Die Kings of Leon unterhalten mit ihrer musikalischen Qualität 4000 Fans in Köln.

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Charismatisch: Frontman Caleb Followill.

Charismatisch: Frontman Caleb Followill.

Thomas Bril)l

Charismatisch: Frontman Caleb Followill.

Köln. Es war naiv, die Kings of Leon ursprünglich in der Kölner Live Music Hall auf die Bühneschicken zu wollen. Diese Band hat seit dem vergangenen Sommer eine solche Bedeutung angenommen, dass sie Platz braucht, deutlich mehr Platz. Im Kölner Palladium hat man den gefunden, ausgefüllt haben ihn die Brüder Caleb, Nathan und Jared Followill mit Cousin Matthew allemal. 4000 Fans der Amerikaner, die nirgendwo erfolgreicher sind als in Großbritannien, haben zugehört. Das Konzert war schon lange ausverkauft.

Die Kings of Leon sind ein ziemlich melancholisches und erfolgreiches Familienunternehmen - was kein Widerspruch sein muss. Sie entstammen der Ehe eines amerikanischen Wanderpredigers mit einer Kirchenmusikerin. Es hat schon schlechtere Vorzeichen für die kreative Entwicklung der Kinder gegeben.

Da braucht es nicht zwingend eine gigantische Bühnenshow mit wirbelnden Bandmitgliedern. Die wird hier auch nicht geboten. Alle Followills sind fein aufgestellt und halten ihren Aktionsradius klein. Wenn man ihm übel gesinnt wäre, müsste man Sänger Caleb für seine wenigen Worte an die gierigen Fans oder seine bisweilen quälende Trägheit auf der Bühne kritisieren.

Leidend und eindringlich

Aber der charismatische Frontman legt so viel Energie in seine einmalige Stimme, dass keine Idee von Übellaunigkeit überlebt. Jeder Nuance seiner Töne ist eine Reminiszenz an seine Familie, an seinen Vater und dessen "Job": Caleb selbst ist ein Wanderprediger - leidend und eindringlich. Von ihm und den zunehmend reifen Kompositionsqualitäten der Brüder leben die Kings of Leon, die nach einem kurzen orchestralen Intro die Bühne betreten und sich an die Arbeit machen. Was folgt ist ein Querschnitt durch ihre Alben, vier an der Zahl, von denen die beiden letzten, "Because of the Times" und "Only by the Night", aus einer schrammelnden Rockkapelle eine reife, sich dem Mainstream annähernde und von Kritikern gefeierte Band gemacht haben.

Bei "Molly’s Chambers" kommt die Masse das erste Mal auf Touren, bei ihrem größten Erfolg "Sex on Fire" bebt das Palladium. Gitarrenarrangements und Stimme sind jederzeit bei CD-Qualität, keine größeren Ausreißer nach oben und unten. Zwischen Langeweile und Kunst ist es manchmal nur ein schmaler Grat. Nur als die Band nach rund 60 Minuten das erste Mal die Bühne verlässt, wird es ärgerlich. Da hatte noch einiges gefehlt, da musste noch etwas kommen.

"Manhattan", der Single-Nachfolger von "Sex on Fire" wird nachgelegt, am Ende steht "Black Thumbnail" wie ein kleines Denkmal im Raum. Schnell sind sie weg und kommen nicht wieder. "Maybe in summer", hat Caleb Followill noch gesagt. Dann wohl in der nächsten Dimension. Wenn die Stimme hält.

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