Wiener Neujahrskonzert
Mit Tempo und guter Laune ins neue Jahr: Gustavo Dudamel. Foto: Herbert Neubauer

Mit Tempo und guter Laune ins neue Jahr: Gustavo Dudamel. Foto: Herbert Neubauer

dpa

Mit Tempo und guter Laune ins neue Jahr: Gustavo Dudamel. Foto: Herbert Neubauer

Wien (dpa) - Mit viel südamerikanischem Feuer läutete Maestro Gustavo Dudamel gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern 2017 musikalisch ein. Der 35-jährige gebürtige Venezolaner hauchte dem traditionellen Neujahrskonzert am Sonntag viel frischen Wind ein - ohne aber an der Identität der Veranstaltung zu kratzen.

Die Stücke der Strauß-Dynastie im glanzvoll dekorierten Musikverein standen wie jedes Jahr im Mittelpunkt. Sieben Werke wurden zum ersten Mal beim Neujahrskonzert gespielt - mit oftmals besonders viel Temperament. Auch das bunte Blumenmeer war kreativ zusammengestellt: Darin versteckten sich Südfrüchte wie Ananas und Zitronen.

Dudamel, der aus einer Musikerfamilie stammt und selbst Geige spielt, ist mit seinen 35 Jahre der bei weitem jüngste Dirigent des renommierten Konzerts. «Jetzt kann ich in Frieden sterben», schmunzelte er im Vorfeld über sein Engagement. Er wollte vor allem Spaß haben und nicht zu viel verändern. Die Suppe, die das Orchester koche, sei perfekt. Er wollte sie nach eigenen Aussagen nur etwas stärker würzen und etwas «Latino-Feuer» mitbringen. Und das gelang.

Der Dirigent sprang bei einigen Passagen von Walzer, Polka und Galopp vor Enthusiasmus hoch auf und hatte stets ein breites Lächeln im Gesicht. Die Leidenschaft für die Musik übertrug sich auch auf das Publikum, das auf das obligatorische «Prosit Neujahr!» des Orchesters wartete.

Neben den gewohnt beschwingten Musikreigen der Strauß-Dynastie wurden auch Stücke von Franz Lehár, Émile Waldteufel oder Franz von Suppé gespielt. Ein wichtiges Ziel für die Verantwortlichen war, Hoffnung und Optimismus nach einem turbulenten Jahr 2016 an die Millionen TV-Zuschauer zu transportieren. Der Walzer «Mephistos Höllenrufe» wurde beantwortet von der Polka «So ängstlich sind wir nicht», beides Stücke von Johann Strauß (Sohn).

Das Konzert wurde insgesamt in über 90 Länder weltweit übertragen und von voraussichtlich mehr als 50 Millionen TV-Zusehern verfolgt. Zusätzlich sendeten 40 Radiostationen das Spektakel ebenfalls live. Im Saal erlebten internationale Gäste auf den heiß begehrten Plätzen das Konzert. Im Publikum nahm unter anderem der ehemalige Bundespräsident Österreichs Heinz Fischer und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Platz. Sie lauschten dem Donauwalzer, der vor 150 Jahren zum ersten Mal aufgeführt wurde, und klatschten zum Radetzky-Marsch.

Eingespielt wurden Einlagen des Wiener Staatsopernballetts, die in die Hermesvilla führten. Das Schloss im Lainzer Tiergarten in Wien hat Kaiser Franz Joseph I. eigens für seine Ehefrau, Kaiserin Elisabeth «Sisi», bauen lassen.

Zum 175-Jahr-Jubiläum der Philharmoniker gab es für die Musiker auch neue Kleidung. Entworfen wurden die Outfits von der englischen Modeschöpferin Vivienne Westwood und ihrem österreichischen Ehemann Andreas Kronthaler. Die Herren können ihre mondänen Uniformen künftig mit kleineren Adaptionen - etwa Krawatte anstelle einer Fliege - untertags und abends tragen. Für die Damen haben sich die Modedesigner an den Gehröcken des 18. Jahrhunderts orientiert. Philharmoniker-Vorstand Andreas Großbauer sprach von einer «Evolution, keiner Revolution».

Dass die Musiker und der junge Dirigent Dudamel ein eingespieltes Team sind, war jedenfalls über die Bühne hinweg spürbar. Seit 2007 haben die Philharmoniker und Dudamel über 45 Konzerte zusammen bestritten. Demnächst folgt eine Südamerika-Tour.

Im kommenden Jahr setzt das Orchester wieder auf Altbewährtes. Riccardo Muti soll 2018 das Neujahrskonzert dirigieren, wie kurz nach der Aufführung mitgeteilt wurde. Der 75-jährige Italiener stand seit 1993 am Neujahrstag bereits viermal am Pult im Musikverein.

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