Marina Diamandis macht zurzeit als Marina and the Diamonds die britischen Charts unsicher – mit locker leichtem Pop und walisischem Akzent.

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Auch im Schlabberlook weiß die griechischstämmige Waliserin zu überzeugen.

Auch im Schlabberlook weiß die griechischstämmige Waliserin zu überzeugen.

Auch im Schlabberlook weiß die griechischstämmige Waliserin zu überzeugen.

Düsseldorf. Ein leichter Akzent in der Sprache macht sympathisch. Der französische steht für Romantik, der italienische für Verführung und der spanische für Temperament. Doch wofür steht der walisische Akzent? Zugegeben, er klingt fast genauso wie der englische. Aber heißt das nun, dass Marina Diamandis altmodisch, steif und distinguiert klingt?

Die 23-jährige Sängerin kann ihre Herkunft nicht leugnen. In ihren Liedern sticht der walisische Anklang immer wieder durch. Und das, obwohl in ihren Adern nicht nur britisches, sondern auch griechisches Blut fließt. Sie wurde als Tochter eines Griechen und einer Waliserin im kleinen Städtchen Abergavenny, rund 50 Kilometer von Cardiff entfernt, geboren. Mit 18 Jahren brach die Sehnsucht nach Größerem in ihr durch: Sie riss aus, schmiss die Uni und zog nach London.

In der britischen Hauptstadt besuchte sie für kurze Zeit eine Tanzschule. Nach nur wenigen Wochen hielt sie es aber auch dort nicht mehr aus. Immer wieder versuchte sie, mit Musik Geld zu verdienen: Sie sang bei verschiedenen Musicals vor, probierte unter anderem bei "König der Löwen" einen Job zu bekommen. Sie schreckte nicht einmal davor zurück, an einem Casting für eine Reggae-Boyband teilzunehmen. Sie wollte ganz nach oben, doch keiner wollte sie.

Die Waliserin gab nicht auf: Sie versuchte, sich als Marina and the Diamonds durchzuschlagen. Wer dahinter eine Band vermutet, irrt. Der Zusatz steht schlichtweg für ihren Nachnamen: Diamandis ist Griechisch für Diamant. Und genauso stellt sie sich ihre Fans vor - das teilte sie zumindest kürzlich auf ihrer Website mit: "Ich bin Marina, und ihr seid die Diamonds."

Das Ganze erinnert ein bisschen an "Florence and the Machine". Auch die britische Singer-Songwriterin Florence Welch ("You’ve Got The Love") steht allein auf der Bühne - trotz Beinamen. Vielleicht ein neuer Trend bei jungen Britinnen.

Diese Griechin hat momentan keine finanziellen Probleme. Marina Diamandis befindet sich gerade auf dem Weg nach ganz oben am Pop-Firmament. Am 14. Mai erscheint ihr Album "The Family Jewels" in Deutschland. Und gemessen an den häufigen Radioeinsätzen, die die Single "Hollywood" bereits jetzt erhält, verspricht es, auch hier ein Erfolg zu werden. 13Songs hat die 23-Jährige geschrieben. Verglichen wird die Waliserin mit Gwen Stefani, Kate Bush oder Siouxsie Sioux (Siouxsie & the Banshees). Und tatsächlich: Ein bisschen Extravaganz à la Gwen Stefani findet sich in "Girls" wieder. Während "Rootless" an die leichte Entrücktheit von Kate Bush erinnert. Andererseits plätschern manche Lieder auf dem Debüt auch nur müde vor sich hin. Dafür wird der Hörer aber entschädigt: Eindringliche Stücke wie das Eingangsstück "Are You Satisfied", "Oh No!" oder "Mowgli’s Road" überzeugen! Sie sind die Juwelen, die man von einer Frau, die sie im Namen trägt, auch erwarten kann.

Marina Diamandis brachte sich selbst das Klavierspielen bei, die ersten Songs entstanden am heimischen Laptop. Darunter auch die aktuelle Single "Hollywood". Zu diesem Zeitpunkt träumte sie vom großen Durchbruch und ließ sich stark vom vermeintlichen Glanz, den das Schauspieler-Viertel Beverly Hills ausstrahlt, beeinflussen. Dazu trug wohl auch ihr damaliger Freund bei. Er war Amerikaner, der daran glaubte, dass sich das Leben so abspielen muss, wie man es aus dem Fernsehen kennt.

Die erste Single "Hollywood" kletterte hoch in den Charts

Der Freund ist mittlerweile Geschichte, geblieben ist eine Tanznummer, die im Ohr bleibt. Bis zum Debüt-Album "The Family Jewels" und dem damit erhofften Ruhm war es aber noch ein weiter Weg.

Diamandis kratzte ihr Geld zusammen, nahm ein paar Lieder im Tonstudio auf, verteilte und verkaufte sie so gut sie konnte. Der lang ersehnte Plattenvertrag kam aber erst 2008 - und dann ging es plötzlich ganz schnell in ihrer Heimat Großbritannien. Sie sang im Vorprogramm des belgischen Musikers Gotye und wurde für Auftritte bei den großen Festivals gebucht. Gleichzeitig kletterte "Hollywood" die Treppe der Charts weit nach oben.

Der Glanz ist nun da, der Ruhm wird bald folgen. Marina and the Diamonds ist der Hoffnungsschimmer am Pop-Horizont des Vereinigten Königreichs. Als bloßer Streif möchte sie allerdings nicht verglühen: Deswegen hat sie ihre Fühler bereits über die Grenzen der Insel hinaus ausgestreckt - von Griechenland bis, richtig, Hollywood.

Erste Resonanzen aus den USA kann sie bereits für sich verbuchen: Rap-Superstar Kanye West wurde auf Marina aufmerksam und erwähnte sie mehrfach auf seiner Website. Und der Schulchor PS22 einer Grundschule in Staten Island sang kürzlich eine Version ihrer zweiten Single "I Am Not A Robot" ein. Was skurril klingt, ist tatsächlich ziemlich PR-trächtig. Denn der Chor gilt als einer der besten in den USA. Er begleitete bereits Stars wie Tori Amos, Rihanna und Stevie Nicks von Fleetwood Mac.

Zu guter Letzt verbreitete auch noch Perez Hilton Videos von Marina im Netz. Der gefürchtete Klatschkolumnist ist der wohl einflussreichste Blogger in Sachen Boulevard-Berichterstattung. Wer auf seiner Seite erscheint, gilt in Promi-Kreisen als wichtig.

Bald ist Marina auch in Deutschland angekommen: Ihr Album steht ab nächster Woche bei uns in den Plattenregalen. Sie hat es also geschafft und kann strahlen wie ein frisch polierter Diamant. Es muss am Walisischen liegen - damit setzt sie Akzente.

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