Die Briten spielen in der Philipshalle gewohnt starr und begeistern trotzdem.

Ein Teil des störrischen Duos: Oasis-Sänger Liam Gallagher.
Ein Teil des störrischen Duos: Oasis-Sänger Liam Gallagher.

Ein Teil des störrischen Duos: Oasis-Sänger Liam Gallagher.

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Ein Teil des störrischen Duos: Oasis-Sänger Liam Gallagher.

Düsseldorf. Der Song, mit dem Oasis ihre bierseligen Zuschauer in der Philipshalle begrüßen, heißt "Rock ’n’ Roll Star" und enthält bei präziser Betrachtung einen ziemlich vermessenen Text.

Im stürmischen Refrain, den Oasis-Sänger Liam Gallagher mit nöliger Stimme in die zentnerschweren Boxentürme jagt, wollen die Britpop-Lümmel ihren Fans genau diese Anmaßung eintrichtern: dass sie Rock’n’Roll-Stars sind. Eine Aussage, die so simpel ist wie falsch.

Wer das sein will, der verströmt Glamour und Geheimnis oder tut zumindest so. Oasis wirken in der Philipshalle aber bestenfalls wie Kneipengänger, die sich auf die große Bühne verirrt haben. Liam Gallagher steht starr wie eine Mumie hinter dem Mikroständer, wenn er nicht gerade linkisch umhertapst. Bruder Noel bearbeitet mit mürrischem Gesicht seine Gitarre - und sieht dabei in etwa so charismatisch aus wie ein Mechaniker an einer Produktionsstraße. Andy Bell, der Bassist der Band, kaut indes gelangweilt auf Kaugummi.

Geliebt wird die Band auch wegen ihrer Überheblichkeit

Das alles macht aber gar nichts. Die Zuschauer in der ausverkauften Halle sind größtenteils euphorisiert, entrollen "Union Jack"-Flaggen und skandieren stadiontauglich "O-a-sis". Die Musiker aus Manchester, die vor wenigen Monaten ihr neues Album "Dig Out Your Soul" veröffentlicht haben - sie werden nun einmal nicht geliebt, weil sie besonders ausstrahlungsstark oder kunstfertig wären.

Es ist diese Attitüde aus störrischer Mittelmäßigkeit und etwas Überheblichkeit, die den Reiz von Oasis ausmacht. Eine Liebe wie zu einem Fußballverein, der im Mittelfeld der Tabelle vor sich hindümpelt, gleichzeitig aber nach der Champions League schielt.

Das Songrepertoire, das Oasis intonieren, passt in dieses durchwachsene Bild. Weitestgehend erklingt solide Dienstleistung fürs Publikum, die das Erbe von Beatles und Kinks verwaltet. Liam singt mit etwas heiserer Stimme, das Schlagzeug pumpt, und die Gitarrenriffs sind manchmal so schroff wie Steinblöcke.

Einige Songs vom neuen Album wie etwa "Waiting For The Rapture" zeigen zwar den Willen zum Experiment und überraschen mit grell gleißendem Krautrock. Die oftmals uninspirierten Lieder der Vorgänger-Alben verlieren sich hingegen in Belanglosigkeit.

Sobald Oasis die Uhr aber noch weiter zurückdrehen und sich in die 90er Jahre begeben, die Blütezeit ihrer Karriere und ihres Genres, funkelt auf einmal Schönheit auf: "What’s The Story (Morning Glory)", "Wonderwall" oder "Don’t Look Back in Anger" sind Songwriting-Perlen, nichts anderes als Popsongs in Perfektion. Als sie diese Lieder spielen, wachsen sie auf unerklärliche Weise über sich hinaus - und verströmen dann doch für ein paar Momente Glamour und Geheimnis.

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