Neue Platten, Filmrechte, Videospiele: Ein Jahr nach seinem Tod wird der US-Popstar intensiver vermarktet denn je.

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Michael Jackson: Sein Tod ist kein Hinderungsgrund für die Fortsetzung der Musikkarriere.

Michael Jackson: Sein Tod ist kein Hinderungsgrund für die Fortsetzung der Musikkarriere.

dpa

Michael Jackson: Sein Tod ist kein Hinderungsgrund für die Fortsetzung der Musikkarriere.

Los Angeles. Es zählt zu den makabren Weisheiten des Showgeschäfts, dass das frühzeitige Ableben eines Stars posthum die Karriere fördern kann. Im Falle von Michael Jackson, der Freitag vor einem Jahr mit 50 Jahren gestorben ist, hat sich die Erwartung erfüllt. Bis zu eine Milliarde Dollar dürften für Jackson-Platten, Filmrechte und Souvenirs an die Erben geflossen sein.

Weithin vergessen ist, dass Jacksons letzte Jahre von finanziellen Problemen und künstlerischem Niedergang gekennzeichnet waren. Seine Schulden wurden auf gut 400 Millionen Euro geschätzt, seine Ranch "Neverland" stand mehrfach vor der Zwangsvollstreckung.

Das Interesse an Jacksons Musik hatte über die Jahre nachgelassen, insbesondere nach dem Prozess wegen Kindesmissbrauchs, an dessen Ende er freigesprochen wurde.

Die Nachlassverwalter orientieren sich an der Vermarktung von Elvis

Dies änderte sich schlagartig mit der Todesnachricht am 25.Juni 2009 - Jackson war an Herzstillstand gestorben, nachdem ihm sein Leibarzt Conrad Murray das Narkosemittel Propofol gespritzt hatte. 18 Tage später hätte er das erste seiner 50 Comeback-Konzerte geben sollen.

Die Charts reagierten sofort: Neun Alben und 24 Singles standen gleich nach Jacksons Tod in den deutschen Top 100. Bis Juni 2010 wurden nach einer Schätzung des Branchendiensts Nielsen weltweit 24 Millionen Alben verkauft. Hinzu kommen 26,5 Millionen Downloads im Internet. 350 Millionen Euro flossen aus dem Verkauf von Musik, schätzt das Fachmagazin "Billboard". Weitere 211 Millionen Euro spielte der Film "This Is It" ein.

Der 13-jährige Prince Michael, die zwölfjährige Paris und der acht Jahre alte Blanket leben bei ihrer Großmutter Katherine (80).

Der Geldsegen dürfte vor allem Jacksons Kindern zugute kommen. Clan-Matriarchin Katherine führt die drei vorsichtig aus dem goldenen Käfig heraus, in dem sie zuvor ihr Leben verbracht haben. Mehrfach wurden die Kinder in Los Angeles öffentlich gesehen. Nach der Sommerpause sollen sie erstmals zur Schule gehen. "Sie haben keinerlei Freunde», sagte Katherine Jackson kürzlich der britischen Zeitung "Mail on Sunday". Das soll sich ändern, ab September sollen sie eine private Schule besuchen.

Für eine Fortsetzung seiner Musikkarriere ist Jacksons Tod kein Hinderungsgrund. Im März unterzeichneten seine Nachlassverwalter John Branca und John McClain einen Plattenvertrag mit Sony, der zu den dicksten jemals abgeschlossenen Verträgen dieser Art zählen dürfte.

Bis 2017 sollen zehn neue Jackson-Alben mit unveröffentlichtem Material und bekannten Hits veröffentlicht werden. Das dürfte rund 203 Millionen Euro bringen. Die Nachlassverwalter orientieren sich bei der Vermarktung an dem ebenfalls jung gestorbenen Elvis Presley, der mehr als 30 Jahre nach seinem Tod noch Kasse macht.

Allein 2009 erwirtschaftete er laut dem Magazin "Forbes" knapp 45 Millionen Euro durch Plattenverkäufe und Lizenzen. Madonna kam auf 32,5 Millionen Euro Einnahmen.

Bald kommt ein Videospiel, bei dem die Spieler Punkte bekommen, wenn sie Jacksons "Moonwalk"-Tanzschritte nachahmen. Der Zirkus Cirque de Soleil plant für 2011 eine Show mit Jacksons Musik. Bei allem werden Lizenzgebühren fällig.

Seine Geschwister verbreiten bizarre Theorien

Der Geldfluss und das weltweite Interesse geben Michael Jacksons Geschwistern Gelegenheit, sich selbst ins Gespräch zu bringen. Schwester LaToya (54) wiederholte gerade ihre nicht näher erläuterte Theorie: "Michael wurde ermordet. Sie wussten, dass er tot mehr wert sein würde als lebendig."

Bruder Jermaine (55) sagte am Donnerstag der britischen BBC, Michaels Tod hätte verhindert werden können, wenn der Sänger zum Islam übergetreten wäre. Der Islam verleihe Stärke.

In vielen Städten der USA wollen Fans Freitag ihr verstorbenes Idol feiern. Doch während die Verwertung läuft wie geschmiert, sind ihren Wünschen enge Grenzen gesetzt.

Der Friedhof Forest Lawn, auf dem der Musiker beigesetzt ist, hat den Zugang zum Grab stark eingeschränkt. Man darf nicht parken, man darf nicht singen, man darf nicht tanzen. Jacksons Mausoleum bleibt auch an seinem ersten Todestag für die Öffentlichkeit geschlossen.

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