Zum 80. Geburts- und 30. Todestag des Pianisten Glenn Gould erscheinen seine Werke neu.

Legende
Zwei Legenden der klassischen Musik unter sich: Glenn Gould (l.) mit Herbert von Karajan.

Zwei Legenden der klassischen Musik unter sich: Glenn Gould (l.) mit Herbert von Karajan.

dpa

Zwei Legenden der klassischen Musik unter sich: Glenn Gould (l.) mit Herbert von Karajan.

Düsseldorf. Er war einer der kompromisslosesten Musiker des 20. Jahrhunderts, der kanadische Pianist Glenn Gould, geboren 1932 in Toronto, wo er knapp zwei Wochen nach seinem 50. Geburtstag starb.

Er spielte hauptsächlich die Werke von Johann Sebastian Bach, glasklar, staubtrocken und in oft eigenwilligem Tempo, mal rasend schnell, mal so langsam, als bliebe die Zeit stehen. Dahinter steckte aber keine exzentrische Willkür oder Effekthascherei, sondern eine klare Vorstellung vom architektonischen Aufbau der Musik.

Mozart und Beethoven hält Glenn Gould für überschätzt

Goulds Darbietungen, die auf Hunderten von Schallplatten und CDs konserviert wurden, besitzen immer eine bombenfeste Struktur und nachvollziehbare Logik, egal welches Tempo er gerade wählte.

Er interpretierte aber nicht nur Werke, von deren Wert er felsenfest überzeugt war. Mozart und Beethoven hielt er für überschätzt und spielte sie auf eine Weise, als wolle er sich über sie lustig machen, wenn er etwa Mozarts Türkischen Marsch in Zeitlupe wiedergab.

Der Kanadier wird zur Kultfigur – und versteckt sich mitunter

Den internationalen Durchbruch hatte Gould in den 50er Jahren mit einer phänomenal brillanten Einspielung von Bachs Goldbergvariationen. Sein smartes, fotogenes Aussehen, verbunden mit musikalischer Intellektualität machten ihn bald zur Kultfigur.

Glenn Gould wuchs in Toronto als Einzelkind auf. Sein Vater war ein Amateur-Geiger, die Mutter Pianistin und Organistin. Über sie, eine geborene Grieg, ist Gould mit dem Komponisten Edvard Grieg verwandt.

In den 50er und 60er Jahren konzertierte Gould international. Von 1964 bis zu seinem Tod 1982 spielte er nur im Studio.

Der Trubel, der um seine Person entstand, ließ ihn immer wieder in die Anonymität entfliehen. Zu seinem Refugium wurde der Truck-Stopp am Highway 400 bei Toronto. Dort blieb er stundenlang in einer einfachen Gaststätte unter Fernfahrern, deren Unterhaltungen dem dort unerkannten Star-Pianisten Entspannung verschafften.

Früh zog sich der menschenscheue Musiker vom Konzertpodium zurück und nahm nur noch Platten auf. Auf vielen Aufnahmen hört man ihn leise mitsingen – beinahe Goulds Markenzeichen.

Ein Desaster: Gould trifft auf die Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf

Anlässlich seines 80. Geburts- und 30. Todestag erscheinen seine Aufnahmen in neuer Edition. Zum Kennenlernen eignet sich ein bebildertes und mit biografischen Texten versehenes Doppel-Album mit Werken etwa von Bach und anderen Komponisten.

Eine Sensation ist die Erstveröffentlichung der Schwarzkopf-Bänder: Zwei Weltstars treffen im Januar 1966 in den Columbia-Studios New York zusammen, um Lieder von Richard Strauss aufzunehmen, Gould und die deutsche Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf.

Das Gipfeltreffen der Legenden wird aber zum Fiasko. Denn Gould neigt wieder zu einer sehr freien Auslegung des Notentextes, während Schwarzkopfs Credo das von akribischer Werktreue ist. Für wenige Lieder werden unzählige Takes gemacht. Drei Ophelia-Lieder sind später auf CD erschienen.

Aber erst jetzt wird das komplette Bandmaterial veröffentlicht. Mit dabei sind die Lieder „Morgen“ oder „Winterweihe“ – sängerisch und pianistisch auf Weltklasse-Niveau, trotz angespannter Lage. Auf der zweiten CD befindet sich ein Hörspiel, das die Aufnahmesitzungen genau schildert. (Alle CDs: Sony).

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