Lucas Harbour als Edward Teller (l) und Armin Kolarczyk als Robert Oppenheimer in «Doctor Atomic». Foto: Uli Deck
Lucas Harbour als Edward Teller (l) und Armin Kolarczyk als Robert Oppenheimer in «Doctor Atomic». Foto: Uli Deck

Lucas Harbour als Edward Teller (l) und Armin Kolarczyk als Robert Oppenheimer in «Doctor Atomic». Foto: Uli Deck

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Lucas Harbour als Edward Teller (l) und Armin Kolarczyk als Robert Oppenheimer in «Doctor Atomic». Foto: Uli Deck

Karlsruhe (dpa) - Der dritte Streich: Nach Mieczyslaw Weinbergs Auschwitz-Oper «Die Passagierin» und Erkki-Sven Tüürs «Wallenberg» setzt das Badische Staatstheater in Karlsruhe seinen Zyklus politischer Opern fort.

Auch John Adams' «Doctor Atomic» über den Bau der ersten Atombombe ist am Samstagabend bei der Premiere zum umjubelten Publikumserfolg geworden.

Das lag natürlich vor allem an der energisch vorwärtstreibenden Musik des 1947 in den USA geborenen Komponisten. Adams ist studierter Klarinettist, hat eine grundsolide kompositorische Ausbildung genossen. Er dirigiert, kennt sich auch im Jazz bestens aus. Sein umfangreiches Werk umfasst Kammer- und Vokalmusik, Opern und Orchesterstücke. Er ist wohl der populärste Vertreter der zweiten Generation der Minimal Music nach Steve Reich und Philip Glass. Und für einen zeitgenössischen Komponisten eine Rarität: Er gewann bereits zwei Grammy-Preise.

Die zweiaktige Oper «Doctor Atomic» nach einem Libretto von Peter Sellars basiert auf Originalquellen. Die Uraufführung fand 2005 in San Francisco statt. Im Mittelpunkt steht der Physiker J. Robert Oppenheimer, der führende Kopf des «Manhattan-Projekts».

Im Juli 1945 ist es soweit: In Los Alamos, in der Wüste von New Mexico, soll die erste Atombombe getestet werden. Die Oper zeigt den atemlosen Showdown. Sie thematisiert den Druck des Militärs, den Kampf mit dem nicht beherrschbaren Wetter und die Gewissenszweifel der Bomben-Entwickler. Von Oppenheimer ist das Zitat überliefert: «Wir haben die Arbeit des Teufels getan.»

Adams verfügt über einen unglaublichen Reichtum der Klangfarben. Er beherrscht die volle Palette eines reich besetzten Orchesters. Seine Musik «swingt». Er kann eine nukleare Entladung ebenso in Musik setzen wie ein Sonett des englischen Lyrikers John Donne. Die Badische Staatskapelle unter Johannes Willig und der Staatsopernchor (Ulrich Wagner) liefern eine überzeugende Interpretation.

Für Furore sorgte auch die Inszenierung. Der junge Regisseur Yuval Sharon stammt aus der freien Musiktheaterszene in den USA. In Karlsruhe kann er jetzt zum ersten Mal die reichen technischen Möglichkeiten eines deutschen Stadttheaters nutzen. Und das tut er brillant. Mit Dirk Becker (Bühnenbild) und Sarah Rolke (Kostüme) schafft er immer wieder überraschende Bilder samt filmischer Effekte. Benedikt Dichgans, Philipp Engelhard und Andreas Grindler, drei junge Karlsruher Designer, schufen dazu faszinierende Animationen.

Die Gesangsparts kann man in Karlsruhe aus dem hauseigenen Ensemble besetzen - überzeugend. Bariton Armin Kolarczyk singt und spielt bezwingend die Zerrissenheit des Physikers Oppenheimer. Katharine Tier als Oppenheimers Frau Kitty und Dilara Baştar als dessen indianisches Kindermädchen stehen für weiblich-humane Vernunft gegen die technische Rationalität der Männer. Lucas Harbour (Edward Teller) und Steven Ebel (Robert Wilson) sind die Physiker-Kollegen. Renatus Meszar macht als General Groves Druck. Jaco Venter (Meteorologe), Klaus Schneider (Militärarzt) und Mattis van Rensen als Oppenheimers Sohn vervollständigen ein Ensemble aus einem Guss.

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