Grigory Sokolov begeisterte beim Klavierfestival Ruhr.

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Grigory Sokolov bei der Klavier-Arbeit.

Grigory Sokolov bei der Klavier-Arbeit.

Konzertdirektion Schmid

Grigory Sokolov bei der Klavier-Arbeit.

Essen. Die Organisatoren des Klavierfestivals Ruhr haben auch diesmal ein goldenes Händchen bei der Wahl ihrer Künstler. Schon wieder ein fast ausverkaufter Saal - er war jetzt auch auf der Bühne bestuhlt und so kamen über 2000 Besucher zusammen - , als am Sonntag mit Grigory Sokolov (59) erneut einer der derzeit weltbesten Pianisten auftritt. Er folgt alter Konzerttradition und erscheint im Frack.

Zwei frühe Sonaten von Ludwig van Beethoven bringt er mit. Opus Nr. 2 ist Joseph Haydn gewidmet und besteht aus den Sonaten f-Moll, A- und C-Dur. Sokolov lässt mit der A-Dur-Sonate ein Kunstwerk brillanter Schnelligkeit und ein ebenso unendlich ausgekostetes Largo appassionato erklingen, abgerundet von Scherzo und graziösem Rondo.Tief gebeugt sitzt er da im schlohweißen Haarkranz auf dem Klavierschemel, mitunter hat man den Eindruck, er wolle sich ganz mit dem Instrument verbinden.

Warum Schubert für sein Werk Beethoven brauchte

Mit der musikalischen Intensität der Introspektion geht er noch weiter, noch tiefer an das Wesen der Musik als es Alfred Brendel gelang, und er war lange Zeit der Garant für Tiefe. Dabei ist Sokolovs Auftritt schon wieder aufsehenerregend bescheiden.

Auch die Sonate Nr. 13 Es-Dur op. 27/1 ("Quasi una Fantasia") fällt in Beethovens frühe Schaffenszeit, und sie entfernt sich mit drei Sätzen von der klassischen viersätzigen Sonatenhauptsatzform - allerdings weist dann der letzte Satz wiederum vier unterschiedliche Tempi und Charaktere auf.

In den Phrasierungen, artifiziellen Trillern, leidenschaftlichen Empfindungen und melodischen Figuren hört man schon Schuberts kommenden Stil. Auch hier erweist sich Sokolov wieder als Meister geistiger Formkraft und Tiefe luzider Empfindungen. Von Virtuosität muss man in dieser Liga ohnehin nicht mehr sprechen, hier geht es um andere Qualitäten.

Wie man sie dann für Schubert braucht, wenn man zeigen will (und kann), dass der Weg vom klassischen Stil Beethovens, wenn er derart emotional aufgeladen ist, zum Romantiker führen musste. Auch hier wieder eine Differenzierung der Dynamik in Vollendung. Launig und verspielt, dabei mit kraftvollen Punktierten das Scherzo.

Der Höhepunkt aber ist das Rondo, das Wiener Atmosphäre heiter und schmerzlich schön spiegelt, ausgelassen und melancholisch zugleich - und das bei derselben architektonischen Formkraft wie Beethoven.

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