Lisa Bassenge
Lisa Bassenge hat ein Album mit ausschließlich deutschsprachigen Songs aufgenommen.

Lisa Bassenge hat ein Album mit ausschließlich deutschsprachigen Songs aufgenommen.

dpa

Lisa Bassenge hat ein Album mit ausschließlich deutschsprachigen Songs aufgenommen.

Berlin (dpa) - Die Zeiten sind gut für deutsche Popmusik jenseits von Rüpel-Rock oder Schlager-Schwulst. Nach einer Welle starker Songwriter-Alben im Vorjahr hat der Januar vier weitere Hoffnungsträger zu bieten.

Lisa, Anna, Nadine und Francesco - was sich nach einer studentischen Wohngemeinschaft anhört, ist in Wirklichkeit ein sehr unterschiedliches Quartett deutschsprachiger Pop-Sänger und Songschreiber aus Berlin und Hamburg. Eines haben die vier Künstler gemeinsam: Ihre Lieder biedern sich weder an Teutonen-Rock noch an stumpfe Schlagermucke an, sie haben Niveau, sie machen Spaß. Nach dem Erfolg von Pohlmann, Philip Poisel, Samuel Harfst, Gisbert zu Knyphausen oder Felix Meyer im Vorjahr stehen neue Deutschpop-Talente in den Startlöchern.

Am längsten ist FRANCESCO WILKING im Geschäft, der Sänger der Indie-Band Tele aus dem Schwarzwald, seit Jahren in Berlin beheimatet. Er ist der typische Fall eines Frontmannes, der eigene Lieder und Songskizzen jahrelang im stillen Kämmerlein hortet, bis die erste Soloplatte irgendwann fällig ist. Sie trägt den Titel «Die Zukunft liegt im Schlaf» (Tapete) - ein sanftes, stimmungsvolles, sympathisches Album zwischen Pop und Folk.

«Die Songideen waren ganz unterschiedlich alt, zwischen zehn Jahren und einem halben Tag», erzählt Wilking (36) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Mir war wichtig, dass wir die Lieder ganz schnell aufnehmen. So hatten wir zwei Sessions innerhalb eines Monats, jeweils drei Songs an drei Tagen - fertig!» Bei aller Spontaneität klingt das Album ausgesprochen homogen und sauber produziert. Man merkt, dass Wilking sein Leben lang gute Musik gehört und als Tele-Sänger reichlich Profi-Erfahrung gesammelt hat.

Judith Holofernes, die Sängerin von Wir sind Helden, zieht in einem sehr persönlichen Kommentar den Hut vor ihrem Jugendfreund Francesco: «Genau das lodernde Fan-Herz, das ich damals vor zwölf Jahren in Freiburg kennen- und schätzen gelernt habe, das höre ich jetzt auf dieser Platte.» Wilking nennt Bob Dylan und Leonard Cohen, aber auch deutschsprachige Rockmusiker wie Tom Liwa, Tilman Rossmy oder Tocotronic als Vorbilder.

In eine Schublade will er sich aber nicht stecken lassen und hat deswegen eine ungewöhnliche Coverversion auf sein Debütalbum gepackt, den Bossa-Titel «Der Minister» nach einer Melodie des Brasilpop-Stars Caetano Veloso. «Das ist der Versuch, jemanden zu mögen, den man eigentlich nicht mögen kann, ein Lied über den Mensch als Maschine.» Voller Humor, Lakonie und Freundlichkeit, so sind die Songs von Francesco Wilking.

Wie der Tele-Sänger hat auch LISA BASSENGE schon eine beachtliche künstlerische Vita, allerdings im Jazz und nicht im Pop. Mit «Nur fort» (Minor Music Records) erscheint nun das erste Album der Frontfrau von Micatone und Nylon mit fast ausschließlich deutschen Liedern, darunter fünf eigenen Kompositionen.

Bassenge interpretiert auf ihre ganz eigene Art Songs von Udo Lindenberg, Element Of Crime oder Joachim Witt, aber auch ein von Robert Schumann vertontes Eichendorff-Gedicht aus dem Jahr 1840 («Auf einer Burg»). Dass die 36-jährige Berliner Sängerin in der Szene gut vernetzt ist, beweist die Teilnahme der Calexico-Mitglieder Paul Niehaus (Gitarre) und Martin Wenk (Trompete) an den Aufnahmen.

Ein reines Cover-Album legt die stimmgewaltige Sängerin NADINE GERMANN vor. Aber was für eins: Sie zelebriert unter dem Titel «Samstagnachmittag» (Goldbek Records/Indigo) elf Lieder der linken Berliner Polit-Rockband Ton Steine Scherben und ihres Sängers Rio Reiser. Als Nichte von Scherben-Gitarrist R.P.S. Lanrue ist Nadine Germann (30) mit diesen Songs quasi groß geworden. In kleiner Besetzung und sparsamen Arrangements, mit Lanrue persönlich an der Gitarre, werden Reisers Protest- und Liebeslieder mit Soul-Touch in die Gegenwart transportiert - eine kleine Pop-Offenbarung.

Das aufwendigste der vier neuen Deutschpop-Alben im Januar liefert die Hamburgerin ANNA DEPENBUSCH ab. Es trägt den augenzwinkernden Titel «Die Mathematik der Anna Depenbusch» (105 Music) und scheut weder vor Disco-, Walzer- oder Country-Rhythmen noch vor Orchester-Balladen und federleichtem Pop zurück. Manches erinnert an Wir sind Helden, anderes an die Beziehungs-Chansons einer Ina Müller. Nicht alles gelingt, aber letztlich begeistert auch diese Sängerin (33) mit Talent, Charme und Mut zur Eigenständigkeit.

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