Die Band veröffentlicht mit „Himmel auf“ ihr viertes Album und wagt dabei einiges.

Echo 2011 - Arrival
Silbermond vor einem Jahr bei der Echoverleihung 2011 in Berlin.

Silbermond vor einem Jahr bei der Echoverleihung 2011 in Berlin.

Britta Pedersen

Silbermond vor einem Jahr bei der Echoverleihung 2011 in Berlin.

Düsseldorf. „Himmel auf“ ist das vierte Album von Silbermond. Haben Sie Angst, dass sich irgendwann eine bequeme Routine breitmacht?

Thomas Stolle: Es gibt das Risiko, dass man in das eine oder andere Muster verfällt und alles so macht wie bei den Vorgängeralben. Das wollten wir vermeiden und waren wieder sehr experimentierfreudig. Wir wollten uns keine Grenzen setzen lassen und nur das machen, auf das wir Lust haben. Um mehr Hall zu bekommen, sind wir beispielsweise irgendwann mit dem Mikro auf der Damentoilette gelandet, weil da der Sound am besten war. Trotzdem klingt das Album noch nach Silbermond, es ist aber wohl das intensivste das wir je gemacht haben. Darauf sind wir ziemlich stolz.

Wenn Sie sich einigen müssen, gibt es dann auch schon mal Streit?

Stolle: Die Auseinandersetzungen sind bei uns meist ziemlich konstruktiv. Manchmal ist aber auch etwas Überzeugungsarbeit notwendig, bis alle sich einig sind. Wir haben viel ausprobiert und waren dabei sehr offen. Dafür haben wir manche Songs auch mehrmals aufgenommen, um wirklich auf den Punkt zu kommen.

Spüren Sie Erfolgsdruck?

Silbermond haben sich unter dem Namen Exakt 1998 in Bautzen gegründet. Ihren Durchbruch schafften sie 2004 mit dem Hit „Symphonie“.

 

Am 5. Dezember kommen Silbermond in die KölnArena. Am 20. Dezember sind die vier Musiker zu Gast in der Dortmunder Westfalenhalle.

Andreas Nowak: Druck haben wir erstmals beim zweiten Album gespürt. Da gab es viele Menschen, die wissen wollten, wie das zweite Album wird und versucht haben, darauf Einfluss zu nehmen. Damals haben wir gelernt, dass man ein Stück weit egoistisch sein muss. Man muss einfach die Musik machen, auf die man selbst Lust hat und darf da keine Kompromisse machen.

Sie haben ernste Themen auf dem Album. Ein Song dreht sich um das Leid der Kindersoldaten. Wie kam es dazu?

Stolle: Das sind Themen, die zum Leben gehören und die man nicht ausklammern darf. Wir können ja nicht immer von Liebe und Sonnenschein singen. In unserer Musik verarbeiten wir die Dinge, die uns bewegen. „Weiße Fahnen“ ist nach einer Reise nach Kamerun entstanden, bei der wir einen Kriegsfotografen kennengelernt haben, der uns viel von seiner Arbeit im Kongo erzählt hat. Das war so eine ungute Vorstellung, dass auf einmal ein Kind mit einer Waffen vor einem steht, das einen Krieg führen muss, den es gar nicht angezettelt hat.

Ein Song handelt vom destruktiven Dagegen-Sein. Haben Sie ein Problem mit die vielen Wutbürgern?

Kloß: Prinzipiell finde ich es super, dass Leute auf die Straße gehen – für oder gegen eine Sache. Das sind Leute, die etwas verändern wollen und die dafür auch etwas tun. Das empfinde ich als sehr positiv und wichtig. Im Song geht es aber gegen Leute die prinzipiell gegen alles sind und die keine konstruktiven Vorschläge haben, wie man etwas anders machen kann. Die wollen eigentlich gar nichts verändern. Das finde ich etwas schwierig, weil es die Welt nicht wirklich weiter bringt.

Sehen Sie sich selbst als politische Menschen?

Stolle: Politisch in dem Sinne, das man das Geschehen verfolgt und sich informiert. Aber Silbermond ist keine politische Band. In erster Linie sind wir einfach Musiker.

Kloß: Wir sind aber politische Menschen. Ich merke, wie sich in den vergangenen Jahren meine Einstellung zu gewissen Sachen verändert hat, und will einfach mehr wissen. Ich verspüre den Drang, Sachen verstehen zu wollen, um auch hinter die Kulissen blicken zu können. Das gilt für den arabischen Frühling genauso wie für die Wirtschaftskrise.

Wie haben Sie den Wandel von der jungen Nachwuchsband zur etablierten Gruppe überstanden?

Stolle: Man wird biologisch älter und lernt aus den Fehlern, die man gemacht hat. Natürlich prägen einen auch die Erfahrungen, die man gemacht hat.

Nowak: Nicht verändert haben aber sich die Grundmotivation, mit der wir Musik machen und das Gefühl, wenn wir auf die Bühne gehen. Wir haben immer noch Spaß, bei dem, was wir machen. Das Ganze ist nur noch schöner und intensiver geworden.

Sind Sie reifer geworden?

Kloß: Wir haben den Plattenvertag bekommen, als ich 19 und die Jungs 20 waren. Wir waren damals sehr jung, sind aber schnell erwachsen geworden, durch das, was wir erlebt haben. So konnten wir auch gut mit dem Erfolg umgehen und auf dem Teppich bleiben. Gut ist das wir immer noch Mut zu etwas Neuem haben. Wir fangen bei jedem Album wieder neu an.

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