Interview: Nach mehr als 25 Jahren ist Steve Miller wieder in Europa auf Tour. Hits wie „The Joker“ oder „Fly like an Eagle“ gehören noch heute zum Standard-Repertoire der Radiosender.

Der legendäre Steve Miller ist im Oktober in Düsseldorf.
Der legendäre Steve Miller ist im Oktober in Düsseldorf.

Der legendäre Steve Miller ist im Oktober in Düsseldorf.

Gommers

Der legendäre Steve Miller ist im Oktober in Düsseldorf.

Düsseldorf. Herr Miller, Ihr Auftritt beim Rockpalast auf der Loreley 1983 mit dem Tiger auf der Bühne ist heute noch Legende. Ist der wieder dabei?

Miller: Nein, das haben wir nur ein einziges Mal gemacht, weil wir wussten, dass die Show in die ganze Welt übertragen wurde. Der Tiger war nie mit auf Tournee. Es gab auch damals hinter den Kulissen jede Menge Probleme. Das Tier kam aus der Schweiz und bei den Verhandlungen wurden leider Pfund und Kilo verwechselt. Das heißt, das Tier war doppelt so schwer wie geplant. Darum mussten wir in letzter Minute noch einen größeren Käfig bauen lassen, damit wir den Tiger zu "Abracadabra" verschwinden lassen konnten.

Nach 17 Jahren Pause müssten Sie doch viele eigene Songs im Kopf haben. Trotzdem sind auf Ihrem Album "Bingo" nur Cover-Versionen.

Miller: Je älter ich werde, desto geringer ist das Interesse am Komponieren geworden. Wir haben 1993 zuletzt ein Album mit eigenen Songs aufgenommen. Da gingen die Leute während des Konzertes raus, um eine Wurst zu essen, und kamen erst zurück, wenn sie "Fly like an Eagle" hörten. Auf "Bingo" habe ich Songs aufgenommen, die ich mit 13, 14 oder 15 Jahren toll gefunden habe. Das sind Titel, die mir am Herzen liegen.

Das Album kletterte in den USA bis auf die Nummer 1 der Charts. Waren Sie überrascht?

Miller: Ja, eigentlich sollte "Bingo" eine kleine Sache werden, aber dann wurde das Ganze immer größer. Aber eine "Nr. 1" ist heute relativ, weil das Musik-Business in Amerika völlig am Boden liegt. Ich habe mich sehr gefreut und bei der Plattenfirma nachgefragt, wie viele CDs wir verkauft haben. Es waren 60000. In den 70er Jahren habe ich in 18 Monaten 13 Millionen Platten verkauft.

Sind die illegalen Downloads das Problem in den USA?

Miller: Nicht nur das. Es gibt keine Plattenläden mehr, die Studios haben nichts zu tun. Die Videospiel-Industrie macht heute mehr Umsatz als die Film-Branche. Da fließt das Geld hin. Aber das Problem geht noch viel tiefer. Wenn ich früher eine Platte gekauft habe, dann habe ich sie drei Monate lang jeden Tag gehört und war mein ganzes Leben lang Fan der Band. Heute laden die Jugendlichen sich Musik herunter, schmeißen sie nach acht Tagen wieder weg und hören etwas anderes.

Kommen Sie darum nach mehr als 25 Jahren wieder nach Europa?

Der Rock- und Bluesgitarrist Steve Miller wurde 1943 in Milwaukee, Wisconsin, geboren. 1967 gründete er die Steve Miller Band.

Am 15. Oktober spielt die Steve Miller Band das einzige NRW-Konzert in der Düsseldorfer Philipshalle.

Miller: Nein, das kann man nicht sagen. Es hat sich früher einfach nicht ergeben. Seit 1998 sind wir wieder regelmäßig auf Tour in Nordamerika und Kanada.

Was erwartet die Fans auf der Europa-Tournee?

Miller: Ich habe einen Freund, der am Broadway Musicals inszeniert. Der hat die Bühne entwickelt. Und die Lightshow kommt von dem Techniker, der die Olympischen Spiele in China inszeniert hat. Es wird eine tolle Show mit alten und neuen Songs.

Wenn die Tour startet, sind Sie gerade 67 Jahre alt geworden. Kann man da noch einmal voll durchstarten?

Miller: Ich fühle mich nicht wie 67 und ich sehe nicht so aus. Außerdem sind meine Finger immer noch schnell. Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich das noch machen kann, aber ich bin für jedes Jahr dankbar. Das möchte ich genießen.

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