Patricia Kaas hat mehr Selbstvertrauen bekommen. Foto: Bruno Bebert
Patricia Kaas hat mehr Selbstvertrauen bekommen. Foto: Bruno Bebert

Patricia Kaas hat mehr Selbstvertrauen bekommen. Foto: Bruno Bebert

dpa

Patricia Kaas hat mehr Selbstvertrauen bekommen. Foto: Bruno Bebert

Cannes (dpa) - In ihrem Programm «Kaas chante Piaf» (Premiere im November 2012) singt Patricia Kaas Lieder der Chanson-Legende Edith Piaf in neuen Arrangements.

Das hätte sie sich vor einigen Jahren vermutlich noch nicht getraut, verriet die 45-jährige Sängerin im dpa-Interview im südfranzösischen Cannes am Rande der Musikmesse Midem. Aber durch ihre Autobiografie («Mademoiselle singt den Blues: Mein Leben», erscheint am 23.4. auf Deutsch) und die Hauptrolle im französischen Krimidrama «Assassinée» habe sie mehr Selbstvertrauen gewonnen, erklärte die aus Lothringen stammende 45-Jährige in fließendem Deutsch. Und die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2009 habe ihr sicher auch geholfen.

Frau Kaas, Sie haben sich zum 50. Todestag von Edith Piaf im nächsten Jahr das Werk der großen Chansonneuse vorgenommen - warum?

Kaas: «Sie ist etwas Besonderes, meine Schule sozusagen. Ich habe schon immer einzelne Lieder von ihr gesungen, aber jetzt bin ich eingetaucht in ihr Werk, in ihr Leben. Ich will den Zuschauern bei den Konzerten etwas von ihrem reichen Leben und ihren Erfahrungen mitgeben, beispielsweise von ihrer Bekanntschaft mit Cocteau - mit den Liedern, aber auch in den Momenten dazwischen.»

Es wird aber keine 1:1-Piaf-Kopie?

Kaas: «"Kaas chante Piaf" ist eine Hommage, ich werde sie nicht nachsingen. Sie ist einfach zeitlos, ich präsentiere meinen Blick auf Piaf. Der Filmkomponist Abel Korzeniowski hat die Lieder für die Tour und das Album neu arrangiert, ich möchte mich aber auch nicht zu weit von ihr entfernen.»

Es soll aber doch Electronic-Remixes geben...

Kaas: «Ja, aber erst danach, vielleicht ein, zwei oder drei Songs, die dann auch andere Menschen erreichen können. Vor drei, vier Jahren hätte ich es vielleicht nicht gemacht. Man muss das Selbstvertrauen haben und die Lebenserfahrung.»

Wie haben Sie dieses Selbstvertrauen gewonnen?

Kaas: «In den vergangenen Jahren gab es eine Hinwendung zum Persönlicheren. Mein letztes Programm, «Kabaret», war ja schon etwas mehr Theatralisches, mit viel Tanz. Dann kam meine Autobiografie, das war sehr neu für mich, persönlich so offen zu sein. Hätte ich die Autobiografie nicht gemacht, hätte ich wohl auch meinen letzten, sehr emotionalen Film nicht gemacht, und dann hätte ich vielleicht nicht die Courage gehabt, Piaf zu machen. Ich bin durch diese Projekte vielleicht ein bisschen persönlicher geworden.»

Dieser französische Fernsehfilm «Assassinée» ist ihr erstes Filmprojekt seit 2002. Sie spielen darin eine Mutter, deren Tochter umgebracht wird - harter Stoff.

Kaas: «Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich bin eher ein ruhiger Mensch und kein Choleriker, der schreit; jemand, der auch sehr, sehr selten weint. Ich drücke meine Gefühle über die Musik aus. In diesem Film musste ich aber alles rauslassen - ich musste weinen und schreien. Ich musste mich sieben Wochen lang in diese Frau, diese Mutter hineinversetzen, das war sehr anstrengend.»

Wird man Sie künftig öfter in Filmen sehen?

Kaas: «Nein, meine Leidenschaft ist das Singen.»

Mit dieser Leidenschaft sind Sie auch beim Eurovision Song Contest 2009 angetreten und wurden Achte. Bereuen Sie Ihre Teilnahme heute?

Kaas: «Nein, wenn ich wieder antreten müsste, würde ich das gleiche Lied (den Chanson «Et s'il fallait le faire») nehmen und es genauso interpretieren. Ich habe es als Patricia Kaas gemacht. Es ist wichtig, man selbst zu sein und sich nicht für den Song Contest zu verbiegen. Ich könnte nicht plötzlich Techno machen oder Ähnliches.»

Waren Sie denn zufrieden mit dem achten Platz?

Kaas: «Natürlich war ich enttäuscht, man geht ja dahin, um zu gewinnen. Aber es war trotzdem gut, es hat mir nicht geschadet. Es war eine neue, eine tolle Erfahrung. Und ich würde sogar sagen, der Auftritt und die ganze Aufmerksamkeit hat meiner "Kabaret"-Tour geholfen und dem Eurovision Song Contest in Frankreich auch. Auf einmal wollen viele Künstler daran teilnehmen, das war vorher anders.»

Interview: Patrick T. Neumann, dpa

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer