Robbie Williams kehrt zu Take That zurück, und die Band legt wiedererstarkt ein wunderbares Stück Pop vor.

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Alle für Robbie und Robbie für alle. Take That sind (v.l.) Jason Orange, Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen und besagter Herr Williams.

Alle für Robbie und Robbie für alle. Take That sind (v.l.) Jason Orange, Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen und besagter Herr Williams.

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Alle für Robbie und Robbie für alle. Take That sind (v.l.) Jason Orange, Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen und besagter Herr Williams.

Düsseldorf. Robbie Williams hat sich einst selbstbewusst von Take That abgespalten, um eine Solokarriere zu starten. Und trotz aller Erfolge-70 Millionen verkaufte Tonträger, mehr BRIT-Awards als jeder andere britische Künstler - tat sich der heute 36-Jährige immer schwer damit, solo auf der Bühne zu stehen. Seine ständigen Alkohol- und Kokainexzesse zeugen davon. Die Trennung von seiner einstigen Band schien der Megastar nie verarbeitet zu haben.

Sechs Shows außerhalb Englands, darunter ein Auftritt in Düsseldorf

Neueste Entwicklungen lassen jedoch hoffen, dass Williams seinen selbstzerstörerischen Charakter unter Kontrolle hat. Bei einer Pressekonferenz in London gab er vor drei Wochen gemeinsam mit den ehemaligen Bandkollegen die Wiedervereinigung von Take That sowie die Daten für ihre Tour bekannt. 14 Shows in Großbritannien, weitere sechs in Europa, darunter eine in der Düsseldorfer Arena.

Laut Boulevardblatt "The Sun" wird Williams Solopart bei den Konzerten 40 Minuten dauern. Wenn die anderen Songs aus den Alben "Beautiful World" (2006) und "The Circus" (2008) bringen, wird er nicht dabei sein. Nur für die ganz alten Nummern und das brandneue Material wird das Quintett zusammen auf der Bühne stehen.

Dass Robbie Williams und Take That im Aufnahmestudio überhaupt wieder zusammengefunden haben, ist wohl auch ihrem Produzenten Stuart Price zu verdanken. Die Songs stehen bei dem smarten Briten und Kopf von Zoot Woman zuvorderst. Deswegen hat er Tricks entwickelt, mit denen er zwischen streitenden Bandmitgliedern vermittelt.

Und er motiviert seine Stars (darunter auch schon Madonna und Kylie Minogue) zu extrem harter Arbeit. Sein Leitsatz lautet: "Wenn Du nicht mehr kannst, setz’ Dich halt hin und arbeite noch drei Stunden länger. Nur so wirst Du es schaffen."

Williams und Barlow wirken so, als hätte es nie Streit gegeben

"Progress" wurde von dem Briten Stuart Price produziert. Unter seiner Ägide hatten schon Madonna ("Confessions On A Dance Floor") und die Killers ("Day & Age") Erfolge. Und das Konzept geht wieder auf: Die erste Single, "The Flood", ist eine mitreißende Hymne geworden. Auch die auf Glanz polierte Elektronik-Nummer "SOS" besticht mit rockigen Gitarren und einem kolossalen Chor. Den Leadgesang teilen sich hier Mark Owen und Robbie Williams. Letzterer dominiert auch den Song "Wait" im stilsicheren Sound der Pet Shop Boys, das langsam groovende "Pretty Things" sowie das an David Bowie erinnernde "Underground Machine" mit dem zungenbrecherischen Refrain "When the girl meets the boy and the boy meets the girl and the boy thinks the girl’s all right. All right".

Unter Einsatz von Vocoder-Gesang und euphorischen Keyboard-Läufen dominieren bei Take That die späten 80er. Damals war Disco zwar schon halbtot, aber Retro gilt heute bekanntlich als chic. Es gibt marschierende Bässe und Pink-Floyd-Verweise, Anleihen von quietschigem Scissor-Sisters-Pop, und in den Texten steckt viel schmachtende Liebe. Das verbindet sich überraschend homogen zu einem perlenden Popalbum.

Auf diese Weise erzeugt er eine intensive Arbeitsatmosphäre, in der sich seine Schützlinge keine Kindereien erlauben. Tiefere Einblicke in den Entstehungsprozess des neuen Albums von Take That gewährt die Film-Doku "Look Back, Don’t Stare", die am 3. Dezember auf DVD erscheint. Robbie Williams und sein interner Rivale Gary Barlow wirken darin tatsächlich, als hätte es zwischen ihnen nie Streit gegeben.

Als die beiden kürzlich bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Londoner Twickenham-Stadion vor 60 000 Fans zusammen auftraten, herzten sie sich wie gute alte Kumpel, und Williams schwärmte überschwänglich: "Dies ist einer der fantastischsten Momente in meiner professionellen Karriere." Im Video zu ihrem Schnulzen-Duett "Shame" wird das Thema "wiedergewonnene Männerfreundschaft" entsprechend ausgeschlachtet.

Für Williams ist die Solokarriere endgültig beendet

Auch Barlows Begeisterung für den Abtrünnigen, für den er bis vor einem Jahr nur Häme übrig hatte, ist plötzlich überbordend: Er sagt jetzt, Robbies Rückkehr habe das Album erst interessant gemacht. Für Williams ist dieser Schritt angeblich endgültig, denn seine Solokarriere hält er für ausgereizt: "Sie ist abgenutzt. Textlich und musikalisch. Aber der Alleingang musste sein. Wegen meines Egos."

Die letzte Tournee von Take That, die ohne Williams stattfand, war binnen Minuten ausverkauft. Deshalb wird die kommende "Back For Good"-Konzertreise vorauseilend zur "größten Show aller Zeiten" ausgerufen. Jedem Bandmitglied soll eine Gage von weit über 15 Millionen Euro winken. Für Robbie Williams hoffentlich Ansporn genug, seine Texte zu lernen. An den seines Welthits "Feel" konnte er sich nämlich bei seinem Twickenham-Auftritt nicht mehr erinnern. Keck fragte er die Fans, ob sie ihn noch wüssten.

Überhaupt: Die meisten der Williams-Anhänger sind mit der Wiedervereinigung gar nicht einverstanden. Sie befürchten, ihr Idol würde sich innerhalb der Boygroup zu einem Schnulzensänger entwickeln. Ist Robbie Williams wirklich so standfest wie er vorgibt, oder findet er einfach aus seiner Identitätskrise nicht mehr heraus?

"Ich brauche diesen Job als Popstar, weil sonst mein Verstand verrottet", beichtete er letztes Jahr in einem Interview zu seinem Album "Reality Killed The Video Star", das bereits etwas kraftlos klang. Der Schlagersänger Roy Black, der einmal in einer TV-Sendung im Liegestuhl "Sweet Little Sixteen" sang, hatte Williams da eines voraus. Er sagte anschließend resignierend: "Ich bin kein Rock’n’Roll-Sänger, ich werde weiterhin sentimentale Schlager singen."

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