Sein neues Album, das am kommenden Freitag auf den Markt kommt, ist eine Hommage an die Musik der 30er Jahre. Und was für eine. Vor allem mit seinen Eigenkompositionen überzeugt der Brite.

Robbie Williams im Tanzschritt. Sein neues Album macht vor allem eines: gute Laune.
Robbie Williams im Tanzschritt. Sein neues Album macht vor allem eines: gute Laune.

Robbie Williams im Tanzschritt. Sein neues Album macht vor allem eines: gute Laune.

Universal Music, Bild 1 von 2

Robbie Williams im Tanzschritt. Sein neues Album macht vor allem eines: gute Laune.

Düsseldorf. Er greift wieder an. Schon mit seinem letzten Album „Take The Crown“ wollte Robbie Williams nach der Pop-Krone greifen. Mit soliden Liedern wie der Hitsingle „Candy“ konnte er sicher den Posten als Thronfolger verteidigen. Mit seiner neuen CD, die am kommenden Freitag erscheint, könnte der Brite den Thron nun tatsächlich erklimmen, denn Mister Williams swingt wieder. Sein Hofstaat: Niemand Geringeres als Lily Allen, Michael Bublé und Kelly Clarkson.

„Swings Both Ways“ ist eine Hommage an die Musik der 30er Jahre. „Dieses neue Album soll eine Verneigung, ein liebevoller Blick auf eine Ära sein, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, weil ich einfach noch nicht auf der Welt war. Wäre ich aber gerne gewesen, und ich fühle mich sehr stark mit dieser Zeit verbunden“, sagt Williams, der Wiederholungstäter ist. Schon 2001 hat er ein Swing-Album mit Klassikern wie „Mr. Bojangles“ und „Mack The Knife“ (Mackie Messer) veröffentlicht. „Swing When You’re Winning“ ist die bislang meistverkaufte CD seiner Karriere.

„Anfangs lautete mein Plan noch, ganz ähnlich wie beim letzten Mal vorzugehen, aber dann wurde mir klar, dass ich doch lieber etwas anderes machen wollte.“
Robbie Williams über die Entstehungsgeschichte des neuen Albums

Auch das neue Album wird sich gerade in der Vorweihnachtszeit gut verkaufen – zu recht. Dem 39-Jährigen gelingt ein stimmiges, harmonisches, swingendes Album, das er aber diesmal nicht nur mit Cover-Versionen von Klassikern bestückt, sondern mit vielen Eigenkompositionen. „Anfangs lautete mein Plan noch, ganz ähnlich wie beim letzten Mal vorzugehen, aber dann wurde mir klar, dass ich doch lieber etwas anderes machen wollte“, sagt er,

Das sind die selbstbewussten Worte eines erwachsenen Mannes, eines eigenständigen Künstlers. Wer hätte das von dem Jungen erwartet, der 1993 mit der Boyband Take That den Durchbruch feierte, die Gruppe aber 1995 verließ? Stets stand er musikalisch im Schatten Gary Barlows, durfte nur „der Witzige“ der fünf Briten sein. Einige Drogenexzesse später gelingt ausgerechnet Williams als einzigem der Ex-Take-That-Mitglieder eine große Solokarriere mit Hits wie „Rock DJ“ oder „Feel“.

Nach einer kurzen Wiedervereinigung mit den alten Bandkollegen 2010 widmet sich Robbie nun lieber wieder seinen eigenen Ideen. Gut so, denn der Swing steht ihm. Wer die Originale nicht kennt, kann alte Stücke wie „Minnie The Moocher“ oder „Puttin’ On The Ritz“ und neue Kompositionen schwer auseinanderhalten.

Die Liebe zur Musik verdankt er dem Vater

13 Lieder lang schickt uns Robbie Williams mit Bläsern und orchestralen Kompositionen zurück in die 30er Jahre – und das ab der ersten Sekunde. Fetzige Swing-Nummern wie „Shine My Shoes“ und „Puttin’ On The Ritz“ verbreiten gute Laune. „Swing Supreme“ hätte das Zeug zu einem James-Bond-Titelsong. Bedächtig wird es bei „Dream A Little Dream“ im Duett mit Lily Allen, deren Stimme mit der von Williams wunderbar harmoniert. „Soda Pop“ mit Michael Bublé zelebriert mit den starken Blechbläsern und dem schnellen Tempo den Swing. Das verliebt säuselnde „Little Green Apples“ mit Kelly Clarkson erinnert an Robbies Duett mit Nicole Kidman fürs erste Swing-Album.

Robbie Williams glänzt mit „Swings Both Ways“ und liefert ein Album ab, bei dem einfach jedes Lied gut ist. Die beste Eigenkomposition ist sicherlich der Titelsong: eine verspielte Swing-Hymne, die das goldene Zeitalter feiert, gepaart mit witzigen Songtexten. Bestes Cover: Besonders gute Laune – als säße man auf einem Mississippi-Dampfer – verbreitet das aus dem „Dschungelbuch“ bekannte Lied „I Wanna Be Like You“ (Ich wär’ so gern wie du). Man hört Robbie Williams und Olly Murs den Spaß bei den Aufnahmen geradezu an.

Williams hat den Jazz offenbar im Blut. Die Liebe zu dieser Musik verdankt er dem Vater, der die Familie früh verließ, aber zumindest seine Frank-Sinatra- und Rat-Pack-Platten daließ. Den Staffelstab gibt Robbie Williams nun weiter: Seiner einjährigen Tochter Teddy widmet der Brite auf der CD ein eigenes Lied.

In der ersten Single „Go Gentle“ gibt er ihr Tipps fürs Leben wie „Verschwende nicht deine Zeit mit solchen, die sich für Helden halten. Sie werden dich betrügen“. Aber keine Sorge, zu ernst wird Papa Williams glücklicherweise nicht. Vielmehr kann er beim Swing sowohl Gentleman als auch der gerissene Filou sein. Wie sein Vorbild Frank Sinatra, mit dem Williams auf „Swing When You’re Winning“ das Lied „It Was A Very Good Year“ posthum im Duett sang.

Man sieht förmlich Fred Astaire vor dem inneren Auge tanzen

Während bei den langsamen Nummern Williams’ gefühlvolle Stimme zur Geltung kommt, kann er bei den schnelleren Stücken durchaus die Sau rauslassen. Paradebeispiel ist der Titelsong „Swings Both Ways“, was im Englischen ein Ausdruck dafür ist, beide Geschlechter zu mögen.

Mit dieser großen Swingnummer, bei der man vor dem inneren Auge förmlich Fred Astaire in einem Schwarz-Weiß-Film vor sich tanzen sieht, kokettieren Robbie Williams und Duett-Partner Rufus Wainwright: „Face it Robbie, you’re a little bit gay“ (dt.: Sei ehrlich Robbie, du bist ein bisschen schwul).

„Ich kämpfe um meinen Platz neben Leuten wie Justin Timberlake, Bruno Mars oder Michael Bublé“

Musikalisch theatralischer, aber textlich genauso frech kommt „No One Likes A Fat Popstar“ daher. Britischer Humor pur. Dass über das Aussehen und über das Gewicht von Sängern viel gesprochen wird, hat Williams selbst schon (schmerzlich) erlebt. Wer die Worte „Robbie Williams dick“ googelt, erhält tatsächlich mehr als 4,5 Millionen Ergebnisse. Seine Antwort darauf kann sich hören lassen – wie alle Songs auf diesem Album.

Williams befördert den Zuhörer mit „Swings Both Ways“ in eine andere Zeit. „Hoffentlich gelingt es mir, die ganze Welt damit zu umgarnen“, so Williams’ unbescheidener Wunsch. Er will es sich halt immer wieder beweisen. In einem Interview sagte er jüngst: „Ich kämpfe um meinen Platz neben Leuten wie Justin Timberlake, Bruno Mars oder Michael Bublé. Also – ich bin immer noch in der europäischen Top-Liga.“ Mit „Swings Both Ways“ spielt er ganz sicher in einer ganz eigenen Liga.

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