Komponist Philip Glass (73) schrieb die Musik zum Film „Dracula“, die er am Sonntag in Dresden live aufführt.

Philip Glass: Meine Musik ist nicht von dieser Welt.
Philip Glass: Meine Musik ist nicht von dieser Welt.

Philip Glass: Meine Musik ist nicht von dieser Welt.

dpa

Philip Glass: Meine Musik ist nicht von dieser Welt.

Herr Glass, in einigen Ihrer Stücke scheint sich eine Art Zwischenwelt aufzutun. Manches klingt träumerisch, meditativ, endlos - nicht real.

Philip Glass: Wenn wir über meine Musik reden, reden wir über eine Welt, die nicht diejenige ist, in der wir leben. Lassen wir es so stehen.

Am Sonntag führen Sie Ihre Filmmusik für "Dracula" bei den "Filmnächten am Elbufer" in Dresden auf. Wie kam es zu dem Projekt?

Glass: Universal Studios wollte vor gut zehn Jahren eine DVD-Edition von "Dracula" herausbringen und kam auf mich zu. Der Originalfilm hat ja keine Musik. Vielleicht hatte das damals finanzielle Gründe. Sie dürfen aber auch nicht vergessen: Die Rolle des Komponisten war 1931, als der Film gedreht wurde, noch nicht so festgelegt. Ich fand den Film auch irgendwie lückenhaft, unvollständig. Einige Übergänge schienen mir unbeholfen, das Timing war falsch. Also setzte ich mich daran, schrieb verschiedene musikalische Themen für die verschiedenen Charaktere. Es half, die Dinge zu verknüpfen.

Eines der Worte, die sich die Amerikaner von uns geborgt haben ist "the leitmotif". Gehen Sie generell leitmotivisch heran, wenn Sie Filmmusik schreiben?

Philip Glass (73) wuchs in den USA auf. Er ist Komponist von Opern, Sinfonien und Filmmusiken, u.a. für "The Truman Show" und "Watchmen".

Glass: Ich habe es getan, auch in meinen Opern. Insgesamt ist es ein Learning-by-doing. Auch im Filmgeschäft machen sich nur wenige Leute die Grundsätze der Filmmusik klar: Sie muss die Dinge strukturieren, und sie hilft, Emotionen zu erzeugen. Beides tut die "Dracula"-Musik.

In welchem Augenblick werden Sie vom Produzenten oder Regisseur angefragt, wenn es darum geht, Musik für einen neuen Film zu schreiben?

Glass: Die meisten Regisseure, mit denen ich zu tun habe, rufen mich an, nachdem der Film fertig ist. Viele sind zu unsicher, was ihre eigene Arbeit angeht. Dann versuchen sie, alles zu kontrollieren. Das Problem ist: Manchmal haben sie noch dazu keine Ahnung, was sie eigentlich wollen. Das ist dann ein komplizierter Verhandlungsprozess. Nicht so übrigens bei Woody Allen: Der bat mich um Musik für seinen Film "Cassandra’s Dream". Ich fragte ihn, wie er sich die Musik vorstellte, und er sagte: "Tu sie einfach dahin, wo es passt." Ich fragte ihn, ob er Vorschläge hätte. "No, no", sagte er, "tu sie einfach rein." Und das machte ich.

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