Die Amerikaner begeistern ihre Anhänger im Kölner Palladium. Die Brücke zu den Anfängen der Band ist geschlagen.

The Bilbao BBK Live Music International Festival in Bilboa, Spain
Die Pixies während eines Konzerts. Archivbild.

Die Pixies während eines Konzerts. Archivbild.

Javier Zorrilla

Die Pixies während eines Konzerts. Archivbild.

Köln. Man hatte sich ja durchaus Sorgen gemacht. Weil sich eine Band, die zwischen 1987 und 1991 legendäre Platten wie „Doolittle“, „Bossanova“ oder „Surfer Rosa“ gemacht hat und damit zum mentalen Einflüsterer für Bands wie Nirvana geworden war, 25 Jahre später keinen musikalischen Offenbarungseid wie „Indie Cindy“ leisten sollte. 2014 war das, die lose Titelsammlung hatte mit „Andro Queen“ ein einziges akzeptables Lied. Und übrig schien allein die Erinnerung an die ersten Jahre.

Aber jetzt ist alles anders. Als am Mittwochabend im ausverkauften Kölner Palladium vor rund 3500 Fans der Nebel zur Zugabe nach 105 Minuten so dicht war, wie der gerade erlebte musikalische Vortrag, wusste man: Jeder hat mal eine schlechte Phase, und dann geht es eben auch wieder aufwärts.

„Into the White“ hämmerte die Band da aus dem Nichts, und davor hatten sich der charismatische und zunehmend schwergewichtige Glatzkopf Black Francis (51), Schlagzeuger David Lovering (54), Joey Santiago (51) und die erstaunlich wunderbare neue Bassistin Paz Lenchantin (42) durch ihr Werk geschrammelt. 30 Songs, bisweilen fließende Übergänge, weil: reden muss hier niemand. Keine Begrüßung, stattdessen zum Auftakt „Where is my mind“, der Klassiker, der 50 Prozent zum Erfolg des Films „Fight Club“ beigetragen hat. Den auch jene begleiten können, die die Pixies eher als Randnotiz denn als Wegweiser einer Generation wahrgenommen haben. Das ziemlich männliche Publikum aber kennt das ganze Werk, sie genießen, bewundern und stören sich auch nicht daran, dass Pixies-Konzerte stets musikalische Glanzlichter, nie aber Unterhaltungsshows im heutigen Sinne sind. Das ist auch bewusste Abgrenzung.

Dass Black Francis’ Gitarre nach 20 Sekunden von „Debaser“ aussetzt – geschenkt, abgehakt der Song, weiter geht’s durch das Portfolio, ist ja genug da. „Hey“ spielen sie, „Gouge away“, „Mr Grieves“, „Wave of Mutilation“ und so viele andere Klassiker, und am Ende zählt man durch, was sie alles ausgelassen haben, und wieder kommt eine stattliche Zahl dabei heraus.

Warum das egal ist? Weil das echte 2016er Comeback-Album „Head Carrier“ die Brücke zum Anfangswerk ist, ein noch zu wenig beachteter Donnerschlag im Mainstream-Allerlei, den die Bostoner da frisch produziert haben. Weil sie sich wieder wie eine vollwertige Band fühlen dürfen, seit Paz Lenchantin die legendäre Bassistin Kim Deal (früher auch Breeders) ersetzt hat, als Deal und Francis nicht mehr miteinander konnten. Das ist wahrlich die Entdeckung des Abends: Wie Lenchantin „All I Think About Now“ – textlich eine Reminiszenz an Deal – singt, ist großartig und der Kontrapunkt zum dahin gedroschenen „Um Chagga Lagga“ , das die Pixies in die Halle rotzen, als seien sie 20 und nicht 50. Die Jüngsten hüpfen in der Mitte vor der Bühne. Die Älteren holen sich ein Bier. Auch was wert.

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