Keine Experimente: Mumford & Sons knüpfen mit ihrem zweiten Album an den dramatischen Folk ihres Erfolgsdebüts von 2009 an.

Folk
Mit acht Millionen verkauften Exemplaren des Debüts lässt es sich entspannt lächeln. Marcus Mumford (rechts) und seine „Sons“ (v.l.n.r.) Winston Marshall, Ted Dwayne und Ben Lovett.

Mit acht Millionen verkauften Exemplaren des Debüts lässt es sich entspannt lächeln. Marcus Mumford (rechts) und seine „Sons“ (v.l.n.r.) Winston Marshall, Ted Dwayne und Ben Lovett.

Tolle Melodien in bewährtem Stil: Das neue Album "Babel".

Cooperative, Bild 1 von 2

Mit acht Millionen verkauften Exemplaren des Debüts lässt es sich entspannt lächeln. Marcus Mumford (rechts) und seine „Sons“ (v.l.n.r.) Winston Marshall, Ted Dwayne und Ben Lovett.

Düsseldorf. Musik zu erklären, ist eigentlich unmöglich. Wer es trotzdem versucht, kommt um Vergleiche nicht herum. Vor allem neue Bands müssen sich messen lassen, so auch Mumford & Sons vor drei Jahren. Nach Erscheinen ihres Debütalbums „Sigh No More“ hatten Kritiker schnell Parallelen parat: Als Erben von Crosby, Stills, Nash & Young oder Bob Dylan wurde das Quartett aus London gehandelt. Höher lässt sich kaum greifen.

Auch wenn „Sigh No More“ mit tollen Songs wie „White Blank Page“ oder „The Cave“ gerechterweise gute Kritiken erhielt, bewahrt Multi-Instrumentalist, Sänger und Namenspate Marcus Mumford einen kühlen Kopf. „Ich glaube nicht, dass die Vergleiche mit Musikergrößen des Folks angemessen sind“, sagt der frisch gebackene Ehemann von Schauspielstar Carey Mulligan ehrlich und bescheiden. „Wir sind einfach eine offene junge Band. Und da wir heute zu vielen verschiedenen Genres leichten Zugang haben, sind wir im Grunde Abkömmlinge früherer Musikstile – und schaffen trotzdem etwas Eigenes.“

Bob Dylan, den die Band naturgemäß bewundert, ist für sie längst nicht mehr der unerreichbare Folk-Gott. Auf der Grammy-Verleihung 2011 spielten Mumford & Sons vor den Avett Brothers in einer spektakulär ineinander übergehenden Show als jüngstes Glied einer musikalischen Evolution – bevor schließlich beide Bands den Auftritt von Dylan persönlich an Gitarren und Mikros begleiteten.

Von Beginn an leben Mumford & Sons das Leben einer Liveband

Viel Zeit für Gespräche blieb nicht, dennoch hat der Urvater des Folk seinen musikalischen Nachfolgern etwas mit auf den Weg gegeben: „Er sagte, wir sollten weiter mit den Füßen im Takt schlagen und mit den Stiefeln stampfen – was wir taten. Er sagte, wir sollten lauter singen – auch das taten wir. Und schließlich sagte er, wir sollten weitermachen – das tun wir gerade“, erinnert sich Mumford und fügt augenzwinkernd hinzu: „Es ist Dylan – da musst Du drauf hören!“

In der Tat: Dylans Tipps passen zu Mumford & Sons. Seit Beginn ihrer Laufbahn leben sie das Leben einer Liveband. Schon bei der Gründung Ende 2007 ist sich das Quartett bewusst, dass nur das unentwegte Spielen von Konzerten die künstlerische Entwicklung fördert. Als Teil der neu entstehenden West-Londoner Folk-Szene um Laura Marling und Noah & The Whale machen sich Mumford & Sons schnell einen Namen. Mumford hatte vorher schon als Drummer für Marling fungiert, mit der er zu diesem Zeitpunkt auch zusammen war.

Der leidenschaftliche Folkrock von Mumford & Sons war für Fans des Genres bereits nach nur einem Album ein fester Sound im Ohr. Schön ist, dass die Band keine krampfhaften Riesensprünge mit dem Nachfolger „Babel“ versucht. Vielmehr strotzt das Werk nur so vor tollen Melodien in bewährtem Stil. Sei es Marcus Mumfords feuriger Gesang oder jede einzeln hörbare Banjosaite – Songs wie „Whispers In The Dark“, „I Will Wait“ oder „Lover Of The Light“ nehmen den Hörer mit auf den Zug der Lebenslust und stecken an mit Energie. Meisterwerk, Punkt.

Ruhigere Songs wie „Reminder“ bremsen gerade soweit ab, dass der Rauch sich legt und epische Kracher wie „Broken Crown“, „Below My Feet“ oder „Not With Haste“ noch mal voll aufdrehen können.

2009 erscheint das Debüt von Mumford & Sons: „Sigh No More“ erreicht Platz zwei in Großbritannien und die Top zehn in den USA. Seitdem ist die Band praktisch nur unterwegs. Ein wahr gewordener Traum: „Erfolg bedeutet für uns, ein Album gemacht zu haben und damit touren zu können“, sagt Winston Marshall, der Mann am Banjo. „Wir lieben das Touren, und solange die Sonne für uns scheint, nehmen wir noch mehr Musik auf, um noch mehr zu touren.“ Mumford ergänzt: „ . . . und um als Künstler den derzeitigen Standpunkt der Band zu vermitteln.“

„Babel“ ist kein Experiment, sondern eine brillante Fortsetzung

Nun liegen endlich noch mehr Songs vor. Das Werk mit zwölf Tracks ist zwischen Bühne und Studio entstanden – im Tourbus geschrieben, bei Soundchecks geprobt. Wie angekündigt, ist „Babel“ kein Experiment, sondern eine Fortsetzung des hitzig-dynamischen bis herzenswarmen Folkrockstils, bei dem so gut wie nur akustische Instrumente zum Einsatz kommen. Nach dem bis dato acht Millionen Mal verkauften Vorgänger muss man den Sound auch nicht mehr vergleichen. Es genügt zu sagen, dass „Babel“ eine mächtige Packung Mumford & Sons geworden ist. Und spätestens ab jetzt wird das als Erklärung reichen.

mumfordandsons.com

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