Der Dirigent und Orchesterleiter Gerd Albrecht ist tot. Foto: Kay Nietfeld
Der Dirigent und Orchesterleiter Gerd Albrecht ist tot. Foto: Kay Nietfeld

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dpa

Der Dirigent und Orchesterleiter Gerd Albrecht ist tot. Foto: Kay Nietfeld

Berlin (dpa) - Er nahm selten ein Blatt vor den Mund und engagierte sich immer wieder auch kulturpolitisch.

Mit Eigensinn und Courage hat der Dirigent Gerd Albrecht im Konzertsaal und in der Oper nicht nur entschlossen auf die Moderne gesetzt, sondern ebenso vehement längst verschollen geglaubte oder zu Unrecht unterschätzte Werke der Musikgeschichte wieder ans Licht geholt. Zur Renaissance etwa von Alexander Zemlinksy oder Franz Schreker hat Albrecht, der an diesem Sonntag mit 78 Jahren gestorben ist, entscheidend beigetragen.

Albrecht hatte erstaunlich früh Erfolg in seinem Metier. Als Sohn des Musikwissenschaftlers Hans Albrecht und der Pianistin Hildegard Kleinholz in Essen geboren, war er nach dem Studium von Musik und Kunstgeschichte und Meisterkursen bei dem renommierten Hamburger Dirigenten Wilhelm Brückner-Rüggeberg mit 22 Jahren startbereit für eine rasant verlaufende Dirigentenkarriere. So hatte er bereits als 27-Jähriger den Posten als Generalmusikdirektor (GMD) in Lübeck inne. Von 1966 bis 1972 amtierte er in gleicher Funktion in Kassel, anschließend ging er als musikalischer Oberspielleiter an die Deutsche Oper Berlin.

Bereits als GMD in Kassel gelang es ihm, seinen Einsatz für die zeitgenössische Musik mit «Gesprächskonzerten» pädagogisch wirkungsvoll zu untermauern. Albrecht war auch einer der Ersten, der als Orchesterchef reine Kinder- und Jugendkonzerte initiierte. Er hatte früh erkannt, dass die Sinfonieorchester nur überleben können, wenn sie auf junge Hörer zugehen. Mit enormem Elan setzte er diese Arbeit auch in Hamburg fort, wo er als GMD gemeinsam mit dem Komponisten Peter Ruzicka von 1988 an der Hamburgischen Staatsoper vorstand.

Auch auf künstlerischem Gebiet waren die neun Jahre der Ära Albrecht/Ruzicka eine fruchtbare und belebende Zeit. Herausragende musiktheatralische Neuproduktionen brachten dem Haus wieder weltweite Resonanz. Robert Wilsons «Parsifal»-Vision, die Ausgrabung von Schrekers «Schatzgräber» und Uraufführungen neuer Opern von Wolfgang Rihm («Die Eroberung von Mexico»), Dieter Schnebel («Chili»), Rolf Liebermann («Freispruch für Medea») und Helmut Lachenmann («Das Mädchen mit den Schwefelhölzern») zählten zu den spektakulärsten Ereignissen.

Unter einem weniger glücklichen Stern stand Albrechts Arbeit als Chef der Tschechischen Philharmonie, an deren Spitze er 1993 als erster Deutscher berufen wurde. Trotz künstlerischer Erfolge geriet er in Prag bald zwischen die Mühlsteine politischer und nationalistischer Machenschaften, die ihn 1996 zum Rücktritt veranlassten.

1998 ging Albrecht ein neues Engagement als Chefdirigent des Dänischen Radio-Sinfonieorchesters ein und wurde zudem Principal Conductor des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra, das zu den ersten Ensembles Japans zählt und sich unter seiner offensiven Führung mehr und mehr auch Japans Avantgarde öffnet.

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