krönung ihrer langen Karriere verstand sie selbst ihre Partie als mysteriöse "R" in der Uraufführung von Luciano Berios "Cronaca del Luogo" zur Eröffnung der Festspiele 1999 - welch enorme dramatische Wucht verlieh sie dieser verzweifelten Gestalt! 1998 erhielt sie den Léonie-Sonning-Musikpreis, 2003 den Prix Herbert von Karajan.

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