Ein Werbespot macht’s möglich: Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Albums steigen Empire Of The Sun in die Charts ein.

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Schrilles Outfit, bunte Farben: Empire Of The Sun sorgen für ein Revival des New Romantic.

Schrilles Outfit, bunte Farben: Empire Of The Sun sorgen für ein Revival des New Romantic.

Schrilles Outfit, bunte Farben: Empire Of The Sun sorgen für ein Revival des New Romantic.

EMI Music, Bild 1 von 2

Schrilles Outfit, bunte Farben: Empire Of The Sun sorgen für ein Revival des New Romantic.

Düsseldorf. Es ist bemerkenswert. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine Band auf, die schon lange da gewesen ist: Empire Of The Sun. Ihre Lieder sind vielen, wenn auch nur unterbewusst, schon begegnet: in der Werbung. Das Debütalbum "Walking On A Dream" ist seit fast zwei Jahren auf dem Markt, doch erst jetzt erhält das australische Duo die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Seit Ende Oktober läuft die Single "We Are The People" in der Weihnachtskampagne eines großen britischen Mobilfunkanbieters. Darin sucht Protagonist Tom seine große Jugendliebe Anna und setzt dafür die ganze Welt in Bewegung, indem er per Handy ein Foto verschickt.

Bereits die erste Single wurde von einem Autohersteller verwendet

Viele fragen sich: Wer ist diese ominöse Band, die den Spot musikalisch begleitet? Dabei sind Empire Of The Sun keine Neuerscheinung, schon gar nicht in Werbeclips. Ein südkoreanischer Autohersteller nutzte in Deutschland schon vor einem Jahr die erste Single "Walking On A Dream" als Untermalung.

Auch sonst kann das Duo auf eine stattliche Karriere zurückblicken. Sänger Luke Steele kommt aus einer musikalischen Familie. Sein Vater war Blues-Gitarrist, seine jüngere Schwester ist Sängerin der Rockband Little Birdy. Mit seinen zwei Brüdern Jake und Jesse spielte er bei The Sleepy Jackson, seinem bisher erfolgreichsten Projekt. Die Alternative-Band veröffentlichte zwei Alben, heimste in ihrer Heimat zahlreiche Musikpreise ein.

Der große Durchbruch außerhalb Australiens kam allerdings nicht. Hierzulande haben sich The Sleepy Jackson allenfalls in der Indie-Szene einen Namen gemacht. Schon bei dieser Band liebte Steele das extravagante Auftreten. Er schminkte sich, zog auffällige Kostüme an. Eine Gewohnheit, die er auch für Empire Of The Sun nicht ablegt.

Exzentrik Auch privat hegt Luke Steele eher exzentrische Vorlieben: Als er und seine Ehefrau Jodi vor zwei Jahren eine Tochter bekamen, war der Name, den sie dem Baby gaben, mindestens so außergewöhnlich wie das Auftreten Steeles in der Öffentlichkeit: Das Mädchen heißt Sunny Tiger.

Kurzkritik Diese Band brauchte viel Geduld. Fast zwei Jahre schlummerte ihr Debüt "Walking On A Dream" in den deutschen Plattenregalen. Kaum einer schenkte der Platte Beachtung. Mancher hatte gehofft, die kitschig-bunte Zeit des deftig inszenierten Synthie-Pops sei vorbei. Doch auch das könnte sich nun, nachdem fast jede Mode der 80er Jahre wieder durchgekaut wurde, ändern. Empire Of The Sun versuchen, diese mittlerweile nostalgisch verklärte Zeit aufleben zu lassen. Verrückte Kostüme, viel Schminke, bunte Lichter. Das war alles schon einmal da. David Bowie, Roxy Music, Adam Ant, Duran Duran und Visage haben es vorgemacht, New Romantic nannte sich der zugehörige Kleidungs- und Musikstil.

Highlights des Albums "Walking On A Dream" und "We Are The People" sind durchaus hervorzuheben. Nicht nur, dass für verschiedene große Werbekampagnen die Wahl auf diese Titel gefallen ist. Sie beißen sich einfach unwiderruflich im Gehörgang fest. Leider gilt das nicht für das gesamte Album des australischen Duos. Die Songs wirken in der Gesamtbetrachtung eher eintönig, es fehlt schlicht die Abwechslung. Auch Steeles helle, zum Teil quietschig-schrille Stimme kann auf die Dauer recht nervig werden.

Sein Auftreten erinnert an den frühen David Bowie: schrill, bunt und kitschig. Viel Schminke, verrückte Frisuren, großer Haar- und Kopfschmuck. Obwohl mancher verwundert über den Namen Luke Steele stolpern mag - die Aufzählung seiner Kollaborationen liest sich wie die Gästeliste der Grammy-Verleihung. Unter dem Pseudonym Hathaway-Palmer arbeitete er mit Silverchair-Sänger Daniel Johns zusammen. Beim Jay-Z Album "The Blueprint 3" war er dabei. Zu Yoko Onos Remix-Album "Yes, I’m A Witch" steuerte er den Song "I’m Moving On" bei.

Auch sein Partner bei Empire Of The Sun, Nick Littlemore, hat sich schon als Produzent einen Namen gemacht. Schützlinge unter anderem: Elton John, Robbie Williams und die Groove Armada. Vor elf Jahren gründete er mit Peter Mayes, dem Aufnahmeleiter von Empire Of The Sun, das Elektro-Duo Pnau. Außerdem ist er derzeit Komponist und Regisseur beim Cirque du Soleil in New York.

Obwohl sich Luke Steele und Nick Littlemore erst vor knapp zwei Jahren zu Empire Of The Sun zusammenschlossen, beginnt die Geschichte des Duos schon im Jahr 2000. Die beiden lernten sich in einer Bar in Sydney kennen. Littlemore erinnert sich: "Luke war eine beeindruckende Erscheinung. Er hatte einen Koffer dabei, und ich fragte mich, was da wohl drin sei." Was im Koffer war, blieb allerdings geheim, ganz wie in Tarantinos "Pulp Fiction".

Das Auftreten erinnert an Science-Fiction-Filme der 70er Jahre

Fortan trafen sich die beiden in Littlemores Elternhaus und arbeiteten an Songs. Zunächst verfolgten sie noch ihre eigenen Projekte, schrieben lediglich Passagen für Gastauftritte. 2007 gründeten sie dann Empire Of The Sun. Der Name leitet sich von der Spielberg-Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Graham Ballard (1984) ab.

Überhaupt nahmen Filme großen Einfluss auf das Duo. Schon das Album-Cover erinnert an ein Plakat zu einem alten Science-Fiction-Film aus den 70er Jahren. Schrill, bunt und irgendwie auch ein bisschen altmodisch.

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