Ausstellung: Scorpions
Thomas Manea hat die Ausstellung kuratiert. Foto: Horst Ossinger

Thomas Manea hat die Ausstellung kuratiert. Foto: Horst Ossinger

Die Sonderausstellung «Scorpions - Rock You Like A Hurricane» im Museum am Udo-Lindenberg-Platz in Gronau. Foto: Horst Ossinger

Eine E-Gitarre der Scorpions. Foto: Horst Ossinger

Eine Bühnenjacke der Scorpions. Foto: Horst Ossinger

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Thomas Manea hat die Ausstellung kuratiert. Foto: Horst Ossinger

Gronau (dpa) - Die Scorpions? Wer bitte? Wer jünger als 30 Jahre ist, kennt gerade mal ihren Hit «Wind of Change» - und vielen Jugendlichen ist die international erfolgreiche deutsche Rockband wohl gar kein Begriff mehr.

Tatsächlich brachten die Alt-Rocker vor allem in den 80er und frühen 90er Jahren regelmäßig Menschenmengen zum Toben. Mit ihrem Liebeslied «Still Loving You» habe die Band in Frankreich sogar einen Babyboom ausgelöst, erzählt Thomas Mania. Im kleinen rock'n'pop-Museum im münsterländischen Gronau würdigt der Kurator die Scorpions mit einer Ausstellung.

Dass die Band heute schon museumsreif ist, liegt auch daran, dass sie einen Moment der Zeitgeschichte musikalisch mitprägte: Beim Fall der Mauer 1989 denken die Deutschen nicht nur an David Hasselhoffs «Looking for Freedom», sondern auch an die Ballade «Wind of Change». Nachdem sie eine russische Version des Songs veröffentlicht hatten, wurden die Scorpions in den Kreml eingeladen. Die Lederjacke, die Sänger Klaus Meine (heute 63) beim Empfang bei Michail Gorbatschow trug, ist von Mittwoch an in Gronau zu sehen - neben knallroten Schlaghosen und Hemden, die alle Farben des Regenbogens in sich vereinen.

Ganz nah dran sei die Ausstellung «Scorpions - Rock You Like A Hurricane» an der Band, sagt Mania. Kommentare der Musiker zu privaten Fotos tönen aus versteckten Lautsprechern. Ein Stück Meteorit, das Gitarrist Rudolf Schenker von einem Fan geschenkt bekam, glänzt in einem Kästchen. Ein wuchtiger Plastik-Skorpion, der bei einem Festivalkonzert auf der Bühne stand, schmückt die Schau. Und auf alten Super 8-Filmen sind junge Kerle zu sehen, wie sie vor dem Eingang zu einem Club in einer dunklen Gasse posieren, in dem sie später auftreten sollten.

«Wo eine Steckdose war, haben wir gespielt», sagte die Band später über sich. Geändert hat sich das seit 1965 nicht. Seit 2010 sind die Scorpions auf Abschiedstournee, bespielen Hallen weltweit. «Ein richtiges Ende ist noch nicht abzusehen. Noch sind die Konzerte ausverkauft», sagt Mania. Bei einem Auftritt der Band in Lissabon staunte der Kurator: «Die sind noch irre fit!» Bei dem Gig will er in den vorderen Reihen auch kreischende junge Fans erblickt haben.

Die sind heute eher selten. Früher waren die Hard-Rocker aber auch bei Jüngeren extrem beliebt: In einer schlanken Vitrine im Museum funkelt ein 20 Jahre alter goldener Indianer, eine Auszeichnung der Jugendzeitschrift «Bravo». «Es gibt kaum einen Preis, den die Band noch nicht bekommen hat», sagt Mania. An den Wänden im Erdgeschoss des Museums hängen gleich mehrere goldene Schallplatten.

So ganz haben die Scorpions Charme und schmachtende Groupies auch 47 Jahre nach Gründung der Band anscheinend nicht verloren. In einem Brief von Dezember 2011 schreibt ein weiblicher Fan: «Lieber Klaus, nochmals ganz lieben Dank für deine Unterschrift auf meinem Arm - ist bereits tätowiert! Mein Tattoo-Artist bestand auf Tinte, obwohl ich mein Herzblut nehmen wollte...»

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