„Rolling In The Deep“ ist der erste Ohrwurm des Jahres. Seine Interpretin: Adele. Die Britin empfiehlt sich damit als Star der Zukunft.

Pop
Scheu und zugeknöpft: Adele repräsentiert mit Introvertiertheit und Stilbewusstsein den Gegenentwurf zum lauten Spaß-Pop à la Lady Gaga.

Scheu und zugeknöpft: Adele repräsentiert mit Introvertiertheit und Stilbewusstsein den Gegenentwurf zum lauten Spaß-Pop à la Lady Gaga.

PIAS Germany

Scheu und zugeknöpft: Adele repräsentiert mit Introvertiertheit und Stilbewusstsein den Gegenentwurf zum lauten Spaß-Pop à la Lady Gaga.

London. Manche Stimmen merkt man sich. Die von Adele ist eine davon. Der Gesang der optisch unscheinbaren Engländerin ist wandlungsfähig wie die Laune einer Raubkatze. Mal schnurrt sie sanft, dann faucht sie scharf.

Doch Singen ist nicht ihr einziges Talent. Adele Laurie Blue Adkins, so ihr ganzer Name, schreibt all ihre Lieder selbst – natürlich auch die ihres neuen Albums „21“. Der Nachfolger vom Überraschungsdebüt „19“ (2008) ist erneut nach ihrem Alter benannt, in dem sie die Platte aufnahm. Heute, mit 22, bringt Adele die Erfahrung einer Musikerin mit, die zur Frau gereift ist. Größen der Branche freuen sich über eine Zusammenarbeit mit ihr.

In den Clubs mit Indie-Attitüde, zu Hause Celine Dion im Player

Das war nicht immer so, denn die vollschlanke Blondine, die zu ihren Pfunden steht, musste sich all das erst erarbeiten. Im Alter von vier begann sie bereits mit dem Singen: Auf Partys und Schulveranstaltungen interpretierte sie die Spice Girls und Destiny’s Child.

Eine Zeit lang verließ sie den Kurs Richtung souligem Pop, trug Schluderklamotten und Nietenhalsbänder. „Ich liebte zwar Liebeslieder, war aber auch ein richtiges Indie-Kid“, erzählt sie dem britischen Tagesblatt „Guardian“ und fügt wie ein Eingeständnis hinzu: „Zu Hause hab ich trotzdem immer wieder Balladen von Celine Dion aufgelegt.“

Vorbilder wie Ella Fitzgerald und Etta James inspirierten sie schließlich zu ersten Kompositionen, von denen „Hometown Glory“ später auf „19“ landen sollte. Adeles frühes Talent wurde bald auch offiziell anerkannt: Mit 16 bekam sie einen Platz auf der BRIT School in Croydon. Die staatlich finanzierte Künstlerschule hatte bereits solch begabte Sängerinnen wie Amy Winehouse oder Kate Nash hervorgebracht, und Adele landete in einer Klasse mit der heute nicht weniger bekannten Leona Lewis.

Den Einstieg ins Musikgeschäft schaffte Adele als Talent-Scout

Dort lernten sie, wie sie in einem Aufnahmestudio arbeiten, Budgets organisieren und Verträge interpretieren. Auch wenn sich Adele ursprünglich auf A&R („Artists and Repertoire“) konzentrieren und für Plattenfirmen Talente aufspüren wollte, sang sie weiter ihre eigenen Lieder. Nachdem sie drei Stücke auf Myspace hochgeladen hatte, rief das britische Indie-Label XL Recordings bei ihr an und veröffentlichte mit „Hometown Glory“, gefolgt von „Chasing Pavements“ die ersten Singles – beide sehr erfolgreich. Letztere stieg gar bis auf Platz zwei der britischen Charts.

Anfang 2008 kam dann das Album und schoss bis an die Spitze. Nach einem Auftritt in einer Episode der Comedy-Show „Saturday Night Live“ gelang Adele sogar das, was nur relativ wenige britische Musiker schaffen: der Durchbruch in den USA. „19“ ging bis auf Platz elf der Billboard-Charts, und 2009 erhielt sie direkt zwei Grammys.

Dem britischen R&B des ersten Albums folgt mit „21“ nun ein etwas anderer Stil, der sich mehr an Country orientiert. Dass das bestens ankommt, zeigte bereits die erste Single-Auskopplung „Rolling In The Deep“, ein Ohrwurm, der kurz nach Veröffentlichung die deutschen iTunes-Charts anführte. Wie in vielen ihrer Songs behandelt Adele darin echte Erlebnisse – in diesem Fall den Bruch mit einem untreuen Ex.

Produziert haben das Album Rick Rubin und Paul Epworth

Für eine professionelle Sound-Atmosphäre sorgten Edel-Produzenten: Ein Teil entstand in Malibu mit Rick Rubin (Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash), der andere in London mit Paul Epworth (Plan B, Bloc Party). Herausgekommen ist ein Album, das neben herzzerreißenden Balladen und poppigen Hymnen auch Tanznummern enthält – handwerklich gut gemacht und charttauglich produziert. Zwar kann sich Adele noch nicht mit den ganz Großen des Genres messen, doch mit dieser Stimme sowie ihrem unbestreitbaren Songwriter-Talent ist viel Luft nach oben.

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