Helge Schneider wird im kommenden Jahr 60 Jahre alt. Wir haben mit ihm über seine Pläne nach der Tour, die große Koalition und Straßenmusiker gesprochen.

Nach seiner aktuellen Tour will Helge Schneider zwei Jahre Pause machen.
Nach seiner aktuellen Tour will Helge Schneider zwei Jahre Pause machen.

Nach seiner aktuellen Tour will Helge Schneider zwei Jahre Pause machen.

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dpa, Bild 1 von 2

Nach seiner aktuellen Tour will Helge Schneider zwei Jahre Pause machen.

Düsseldorf. Mit dem Gaga-Song „Katzeklo“ wurde Helge Schneider vor 20 Jahren berühmt, heute gehört der Musikclown aus Mülheim an der Ruhr zu den beliebtesten Komikern der Deutschen.

Sein Jubiläumsalbum „Live At Gruga Halle – 20 Jahre Katzeklo“ zeigt einen Künstler zwischen Dada und Gaga, der sich den Welthit „Mr. Bojangles“ zurechtschneidert, Beethovens Mondscheinsonate dekonstruiert und sich rechtzeitig zum Sommeranfang den Weihnachtsklassiker „Feliz Navidad“ vornimmt.

Herr Schneider, für die diesjährige Tournee nennen Sie sich „Pretty Joe“. Zeigen Sie sich diesmal von einer ganz anderen Seite?
Helge Schneider:
Ne, das kann ich doch gar nicht. Ich bin immer noch derselbe Helge. Aber ich lasse mir gerne was einfallen.

Zu den Dorfschönheiten gehören u.a. zwei Drittel des legendären Spardosen-Terzetts, das bereits mit Wiglaf Droste, Ina Müller und Thomas Quasthoff gearbeitet hat. Was zeichnet Ihre neue Band aus?
Schneider:
Ich kenne alle diese Musiker schon ganz lange, aber mit ein paar von ihnen spiele ich erst seit Kurzem zusammen. Das macht irre Spaß. Wichtig ist, dass wir gemeinsam üben können und keiner so weit weg wohnt. Ich habe jetzt eine Band zusammengestellt, bei der ich sage: Nach der Tour kann ich endlich mal eine Pause machen. Und zwar mindestens zwei Jahre. Diese Band klingt so organisch, danach muss mal eine Zeitlang Schluss sein.

Gönnen Sie sich eine Auszeit, weil Sie glauben, diese Band nicht mehr übertreffen zu können?
Schneider:
Genau. Die Dorfschönheiten sind meine beste Band bis jetzt. Es sind alles versierte Zuhörer, nicht nur Jazz-Musiker, sondern auch Musikanten.

Jedes Jahr scheint die Weihnachtszeit früher zu beginnen. Für Helge Schneider sogar schon im Sommer, denn auf seinem neuen Live-Album findet sich eine eigenwillige Version des spanischen Weihnachtslieds „Feliz Navidad“. Einmal mehr hebelt die „singende Herrentorte“ jegliche Logik aus und dekonstruiert zudem seine eigenen Gassenhauer. Der 58-jährige Mülheimer gibt sie hier neben swingenden und rumpelnden Klassikern zum Besten. Mit seinem typischen improvisierten Humor liefert er eine Erklärung, weshalb die Erde dank der Dinosaurier keine Scheibe mehr ist und analysiert, wie Beethoven seine geniale Musik komponiert hat. Fazit: anarchische Brillanz.

Am 12. September tritt Helge Schneider in der Halle an der Siegburger Straße in Düsseldorf auf.

Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?
Schneider:
Ich glaube, es war Sonny Rollins in der Tonhalle in Düsseldorf. Das ist schon länger her. Ansonsten habe ich mir Straßenmusik angehört. In München waren kürzlich ein paar gute Leute auf der Straße.

Haben Sie selbst Straßenmusik gemacht?
Schneider:
Ich hab’s zumindest versucht. Zum Beispiel in den frühen 1980ern mit Peter Thoms. Unsere Besetzung war Saxofon und Trommel. In München war das nicht erlaubt, beides ist zu laut. Also sind wir nach Köln gefahren. Sofort kam die Polizei. Die hat uns einen Platz am Dom zugewiesen, wo der Wind um die Ecke fegt. Wir haben dann in einer halben Stunde eine Mark eingenommen. Die wurde geteilt. Da war Feierabend mit der Straßenmusik.

Im Video „To Be A Man“ zeigen Sie sich fast nackt, nur mit einem knappen Lendenschurz bekleidet. Hat diese Nacktheit eine Botschaft? So wie bei den Femen-Aktivistinnen, die barbusig gegen Putin protestieren?
Schneider:
Genau das sollte es sein: Protest! Wenn ich das mache, kräht allerdings kein Hahn danach.

Würden Sie dies auch auf der Bühne tun?
Schneider:
In dem Video trage ich eine zerschnittene Unterhose und eine Tasche. In dem entsprechenden Rahmen würde ich es auch auf der Bühne tun. Aber das Kostüm ist längst nicht so packend wie mein blauer Anzug. Er ist eine Maßanfertigung nach meinen Vorstellungen. Also viel zu klein eigentlich.

„Mein Lebensmotto ist, immer dazuzulernen.“
Helge Schneider

Nächstes Jahr werden Sie 60. Wie lautet Ihr aktuelles Lebensmotto?
Schneider:
Weiter so! Mein Lebensmotto ist, immer dazuzulernen. Auch außerhalb meiner Arbeit Leute zu beobachten. Auch im größeren Stil, also politisch. Sich für die Rolle der Politik, der Medien und des Internets in unserer Gesellschaft zu interessieren. Viele Dinge stürzen auf einen ein und man kommt nicht umhin, da kritisch drüber nachzudenken.

Was beschäftigt Sie gegenwärtig?
Schneider:
Ich beschäftige mich aktuell mit der großen Koalition und der Geschichte, wegen der der ehemalige Innenminister Friedrich zurückgetreten ist. Bei dieser komischen Geschichte fragt man sich: Ist das wahr? Wo kommt das her? Wem nützt das? Was soll das? Stimmt das? Besonders die letzte Frage stelle ich mir immer öfter. Es wird mir auch bewusst, dass man eine ganz kleine Nummer ist, eine Ameise in dem riesigen Ameisenhaufen von Menschen.

Wen sehen Sie, wenn Sie morgens in den Spiegel gucken?
Schneider:
Dann sehe ich so einen wildgewordenen Aufnehmer. So einen Mopp. Ich sehe mich dann. Und dann gehe ich wieder weg.

Führen Sie heute das Leben, das Sie sich immer gewünscht haben?
Schneider:
Ich finde, Leben ist Leben. Das ist einfach so. Ich kann mich nicht beklagen. Ich würde nie sagen, dass ich etwas Bestimmtes anders gemacht hätte.

Wünschen Sie sich manchmal, weniger populär zu sein?
Schneider:
Nein.

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