Weil die Bandkollegen sich eine Pause ausbaten, schrieb Brandon Flowers, der Frontmann der Killers, einfach ein Solo-Album.

wza_1000x1002_734761.jpeg
Ohne Federboa und Glitzersakko: In der Garderobe sieht Las-Vegas-Urgestein Brandon Flowers nicht aus wie eine Leuchtreklame.

Ohne Federboa und Glitzersakko: In der Garderobe sieht Las-Vegas-Urgestein Brandon Flowers nicht aus wie eine Leuchtreklame.

Universal

Ohne Federboa und Glitzersakko: In der Garderobe sieht Las-Vegas-Urgestein Brandon Flowers nicht aus wie eine Leuchtreklame.

Düsseldorf. Las Vegas - Stadt der Sünde. Die Metropole hat einen merkwürdigen Ruf. Sie ist Ort des schnellen Geldes: Überall auf dem berühmten Strip locken Kasinos mit Blackjack, Poker oder Roulette. Jedes Jahr reisen Millionen von Touristen nach Vegas in der Hoffnung, das große Geld zu gewinnen. Die meisten fahren ärmer wieder nach Hause.

Sobald sich morgens die Sonne über der Wüste Nevadas erhebt, verliert die Stadt all ihren unwirklichen Glanz. Sie zählt zu den Städten mit der höchsten Arbeitslosenquote in den USA, auf den Straßen leben viele Obdachlose. Die Wirtschaftskrise vor einem Jahr hat sie hart getroffen. Deswegen hat Vegas zwei Gesichter: Nachts ist sie eine funkelnde Diva, tagsüber eine verbaute Betonwüste.

Seine Heimat Las Vegas hat Brandon Flowers Glück gebracht

Las Vegas ist auch die Heimat von Brandon Flowers. Bekannt wurde er als Sänger der Indie-Rock-Band The Killers. Er liebt seine Stadt, deswegen widmet er ihr jetzt ein Album: "Ich fand es immer seltsam, dass meine Freunde es kaum abwarten konnten, endlich in einen anderen Teil des Landes zu ziehen", sagt der 29-Jährige und fügt hinzu: "Ich fühle mich hier fest verwurzelt. Die Stadt ist ein Teil von mir."

Kein Wunder, gehört Flowers doch auch zu den Menschen, denen Las Vegas Glück gebracht hat. Er genießt den Glanz, den Vegas repräsentiert. Wenn er mit den Killers die Bühne betritt, erstrahlt sie in einem Lichtspektakel aus bunten Leuchtschriften und Plastikpalmen. Dazu trägt er eine Uniform mit Federn auf den Schultern. Es funkelt überall - wie alles in Vegas. Man möchte fast sagen: Flowers ist das personifizierte Las Vegas.

Sechs Jahre Bandleben waren zu viel: Eine Pause war längst überfällig

Vielleicht liegt es daran, dass ihn der Erfolg früh verwöhnt hat. 2002 gründete er mit Dave Keuning die Killers. Ein Jahr später hatten sie bereits einen Plattenvertrag, ihr Debütalbum "Hot Fuss" (2004) erreichte mehrfach Platin. Auch die zwei Nachfolger waren Kassenschlager. Seitdem touren die Killers durch große Hallen, sind Publikumsmagneten auf internationalen Festivals. In diesem Jahr kam die erste nennenswerte Pause. Sechs Jahre intensives Bandleben waren zu viel.

Für einen Künstler, der sich, wenn auch nur für kurze Zeit, von seiner Band löst, ist dieser Schritt oft befreiend. Er bietet ihm die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren. Nicht so bei Brandon Flowers. Als er die Songs für "Flamingo" schrieb, saß er im Tourbus und hatte eigentlich das vierte Album der Killers bereits im Hinterkopf. Doch die werten Kollegen wünschten sich eine Pause. "Mir wäre es lieber, wenn das hier ein Killers-Album wäre, obwohl die Resultate dann natürlich vollkommen anders klingen würden", sagt Flowers. Das ist zweifellos richtig, denn "Flamingo" erinnert zwar lose an die Musik der schillernden Indie-Rocker, lässt aber leider geniale Perlen wie "Mr. Brightside", "When We Were Young" oder "Somebody Told Me" vermissen. Songs also, die im Kopf bleiben, wenn man sie einmal gehört hat. Auf "Flamingo" gibt es vielmehr eintönige Melodien, die an die zahlreichen Leuchtreklamen von Las Vegas erinnern: Sie funkeln gleißend, leuchten kurz auf, aber es gibt so viele davon, dass man sie eigentlich nicht voneinander unterscheiden kann.

Hervorzuheben sind "Crossfire", "Was It Something I Said?" und "Jilted Lovers And Broken Hearts", die dem Album wenigstens ein bisschen Schliff verleihen.

Brandon Flowers allerdings wollte keine echte Auszeit - er schrieb Songs für sein Soloalbum. Wie bei fast allen Bands verbreiteten sich deswegen auch über die Killers schnell Trennungsgerüchte. "Es ist nun mal einfach so, dass jeder von uns momentan unterschiedliche Dinge auf dem Schirm hat", sagt Flowers. An eine Auflösung habe man deswegen aber nicht gedacht.

Nun steht er erst einmal allein auf der Bühne und widmet ein ganzes Album seiner Heimat. "Flamingo" - der Name ist angelehnt an eines der ältesten Hotels und Kasinos der Stadt. Es entstand 1946, als es in Vegas gerade mal zwei Spielhallen gab. Jahre später verdiente Flowers auf dem Golfplatz des Hotels sein erstes Geld, ein paar Meter weiter lernte er seine Frau Tana Mundkowsky in einem Geschäft kennen. Man kann wohl sagen, dass das "Flamingo" den Sänger geprägt hat.

Die Idee, eine Platte nach einem Kasino in Las Vegas zu benennen, ist für Brandon Flowers jedoch nicht neu: Den Einfall hatte er schon mit den Killers. Ihr zweites Album hieß "Sam’s Town" - eine Spielbank am Rande der Stadt. Nun möchte er aber seine Sicht der Dinge darstellen, nicht die seiner Band. Schon das erste Lied macht deutlich, wohin die Reise gehen soll: "Welcome To Fabulous Las Vegas", so wie es auf dem berühmten Ortsschild am Eingang der Wüstenstadt steht.

"Flamingo" ist keine Erleuchtung, eher ein Pausenfüller

Es folgen Songs, die sich nahezu ausschließlich mit dem Leben in und um Las Vegas beschäftigen. Mal wird gehuldigt, mal kritisiert. Dennoch: Anders als seine Heimat ist "Flamingo" keine Erleuchtung, die plötzlich in der dunklen Wüste auftaucht. Die Platte hat leider eher den Charakter eines Pausenfüllers bis zum nächsten Album der Killers.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer