Maurice Jarre war nicht nur in Frankreich ein Mythos.

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Maurice Jarre im Februar auf der Berlinale bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären.

Maurice Jarre im Februar auf der Berlinale bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären.

dpa

Maurice Jarre im Februar auf der Berlinale bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären.

Paris. Seine Musik hat viele Filme unvergesslich gemacht. Kompositionen für "Doktor Schiwago", "Lawrence von Arabien" oder "Reise nach Indien" sind zu zeitlosen Klassikern geworden und haben Maurice Jarre zu einem der bedeutendsten und populärsten Komponisten der Filmgeschichte gemacht. In seiner mehr als 50- jährigen Karriere hat der Franzose rund 150 Filmmusiken geschaffen, die sein Markenzeichen tragen: üppige symphonische Instrumentierungen und pointierte Verwendung von Percussions und elektronischer Musik.

Zwar verbrachte der 1924 in Lyon geborene Pionier der modernen Filmmusik und Vater des Musikers Jean Michel Jarre (60) den Großteil seines Lebens in den USA, doch wurde er in Frankreich stets wie ein Mythos gefeiert.

"Ich hatte das Glück mit den größten der Filmwelt arbeiten zu können. David Lean hat mir die Lust auf Perfektion gegeben", sagte einst der Komponist. Jarre, der im Alter von 84 Jahren in der Nacht zum Sonntag in Los Angeles starb, gehörte zu den berühmtesten Franzosen Hollywoods.

Dazu hat der britische Star-Regisseur Lean maßgeblich zu beigetragen. Denn durch den von ihm Anfang der 60er Jahre inszenierten Film "Lawrence von Arabien", gelangte Jarre zu Weltruhm. Die Freundschaft mit ihm nannte der Komponist einmal "die wundervollste Erfahrung meines Berufslebens".

"Wie ein Bürokrat früh aufstehen, die Inspiration kommt danach"

Im Laufe seiner Karriere arbeitete Jarre für legendäre Regisseure wie John Frankenheimer, Alfred Hitchcock und Luchino Visconti. Aber auch Peter Weir und Volker Schlöndorff faszinierten ihn, für die er jeweils die Filmmusik zu "Der Club der toten Dichter" und die "Die Blechtrommel" nach dem Roman von Günter Grass komponierte.

Seine Liebe zur Musik habe er Franz Liszt zu verdanken, vor allem der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2. Und so begann Jarre seinen künstlerischen Weg mit einer Ausbildung als Schlagzeuger und Dirigent, bevor er als 26-Jähriger zum musikalischen Leiter des Théâtre National Populaire ernannt wurde, für dessen Orchester er die Schauspielmusik zu mehr als 70 Stücken komponierte. Sein Debüt als Filmkomponist feierte er Anfang der 50er Jahre mit "Der Invalidendom" von Georges Franju.

Seine Definition einer guten Filmmusik war schlicht: "Im Grunde ist alles eine Frage des Gleichgewichts, des Bindemittels so wie beim Kochen." An Improvisation glaubte er nicht, sondern eher an hartes Arbeiten. "Man steht morgens nicht einfach mit einer ganzen Partitur im Kopf auf. Strawinsky sagte: ,Ein Musiker ist wie ein Bürokrat. Er muss zum Arbeiten morgens früh aufstehen. Die Inspiration kommt danach’", lautete seine Devise.

Jarre wurde im Laufe seiner Karriere mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft: Allein neunmal wurde er für den Oscar nominiert, dreimal hat er ihn gewonnen. Erst im Februar dieses Jahres ehrte ihn die Berlinale für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Ehrenbären.

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