Sechs Jahre nach dem Tod des Sängers erscheint „Ain’t no grave – American Recordings VI“.

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Johnny Cash – „Man in Black“

Johnny Cash – „Man in Black“

dpa

Johnny Cash – „Man in Black“

Düsseldorf. Als würde der Bestatter einen Spaten in die Erde rammen, um ein Grab auszuheben, scharrt und zischt es im Hintergrund. Davor singt, nein, raunt mit angegriffener, aber unvermindert ausdrucksstarker Stimme jemand, der zu diesem Zeitpunkt längst im Grab liegt: Johnny Cash. "Ain’t no grave" heißt das neue Album - sechs Jahre nach Cashs Tod. Er wäre am Freitag 78 Jahre alt geworden.

Es ist ein ergreifendes Werk, das die stilprägende Reihe "American Recordings" abschließt. Karge Instrumentierung und beseelter Gesang sind das Markenzeichen von jetzt sechs Alben, die alle unter dem Produzenten Rick Rubin entstanden sind. Er ebnete dem "Man in Black" mit der ungeschminkten Interpretation von großen Songs - wie von Sting, Depeche Mode, Neil Young oder U2 - ein nicht für möglich gehaltenes Comeback.

In der Stille der Arrangements - im Mittelpunkt immer die Stimme Cashs, die im Laufe der Produktionen zwar schwächer, aber niemals unberührend wurde - lag die Wucht. Die Songs trafen unmittelbar. Bei den "American Recordings VI" ist das nicht anders. Im Gegenteil: Mit dem Wissen, dass Cash diese zehn Songs im Angesicht des eigenen Todes eingesungen hat, gewinnen sie an Kraft. So traurig sie sind und klingen, so erhaben sind sie.

Freundschaft und Glaube sind Themen auf seinem letzten Album

2002 erscheint "The Man comes around - American Recordings IV". Doch der zu dem Zeitpunkt schon Kranke will weitere Songs aufnehmen. Denn: Das gerade veröffentlichte Album soll nicht sein letztes sein. Im Mai 2003 stirbt Cashs Ehefrau June Carter. Doch er macht weiter Musik. Vier Monate später, im September, hört auch Cash auf zu atmen. Erlösung, Glaube, Freundschaft und Hoffnung: Das sind die Themen auf seinem letzten Album. Darauf versammelt er neben unbekannten Songs wie Bob Nolans "Cool Water" auch Stücke prominenter Musiker wie Sheryl Crow oder Kris Kristofferson.

Mit dessen "For the good times" muntert er auf: "Ich weiß, dass es vorbei ist. Aber das Leben geht weiter." Er sagt’s frei von jeder Bitterkeit, dafür prall gefüllt mit Warmherzigkeit. "Until we meet again" heißt es im Schlusslied "Aloha Oe" - ein finales Winken, die Hoffnung im Sterben. "Da ist kein Grab, das meinen Körper halten kann" singt er im Titelstück. Mit "American VI" bewahrheitet er diese Zeile. Johnny Cash bleibt unvergessen.

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