Der kanadische Songpoet geht mit 75 Jahren auf eine ausgedehnte Europatournee.

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Ein munterer Leonard Cohen auf der Berliner Waldbühne.

Ein munterer Leonard Cohen auf der Berliner Waldbühne.

dpa

Ein munterer Leonard Cohen auf der Berliner Waldbühne.

Berlin. Leonard Cohens schlohweißes Haar ist ein wenig schütter geworden, die Furchen um seinen Mund noch tiefer. Doch im eleganten schwarzen Anzug samt Hut beweist der kanadische Songpoet beim Tourauftakt in Berlin, dass ein Sänger auch mit 75 Jahren in Würde auf einer großen Bühne stehen kann.

Es dauert drei Titel, dann kann jeder ahnen, warum Cohen hier steht. Das ist niemand mehr, der aus dem Zen-Kloster in die Welt zurückgekehrt ist, weil die Managerin mit den Altersrücklagen durchgebrannt war. Aus diesem Cohen spricht die pure Freude an seiner Musik und - zu Recht - an seiner großartigen Band.

Nicht zu übersehen ist aber auch: Cohens bewegungen wirken langsamer, die Zwiesprache mit dem Publikum scheint weniger spontan. Zeilen wie "I don’t know when I’ll be back" aus dem ironischen "Tower of Song" bekommen eine neue Bedeutung. Noch eine Tournee wird es vielleicht nicht geben.

Cohen scheint erst jetzt in seine alten Lieder richtig reinzuwachsen

Doch bis dahin bleibt Cohen ein Bühnen-Phänomen. Nicht nur, dass seine Stimme im Alter besser klingt als beim Start seiner Karriere vor gut 40 Jahren. Sie ist so tief und warm, dass sie den Blues hat. Auch in seine alten Lieder scheint Cohen erst jetzt richtig hineinzuwachsen. Sein berühmter "Bird on the wire" bekommt in Berlin ein E- Gitarren-Solo verpasst, das salte Aufnahmen verblassen lässt. Auch "The Partisan" klingt wie frisch poliert.

Das Konzert wirkt heiterer als frühere Auftritte. Zwar hat sich Cohen das demütige Niederknien und dankbare Hutziehen auf der Bühne noch immer nicht abgewöhnt, doch die schwere Melancholie ist gewichen. Ein scharfer Kontrast zu den Zeiten, als die Cohen-Songs so deprimierend wirkten, dass Zynikern sie als passende Begleitung zum Suizid bezeichneten.

Die Scheinwerfer in der Berliner Waldbühne leuchten an Ende auf einen hageren, gebeugten Mann, dessen runzelige Hände sanft das Mikrofon umschließen. "Danke fürs Bleiben", sagt Leonard Cohen nach der Pause. Es ist pures Understatement. Ein Cohen-Fan geht erst, wenn der Meister lächelnd die dritte Zugabe gegeben hat. Und der Meister weiß das.

Einige Konzerte in der Nähe: 20.- 22. Aug. Gent (Belgien), 3. Sept. Wiesbaden, 27. Sept. Hannover, 29. Sept. Dortmund. Am 14. September erscheint die CD "Songs from the Road".

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