Mighty Oaks
Bart-Meister ohne Eichen in Berlin: Mighty Oaks. Foto: Britta Pedersen

Bart-Meister ohne Eichen in Berlin: Mighty Oaks. Foto: Britta Pedersen

dpa

Bart-Meister ohne Eichen in Berlin: Mighty Oaks. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Berlin war bislang vor allem für harte Elektro-Beats und weniger für warme Folk-Musik bekannt. Das könnte sich bald ändern. Mighty Oaks haben ihr Debütalbum «Howl» veröffentlicht.

Das internationale, in der deutschen Hauptstadt ansässige Trio stand bereits als Vorgruppe der Kings Of Leon und der Shout Out Louds auf der Bühne und hat eine kleine, bundesweit ausverkaufte Clubtour gespielt. Mit ihren authentischen, erdigen Songs scheint die Band genau den Nerv der Zeit zu treffen.

«Folkmusik hat ihre Wurzeln in der Natürlichkeit», erklärt US-Sänger Ian Hooper (27), der fließend Deutsch spricht. In der heutigen schnelllebigen Gesellschaft wüssten es viele Leute zu schätzen, «offline zu sein». Zu dieser Sehnsucht nach Natur und Entschleunigung passt die Musik der Mighty Oaks, geprägt von akustischen Gitarren und Mandolinen, ganz hervorragend. Hinzu kommen die direkten, melancholischen, aber hoffnungsvollen Texte über Freiheit, Freundschaft, Familie und Abenteuer.

Tiefe Wälder, klare Seen, weite Täler und Lagerfeuerromantik prägen auch das Video der aktuellen Single «Brother». Für den Dreh sind die Mighty Oaks - neben Hooper gehören noch der Italiener Claudio Donzelli (33) und der Brite Craig Saunders (37) zu dem Trio - sogar in Hoopers Heimat, den US-Bundesstaat Washington, gefahren.

Doch wie kam es, dass sich drei junge Männer aus verschiedenen Ländern ausgerechnet in Deutschland zusammenfinden? Los ging es in Hamburg, wo Hooper im Rahmen eines Stipendiums als Lehrer arbeitete. Er spielte kleine Akustikkonzerte («Dort kannte mich ja keiner, da habe ich mich endlich getraut») und lernte über die Musik erst Donzelli und später Saunders kennen.

Mit ihrer natürlichen, erdigen Musik liegen die Mighty Oaks im Trend. Folk-Bands wie Mumford & Sons, die Lumineers oder auch die deutsche Gruppe Milky Chance feierten zuletzt große Erfolge. Und Singer/Songwriter wie Jake Bugg bilden mit ihren authentischen Liedern einen gelungenen Kontrast zu überproduzierten Songs und Casting-Bands.

Mag sein, dass in einer rastlosen Online-Gesellschaft die Sehnsucht nach Authentizität und Natürlichkeit wächst. Paradoxerweise war es aber gerade das Internet, das den Mighty Oaks den Weg geebnet hat: «Es gab eigentlich nie den Plan, eine richtige Band zu gründen», erinnert sich Saunders. «Wir haben bei Claudio in der Küche unsere erste EP aufgenommen und dachten, es wäre doch cool, diese auf Soundcloud hochzuladen.» Das Netz biete viele Chancen: Jeder könne Musik veröffentlichen und Fans erreichen.

Mit jeder Menge Disziplin und Ehrgeiz kämpften sich die drei nach oben. Über Umwege wurde die US-Band Kings Of Leon auf sie aufmerksam und lud sie ein, ihr großes Open-Air-Konzert in der Berliner Waldbühne zu eröffnen. Ohne einen Plattenvertrag spielten sie außerdem mit den Shout Out Louds oder gingen auf eine eigene ausverkaufte Tour in kleinen Clubs in ganz Deutschland.

«Wir haben einfach Schwein gehabt», sagt Hooper. Mit der völligen Freiheit und der Eigenregie ist es nun aber vorbei. Ausgerechnet beim Major Label Universal erscheint jetzt das zwölf Songs umfassende Debütalbum «Howl». Es folgen zahlreiche Konzerte im Frühjahr in Europa und den USA, sowie Festivalauftritte im Sommer.

In Berlin werden die drei Musiker in den kommenden Monaten also nicht allzu oft sein. Was ihre Wahlheimat betrifft, haben sie aber ehrgeizige Ziele. So sagt Hooper: «Berlin ist kaum für Folkmusik bekannt. Wir wollen die Stadt auf der Karte für diese Musik etablieren. Das wäre eine große Ehre.»

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